Langbahn: Warum Jörg Grohmann das Nationalteam nicht mehr unterstützt
Jahrelang gehörte der Güstrower Versicherungsmakler Jörg Grohmann zu den Förderern des deutschen Bahnsports, auch der Langbahn-Nationalmannschaft. Weshalb er dieses Sponsoring beendet hat.
In den vergangenen Jahren trat Jörg Grohmann neben seinen Engagements für einzelne Fahrer, Clubs und Events auch als Sponsor der Bahnsport-Nationalmannschaften auf. SPEEDWEEK.com fragte beim Güstrower Versicherungsmakler nach, weshalb er das nicht mehr tut, gleichzeitig aber mehr denn je im Langbahnsport unterstützt.
«Ich war mit einer der Ersten, wenn nicht sogar der Erste, der gesagt hat, wir müssen beim Auftreten was tun. Länder wie Lettland und die Ukraine traten allesamt einheitlich auf, nur die Deutschen waren kreuz und quer eingekleidet und die Fahrer traten mit eigenen Anzügen und Motorradverkleidungen an», erzählte Grohmann, weshalb er sich entschloss, die Nationalteams zu unterstützen. «In der Zeit, als Peppi Rudolph Teamchef war, habe ich über Maliniak in Polen verschiedene Anzüge für die Nationalmannschaft anfertigen lassen. Die Anzüge habe ich dann nachts in Polen abgeholt und sie am nächsten Morgen nach Vojens zum Speedway der Nationen gebracht. Mehrere Sponsoren haben gesagt, wir unterstützen das jetzt für drei Jahre. Im Sommer letzten Jahres habe ich entschieden, dass ich mein Engagement nicht verlängern werde.»
Das erklärte der Güstrower gegenüber SPEEDWEEK.com wie folgt: «Ich habe für mich geschaut, wo wir vor drei Jahren angefangen haben und wo wir heute stehen. Die Unterstützung, die der Bahnsport in anderen Ländern wie England, Australien, Dänemark oder Polen erfährt, haben wir in Deutschland nicht. Ich habe gesehen, dass ich mit meiner Unterstützung nicht annähernd etwas bewegen kann und habe mich entschieden, damit aufzuhören. Ein Beispiel, als mir das so dermaßen bewusstwurde: Als Deutschland die Team-WM gewann und Josef Hukelmann mit dem Titel nach jahrelanger Arbeit als Teammanager abtrat, hätte ich mir gewünscht, dass er für seine erfolgreiche Arbeit über all die Jahre zur FIM-Gala reisen darf, aber nein, das ist nicht passiert. So habe ich mich gefragt, was ist das alles wert und was kommt für die Fahrer bei so etwas raus.»
Große Kritik am DMSB
Grohmanns Kritik richtet sich vor allen an den Deutschen Motor Sport Bund: «Der Bahnsport wird total stiefmütterlich behandelt, meiner Meinung nach tut der DMSB viel zu wenig für das, was wir brauchen. Ich nehme da alle raus, die die Arbeit als Teammanager ehrenamtlich machen und eine Nationalmannschaft neben ihren Berufen betreuen. Sie will ich eher loben und nicht kritisieren, weil die mit viel Herzblut dabei sind, wie auch viele, die einen ehrenamtlichen Job in den Vereinen machen.»
Nachdem sich Grohmann nun weitgehend vom Sponsoring auf der großen Bühne, wie bei Bartosz Zmarzlik und Robert Lambert, zurückgezogen hat und auf Engagements wie beim MSC Mühldorf setzt, könnte er sich vorstellen, ein überregionales Projekt im Nachwuchsbereich zu unterstützen. «Ich würde mit 99-prozentiger Sicherheit zur Förderung von Kindern und Jugendlichen im Speedwaybereich zurückkehren. Ich sehe, dass vieles im Einzelnen passiert, aber es passiert nicht so, wie es sein müsste, damit es wächst. Wenn es eine langfristige Entwicklung, zum Beispiel in Form einer Trainingsschule, gäbe, die federführend koordiniert wird, was eine Verbandsaufgabe wäre, könnte ich mir vorstellen, dass zu unterstützen», sagt der Mäzen, der zu DDR-Zeiten selbst als Leichtathlet Teil eines Sportförderkaders war und am eigenen Leib erfuhr, wie eine professionelle Unterstützung aussehen kann.
Grohmann abschließend: «Ich sehe, dass sich viele ehemalige Fahrer auf verschiedenen Ebenen weiter im Sport engagieren, das fehlt bei uns auch ein Stück weit. Gerade die Könner, die wir auf der Bahn hatten, müssten sich weiter einbringen, und selbst wenn sie das wie ein Erik Gundersen rein für den Nachwuchs machen. Wenn man sieht, wie die Entwicklung der Junioren in Dänemark ist, oder wie das ein Janusz Kolodziej in Polen macht, bei dem Nazar Parnitskyi groß wurde, dann ist das was ganz anderes.»
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