Deutsche Langbahn-Nationalmannschaft 2026: Weshalb sie ist, wie sie ist
Wenn am 20. September die Langbahn-Team-WM ausgetragen wird, gehört Deutschland – erneut – nicht zum Favoritenkreis. Über Nominierungsprobleme und einen frustrierten deutschen Teammanager.
Er ist frustriert und fühlt sich von einigen im Stich gelassen. Die Rede ist von Jörg Tebbe, seit vergangenem Jahr Teammanager der deutschen Langbahn-Nationalmannschaft. Eigentlich wähnte er sich bei der Übernahme dieses Amts in sicheren Gefilden: Deutschland, seit Jahrzehnten das Land der mit den besten Langbahn-Piloten der Welt, das Langbahn-Weltmeister en masse hervorbrachte und nicht umsonst mit zehn (von 17 möglichen) Titeln den Medaillenspiegel des Longtrack of Nations unangefochten anführt. Daran wird sich auch 2026 nichts ändern. Nur ist die Wahrscheinlichkeit, in diesem Jahr einen elften hinzuzufügen, sehr gering.
«Ich hatte Anfang 2026 mit Erik Riss, Lukas Fienhage, Daniel Spiller, Stephan Katt, Martin Smolinski, Dominik Werkstätter sowie Timo und Fabian Wachs meinen Pool», erzählte Jörg Tebbe. Gut gefüllt und auf (fast) alle Eventualitäten vorbereitet. Wie beispielsweise jener, dass Spiller unglücklicherweise zum dritten Mal hintereinander verletzungsbedingt ausfällt. Bekanntlich gibt es im Vorfeld der neuen Saison auch eine Abfrage des Verbandes, welcher Fahrer bei welchen Prädikaten antreten will und wird. Mit Ausnahme von Martin Smolinski setzten auch alle ein Häkchen hinter die Langbahn-Team-WM.
Interesse am Nationalteam ist gering
Tebbe hatte auch 2025 schon Probleme, ein konkurrenzfähiges Team zu nominieren. Damals lag es allerdings ausschließlich an verletzungsbedingten und gesundheitlichen Gründen, die schließlich auch dazu führten, dass Tebbe auf Position 4 noch einmal selbst aktiv ins Geschehen eingriff. Er, der über Jahre immer als mannschaftsdienlicher Nationalteam-Player einsprang. Auf Renneinsätze verzichtete, wenn er der Meinung war, dass ein anderer Fahrer besser geeignet sei. Und der in seinen frühen Jahren auch einfach mal so und als eventueller Ersatz für den Ersatz privat zur Langbahn-Team-Weltmeisterschaft reiste. Ausgerechnet er musste in diesem Jahr diese sehr bittere Erfahrung machen. Smolinski sagte ab, Katt ebenso. Erik Riss zieht es vor, am 20. September mit dem AC Landshut in der polnischen Liga zu fahren. Das habe für ihn Priorität, sagte Riss in einem Interview.
So kam es in letzter Minute zur Nominierung des deutschen Nationalteams. Lukas Fienhage, sozusagen der Fels in der Brandung, führt die Mannschaft bei seiner siebten Team-WM-Teilnahme als Kapitän an. Neben ihm sind mit dem U23-Weltmeister des Vorjahres, Timo Wachs, Dominik Werkstätter und Fabian Wachs lauter Nationalmannschafsneulinge. «Damit ist mein Pool auch ausgeschöpft», so Tebbe. Nachgedacht hat er auch über eine Nominierung des Nachwuchstalents Jeremias Ramus und seinen Sohn Louis: «Nachteil: Sie könnten danach nicht mehr in die B-Lizenz zurückkehren.» Tebbe selbst kann aufgrund seiner im Frühjahr erlittenen Verletzungen in diesem Jahr definitiv nicht ins Geschehen eingreifen. Er wird nach eigener Aussage 2027 noch ein paar Rennen in einer Art Abschiedstour fahren und dem aktiven Sport dann endgültig adieu sagen.
Tebbe fühlt sich im Stich gelassen
Wie es ihm nach all den Absagen und den ungezählten Telefonaten geht? «Nicht gut. Ich bin sehr enttäuscht und fühle mich im Stich gelassen, weil ich von aktiver Seite keine Unterstützung bekomme.» Den Kopf in den Sand stecken möchte der 47-Jährige dennoch nicht. Schließlich war er nicht nur 2025, sondern auch 2018 Teil eines Teams, auf das kaum einer einen Pfifferling gesetzt hatte – und das beides Mal eine Bronzemedaille mit nach Hause brachte. 2026 gilt es, sich mit Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Finnland, den Niederlanden und Norwegen in Roden/ Niederlande zu messen. Favoriten sind für Tebbe die Briten und Niederländer. «Ich glaube», so Tebbe, «dass die Bahn in Roden aber auch unseren Neulingen im Team entgegenkommt.» Für den deutschen Teammanager wäre es ein Erfolg, wenn man in «Richtung Podium» fahren könnte: «Dann hätten wir richtig was geschafft!» Am 20. September werden die Startbänder um 13.30 Uhr erstmals in die Höhe schnellen. In jeweils sechs Vorläufen, in denen im Drei-gegen-drei von jeweils zwei Nationen gefahren wird, sammelt jede Mannschaft möglichst viele Punkte, um über sie in den alles entscheidenden Endlauf einzuziehen.
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