Dainese: Einblicke in den Betrieb des italienischen MotoGP-Ausrüsters
Der ehemalige Moto3-Fahrer Andrea Migno besuchte den Firmensitz von Dainese. Der Ausrüster zeigte die Entwicklung der Schutzausrüstung im Laufe der Jahre und gab einen Einblick in die «Area 51».
Die Geschichte von Dainese begann auf zwei Rädern. 1968 fuhr der junge Lino Dainese mit Freunden auf einer Vespa von der Provinz Vicenza bis nach London. Aus dieser Reise sei die Idee entstanden, die Leidenschaft für Motorräder, Sicherheitsgespür und Designverständnis mit einer Marke zu verschmelzen. Ziel sei von Anfang an diese Strategie gewesen, erzählte einer der Dainese-Guides beim Herumführen durch die firmeneigene Ausstellung.
Knieschleifer, Höcker und ein Geistesblitz auf den Malediven
Dass der Knieschleifer gemeinsam mit Kenny Roberts senior entwickelt wurde und der aerodynamische Rückenhöcker ebenfalls aus dem Hause Dainese stammt, dürfte einigen Fans bekannt sein. Weniger geläufig ist die Entstehungsgeschichte des Airbags: 1994, im Urlaub auf den Malediven, soll Lino Dainese beim Anlegen seiner Taucherausrüstung erkannt haben, dass sich das Prinzip der Tarierweste – Auftrieb durch Luft – auch für den Körperschutz nutzen lässt. Die ersten Skizzen entstanden Berichten zufolge noch nass aus dem Wasser kommend auf einem Notizzettel. Zwölf Jahre später, 2006, wurde das System erstmals mit einem Stuntman vorgestellt, 2007 kam es das erste Mal in einer Rennsession zum Einsatz. Seit 2018 ist das System in der Motorrad-WM Pflicht.
Im Forschungs- und Entwicklungsbereich, liebevoll «Area 51» genannt, ließ sich VR46-Academy-Mitglied Andrea Migno erklären, wie GPS, Gyroskop und Beschleunigungssensor in Echtzeit erfassen, welchen Kräften ein Fahrer beim Sturz ausgesetzt ist. Dank über zwanzig Jahren gesammelter Sturzdaten kann man inzwischen jede Situation simulieren. Ein Unterschied zwischen der Renn- und Straßenvariante des Airbags-System besteht: Sie sind unterschiedlich groß. Das Dainese-Personal erklärte, dass dies an verschiedenen Schutzzonen läge: Renn-Airbags konzentrieren sich auf Schlüsselbein und Schulter, das Straßenmodell auf die größere Fläche von Brust und Rücken.
Dainese setzt weiter auf Handarbeit statt Fließband
Den größten Eindruck hinterließ die Produktion: Rinds- und Känguruleder werden von Hand zugeschnitten, gestanzt, bedruckt und vernäht – inklusive Metallschulterstücke aus Titan, die beim Sturz das Rutschen begünstigen und ein Abrollen verhindern sollen. In der Reparaturabteilung erfuhr Migno zudem, dass beschädigte Kombis ab einem gewissen Grad an Abnutzung nicht mehr instandgesetzt werden, da die Nähte sonst nicht mehr halten.
«Was wir gesehen haben, war großartig – Geschichte, Technologie und die Menschen bei Dainese», resümierte Migno zum Abschluss seines Besuchs. «Wenn wir auf der Strecke ohne Angst pushen können, dann auch dank ihnen.»
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