Klaus Klaffenböck - Mit Schlitzohrigkeit zum WM-Debüt in Spa-Francorchamps
In Oschersleben steigt die letzte Veranstaltung der Seitenwagen-WM. Wie es Klaus Klaffenböck gelang, sein WM-Debüt zu feiern, lesen Sie hier als Vorgeschmack seines Buches «Sterben tun die Anderen».
Einen Startplatz in der Seitenwagen-Weltmeisterschaft zu bekommen, war für «Nobodies», wie es die österreichische Paarung Klaus Klaffenböck/Christian Parzer Ende der 1980er-Jahre war, nicht gerade einfach. Man musste eine gute Mischung zwischen Selbstbewusstsein und Devotheit finden. Und auch wenn man den richtigen Ton gefunden hatte, war man trotzdem Selbstherrlichkeit der Veranstalter ausgeliefert.
Wie in einem exklusiven Textauszug der Biografie von Klaffenböck «Sterben tun die Anderen», die Mitte Oktober erscheint, aber bereits jetzt auf seiner Homepage zu bestellen oder beim Sidecar Festival persönlich vom Weltmeister zu beziehen ist, scheiterten die beiden hoffnungsvollen Oberösterreicher in Assen krachend. Wolfgang Kalauch, ein deutscher Beifahrer von Weltrang, riet ihnen, es in der Woche darauf in Spa nochmals zu versuchen.
Lesen Sie hier im zweiten Teil der Leseprobe, wie es dem schlitzohrigen Duo gelang, sich beim belgischen WM-Lauf in die Startaufstellung zu schummeln:
Zunächst reparierten wir im Fahrerlager von Assen noch den kaputten Motor. Wir blieben dann noch ein paar Tage und nutzten die Nacht auf Samstag ausgiebig zum Feiern. Assen ist legendär, Hunderttausende lassen es dort während der Renntage ordentlich krachen. Diese Stimmung wusste vor allem Parzer zu nutzen. Der künftige Seitenwagen-Weltmeister war auch ein Naturtalent in Sachen Frauen, und in unserem Setra-Bus wurde es richtig eng.
Mit einem ziemlichen Kater fuhren wir am Sonntag auf gut Glück nach Spa Francorchamps. Am Eingang zum Fahrerlager durften wir uns immerhin schon in eine Teilnehmer-Warteliste eintragen. Ich fragte nach, wann wir Bescheid bekommen würden. Da mein Englisch mangelhaft war (um es freundlich auszudrücken), war ich mir nicht sicher, ob ich die Antwort richtig verstanden hatte: in zwei Tagen?
Wir warteten auf dem Parkplatz vor dem Fahrerlager. Ohne Stromanschluss. Ohne Dusche. Aber wir waren in Spa!
Zwei Tage später die frohe Botschaft: Startgenehmigung, unser erster WM-Lauf! Da von 36 genannten Teams nur 30 ins Rennen gehen durften, mussten wir uns aber erst einmal qualifizieren.
Man pferchte uns ins letzte Eck der Box von Rolf Steinhausen. Der deutsche Hero war in den 1970er-Jahren zweifacher Weltmeister und dreifacher TT-Sieger, sozusagen mein Vorgänger.
Mythos Spa: Eau Rouge, Blanchimont, Stavelot
Berühmte Streckenteile, die Legenden schaffen oder Träume zerstören. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Wer hier zum ersten Mal antritt, steht vor einer Mammutaufgabe. Der Kurs verlangt enorme Präzision bei sehr hohen Geschwindigkeiten. Viel schwieriger kann eine WM-Premiere nicht sein.
Im Falle einer Qualifikation gab es 1500 Schweizer Franken Startgeld, und ein Platz unter den Top 15 würde die Kasse mit einem zusätzlichen Preisgeld aufbessern.
Wir arbeiteten uns im Training langsam heran, aber es reichte vorerst nicht, wir lagen außerhalb der Top 30. Das Qualifying lief nur noch wenige Minuten. Wir standen in der Box, bereit für den letzten Versuch, aber im Grunde dachte ich: Shit, das war’s.
Die linke Aktion beim WM-Debüt in Spa Francorchamps
Da sah ich plötzlich Wolfgang Kalauch im Laufschritt auf uns zukommen, der musste einen Narren gefressen haben an uns jungen Wilden. Er beugte sich runter zu mir: „Ihr habt eine allerletzte Chance. Fahrt raus, tut so, als würdet ihr euch in La Source verbremst haben, fahrt dann geradeaus in die Auslaufzone, dreht das Gespann um und gebt mit Anlauf alles, aber wirklich alles, was ihr habt, die Runde müsste dann passen.“
Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Volle Attacke. La Source, uiuiui, na so was Blödes, verbremst, und das in der letzten Runde, na geh! Planmäßig in die Auslaufzone, das Gespann gewendet, zurück auf die Stecke und mit einem satten Tempoüberschuss bei Start-und-Ziel vorbei. Nur noch ein gravierender Fahrfehler hätte uns jetzt einen Strich durch die Rechnung machen können. (Im Gegensatz zur Formel 1 starteten die Seitenwagen erst nach der Haarnadelkurve La Source, von wo aus es direkt zu Eau Rouge hingeht.)
Wir schafften es!
Platz 26 und 1500 Schweizer Franken Startgeld, cash ausbezahlt an Ort und Stelle. Ich hatte mein Lebtag noch nicht so viel Geld in der Tasche gehabt. Der Kalauch war richtig stolz auf uns, und ein bissl, glaub ich, auch auf sich selbst. Wir waren allerdings nicht die Ersten und nicht die Letzten mit solch einer Masche. Irgendwann durchschaute die Rennleitung den Schwindel. Qualifyingrunden aus dem Notausgang wurden fortan untersagt.
Im Rennen kamen wir über den 19. Platz nicht hinaus. Mehr war gegen die absolute Weltelite nicht drin. Aber wir hätten ja auch Letzte werden können.
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