Turbulent, aber toll - das Finale der IBPM im Autodrom Most
Mit den letzten Rennen der Internationalen Bike Promotion Meisterschaft ging die Saison 2026 im tschechischen Most zu Ende. Fehlt nur noch die Meisterschafts-Party.
Traditionell ist das Autodrom Most der Austragungsort des Finales der IBPM. So auch in diesem Jahr, wobei neben der IBPM auch der HR Cup, die Classic Superbike, der KTM 990 RC R Cup und der YAMALUBE Yamaha R7 Cup ihre Saisonfinals in dieser Veranstaltung austrugen. Ein sehr anspruchsvoller Zeitplan mit insgesamt 16 Rennen war die Folge. Da in allen Klassen der IBPM und auch im Großteil der Cups die Titelentscheidungen noch nicht gefallen waren versprach das Event jede Menge Action, Spannung und besten Sport!
Der BMW-Cup
Mit dem BMW RR Cup ging einer von Deutschlands stärksten Markenpokalen ins erste Rennen am Samstag. Hier hatte Jenny Lehmann zwar die Saison dominiert, Kontrahent Maik Hornberger aber in den letzten Rennen richtig Punkte gutgemacht und die Titelentscheidung damit ins Finale vertagt. Und er wollte es auch dieses Mal wissen. Nach einem durchwachsenen Start setzte Lehmann sich zwar an die Spitze, wurde aber bald von Maik Hornberger ein- und überholt. Zwei Runden lang konnte sie den Abstand noch geringhalten, dann zog Hornberger davon und gewann souverän. In der Tabelle lag er danach nur zwei Punkte hinter Jenny Lehmann, die Titelentscheidung musste bis Sonntag warten. Tabellendritter Erik Thomsen aus Dänemark erreichte Platz 3 und festigte damit seinen Rang in der Meisterschaft.
In der Advanced-Wertung reisten Michael Kaufhold und Sebastian Lorch punktgleich in Most an. Taktieren machte hier keinen Sinn, das bessere Rennresultat zählte. Kaufhold machte alles richtig und gewann das Rennen, Sebastian Lorch wurde Dritter. Dazwischen platzierte sich Keven England. Michael Kaufhold erfuhr sich also neun Punkte Vorsprung und hatte somit alle Chancen, am Sonntag den Deckel draufzumachen.
Vor dem Rennen am Sonntag war die Spannung greifbar. Aber wie so oft kam es anders als gedacht. Der Schlagabtausch zwischen den Titelaspiranten fiel komplett aus, nachdem Gastfahrer Pedersen in der Startrunde einen kapitalen Highsider fabrizierte und damit das dicht nachfolgende Feld zu Ausweichmanövern zwang. In deren Folge stürzte auch Maik Hornberger und Michael Kaufholds Motorrad trug einen nicht reparablen Schaden davon. Am nachfolgenden Neustart des Rennens konnten beide nicht teilnehmen und somit war die Luft aus den Titelentscheidungen ein bisschen raus. Offensichtlich war es aber bei Jenny Lehmann noch nicht angekommen, dass sie den RR Cup bereits gewonnen hatte. Sie lieferte sich ein rundenlanges Duell mit Erik Thomsen mit zahlreichen, durchaus knappen Überholmanövern und sorgte damit bei ihrem Team für Entsetzen. Glücklicherweise ging aber alles gut, sie sah den Zielstrich vor Erik Thomsen und Keven England und sorgte so für den ersten Titelgewinn einer Frau in der Geschichte der IBPM!
Sebastian Lorch hatte die Aufgabe, mindestens zehn Punkte einzufahren und diese Aufgabe erfüllte er mit einiger Coolness. Hinter England und dessen Teamkollegen Michael Buch fuhr er sicher auf Rang 3 der Advanced-Wertung, erzielte damit 24 Punkte und beendete die Saison als Gesamtsieger!
BMW RR Cup (Gesamtwertung)
2. #92 Jennifer Lehmann/D 267 Punkte
1. #95 Maik Hornberger/D 230 Punkte
3. #77 Erik Thomsen/DK 203 Punkte
BMW RR Cup (Advanced-Wertung)
1. #150 Sebastian Lorch/D 209 Punkte
2. #773 Michael Kaufhold/D 194 Punkte
3. #67 Michael Buch/D 129 Punkte
Supersport open
Aus Oschersleben war Tim Holtz als Führender der Klasse abgereist mit dem klaren Ziel, in Most die Meisterschaft zu gewinnen. Seine Chancen standen gut, der Punktevorsprung auf den zweitplatzierten Martin Simonsen betrug 17 Punkte. Aber wie man im BMW Cup lernen konnte, ist im Motorsport ja alles möglich. Im Rennen 1 hielt der dreifache dänische Supersportmeister Simonsen die Entscheidung noch offen, er fuhr als Zweiter hinter Tim Holtz ins Ziel. Der Punkteabstand hatte sich auf 22 Punkte erhöht, was selbst unter Hinzuziehung des Streichresultates für einen vorzeitigen Titelgewinn von Holtz zu wenig war. Dritter im Rennen wurde Nico Busch, der bis Oschersleben die Tabelle angeführt hatte und nunmehr um den Gesamtplatz 3 kämpfte.
Während im ersten Rennen die Abstände zwischen den Platzierten noch recht deutlich waren, kam es in Rennen 2 zu einem engen Dreikampf an der Spitze. Holtz führte von Beginn an, ihm hingen aber Stefan Andersen und Martin Simonsen bis zur Runde 5 eng am Heck. In der musste wegen eines Sturzes abgebrochen werden, zu einem Neustart kam es nicht. Die Wertung erfolgte nach Runde 4, Tim Holtz war als Meister gekrönt. Hinter Andersen und Simonsen kreuzte Nico Busch die Ziellinie und sicherte sich damit Rang 3 in der Meisterschaft.
Stand in der Supersport open
1. #49 Tim Holtz/D 296 Punkte
2. #12 Martin Simonsen/DK 252 Punkte
3. #127 Nico Busch/D 248 Punkte
Supersport Next Generation
Alan Kreimes hatte bis Most bereits sieben Rennsiege und einen zweiten Platz in der Supersport Next Generation auf dem Konto. Er ging folgerichtig als Favorit ins Finale, dennoch war der Titel noch nicht sicher. Manfred Klincksiek war in den letzten Rennen immer stärker geworden und hatte die Meisterschaft so offenhalten können. Im ersten Rennen gelang es ihm, nach einem mäßigen Start kurzeitig an Alan Kreimes vorbeizukommen. Der erschrak sich dabei etwas, konterte aber umgehend und gewann das Rennen am Ende mit 2,02 Sekunden Vorsprung. Damit waren die Würfel in der Meisterschaft gefallen, Alan Kreimes heisst der alte und neue Champion. Sebastian Dillner holte sich Rang 3, den er auch in der Tabelle innehatte.
Am Rennsonntag stand Kreimes dennoch wieder am Start. Nur um noch einmal zu unterstreichen, dass der Gewinn des Titels seine absolute Berechtigung hat holte er sich den ersten Platz, gefolgt von Manfred Klicksiek und Ulf Bauerochse. Sebastian Dillner hatte sein Rennen im tschechischen Kies beendet, blieb aber trotz dieses Nullers in der Tabelle auf dem dritten Platz.
Stand in der Supersport NG
1. #14 Alan Kreimes/D 294 Punkte
2. #75 Manfred Klincksiek/D 249 Punkte
3. #790 Sebastian Dillner/D 169 Punkte
Superbike open
In der Superbike open legte Norick Tschauder die Latte hoch. Mit einer rund 0,5 Sekunden schnelleren Rundenzeit verwies er Tabellenführer André Krüger auf Startplatz 2 und unterstrich damit seinen Siegeswillen. August Wernig startete wie schon so oft in dieser Saison von Platz 3. In der Meisterschaft betrug der Vorsprung von Krüger auf Tschauder effektiv 38 Punkte, eigentlich ein sattes Polster. Aber es war zu erwarten, dass der junge Wilde Norick Tschauder beide Rennen gewinnen würde, so wie er es bereits schon einige Male in dieser Saison gemacht hatte. André Krüger stand unter Druck, mindestens 23 Punkte mussten her! Da durfte kein Ausfall passieren, kein Sturz, kein Defekt… Auf der anderen Seite musste Norick gewinnen, um sich noch eine winzige Restchance auf den Titel zu bewahren. Und so zog man mit konträrer Taktik ins Rennen 1. Tschauder gelang ein guter Start, danach zog er davon und siegte auch Dank Krügers eingeschränkter Risikobereitschaft mit deutlichem Vorsprung. Krüger war glücklich, ohne Beeinträchtigung durch die erste Schikane gekommen zu sein und verwaltete seinen zweiten Platz gegen August Wernig. Mit den damit verbundenen 20 Punkten verringerte er das Risiko auf 3 Punkte, eine sehr gute Ausgangsposition für das entscheidende Rennen am Sonntag.
Erneut musste Norick Tschauder alles auf eine Karte setzen, gewinnen und hoffen, dass André Krüger nicht in die Punkte fahren würde. Der erste Teil erfüllte sich, er gewann erneut souverän und brannte dabei mit 1:35.235 min die schnellste Rundenzeit des Wochenendes auf den tschechischen Asphalt. Der zweite Teil blieb ihm verwehrt- André Krüge blieb cool, sein von RS Speedbikes sorgfältig vorbereitetes Motorrad tat seinen Dienst und brachte seinen Piloten auf dem zweiten Platz ins Ziel! André zeigte sich nach diesem nervenaufreibenden Finale unfassbar glücklich und erleichtert, nach dem Sieg im BMW RR Cup im letzten Jahr war das ein toller Triumph! Er komplettierte eine für ihn fantastische Saison, in der er im Team BF Endurance auch schon das 24-Stunden-Rennen in Barcelona in der Klasse Stocksport gewinnen konnte. August Wernig freute sich über einen weiteren dritten Platz, der seine Endplatzierung in der Tabelle manifestierte.
Stand in der Superbike open
1. #44 André Krüger/D 287 Punkte
2. #848 Norick Tschauder/D 260 Punkte
3. #67 August Wernig/A 223 Punkte
Einladung zur Euro Moto
Nach diesen überzeugenden Leistungen der drei besten Superbiker dürfen sie auf Einladung des ADAC im Rahmen der WildCardChallenge am Finale des Pro Superstock Cups in Hockenheim teilnehmen. Eine gute Gelegenheit, sich mit der Stammbelegung des Cups zu messen und bei den Teamchefs der Euro Moto eine Visitenkarte zu hinterlegen. Diese Unterstützung seitens ADAC erhält im Übrigen auch die BMW RR Cup- Gewinnerin Jennifer Lehmann.
Sie war es auch, die die Ladies Challenge unangefochten durch die gesamte Saison anführte und letztendlich auch gewann. Auf Platz 2 folgt ihr Patricia Kok, deren Saison nicht unproblematisch verlief. Sie konnte sich aber vor Diana Weber halten, die das Jahr 2026 als Dritte abschloss.
In der neu im Programm der IBPM mitfahrenden Klasse Sportbike, die sich in eine Open- und eine Stockwertung teilt gewannen die Meisterschaft nach 5 absolvierten Events Marlon Braune (Open) und Johannes Gauerke (STK). Im kommenden Jahr soll diese Klasse endgültig fester Bestandteil der Zeitpläne der IBPM werden.
Das Fazit von Veranstalter Michael Dangrieß war eindeutig: „Die Fahrerinnen und Fahrer der IBPM zeigen immer wieder, dass Konkurrenz auf der Strecke mit einem tollen familiären Verhältnis untereinander vereinbar ist. Was die Mädels und Jungs an sportlichen Leistungen abliefern ist meiner Meinung nach einfach grandios! Das alles macht mich sehr stolz und ich möchte an dieser Stelle Danke an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, unsere Partner und Sponsoren, die Teams der Rennstrecken und natürlich an meine eigenen Mitarbeiter sagen. Von hier aus gratulieren wir auch den Siegern und Platzierten der Cups und Gastklassen. Die Meisterehrung findet am 21.11.2026 im niedersächsischen Hoyersdorf bei Schöningen statt.»
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