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Moto4 Oschersleben: Deutsches Talent vorzeitig zum Champion gekürt
Nur eine Woche vor seinem ersten Auftritt bei der Seitenwagen-WM nahmen Thomas Eder/Kevin Kölsch erstmals an einer Veranstaltung teil. Gleich bei ihrem zweiten Rennen holten sie sich den Sieg.
Thomas Eder ist in Sachen Motorradrennsport ein «Hans Dampf in allen Gassen». Der vielseitige Deutsche setzte sich 2019 in der damals stark besetzten Superstock 600-Klasse der Internationalen Österreichischen Meisterschaft (IOEM) durch. Danach probierte er sich erfolgreich als Fahrer und Teamchef in der Internationalen Deutschen Meisterschaft (IDM) und weil neben seinem fordernden Job als Chef einer Elektro-Installationsfirma anscheinend noch Zeit blieb, organisiert er gemeinsam mit Geri Gesslbauer die Rennserie «BTR-Eder Racing Events» für ambitionierte Hobby-Racer.
Seit letztem Jahr hat Eder eine weitere Herausforderung angenommen. Im Zuge der Seitenwagen-WM-Läufe auf dem Pannonia-Ring wurde in einer geselligen Runde ausgiebig gefeixt und vereinbart, zusammen mit seinem Freund Thomas Gradinger auf dem Circuit Mallorca Llucmajor eine Probefahrt mit einem Gespann zu unternehmen. Während der Österreicher feststellen musste, dass seine von Stürzen strapazierte Schulter keine Vertiefung in die Materie zulässt, fand der Bayer Gefallen an der Sache und für ihn war rasch klar, dass es nicht bei diesen Trainingsrunden bleiben kann.
Bei Adrian Kornas bestellte sich Eder ein ARS-Chassis, das er wie die meisten Teams mit einem Motor von der Yamaha R6 bestückte. Dann folgte eine längere Erprobungsphase, die er wie von seinem Brotberuf gewohnt, akribisch durchgeführt wurde. Dabei griff er bei seinen Trainingsfahrten immer öfter auf die Dienste von Kevin Kölsch zurück, der zu den besten Beifahrern Deutschlands zählt. Dieser brachte die unschätzbar wertvolle Expertise eines WM-Laufsiegers mit und so ging es mit den Rundenzeiten beständig nach unten und mit dem Selbstvertrauen im Gleichschritt nach oben.
Mit dem festen Ziel eines WM-Einstiegs auf dem Circuit «Angelo Bergamonti» in Cremona am zweiten August-Wochenende vor Augen, sollte die fehlende Erfahrung eines Renneneinsatzes mit harten Rad-an-Rad-Kämpfen anlässlich der Internationalen Sidecar Trophy auf dem Red Bull Ring gesammelt werden.
Bereits im Training verblüfften Eder/Kölsch mit der fünftschnellsten Rundenzeit unter 26 Teams. Nur Josef Sattler/Luca Schmidt (ARS BMW 1000) bei ihrem Kurzzeit-Comeback, Patrick Werkstetter/Valentin Pirat (ARS Yamaha 600), Mike Roscher/Anna Burkard (LCR BMW 1000) und Enrico Wirth/Ronja Billich (LCR Yamaha 600) waren schneller als die deutsche Besatzung bei ihrem ersten Antreten. Was noch mehr als die Platzierung verblüffte, war die Tatsache, dass die beiden nicht einmal eine halbe Sekunde auf die vorjährigen WM-Sechsten Werkstetter/Pirat verloren.
Im ersten Rennen musste der Dreirad-Debütant noch Lehrgeld zahlen. Die MotoGP-Strecke, die nach einem nächtlichen Regenguss noch teilweise feucht war, trocknete im Verlauf der sieben Runden kontinuierlich auf, Eder hatte aus Sicherheitsgründen allerdings auf Regenreifen gesetzt. Trotzdem verpasste das Duo als Vierte ihre erste Podiumsplatzierung um nicht einmal eine Sekunde. «Es war ja mein erstes Rennen, deshalb wollte ich kein unnötiges Risiko eingehen und bin anfangs zu vorsichtig ans Werk gegangen», erzählte der 41-jährige Tausendsassa gegenüber SPEEDWEEK.com.
Im zweiten Lauf lief es auf trockener Strecke besser für Eder/Kölsch, viel besser sogar. Im Goldrace über zwölf Runden duellierten sie sich mit Werkstetter/Pirat um die Führung ihrer Klasse, wobei Eder bei aller Risikobereitschaft Vorsicht walten ließ. «Ich konnte sie immer wieder aus dem Windschatten überholen, habe ihnen im Kurveneingang aber meist den Vortritt gelassen. Einerseits wollte ich keine Kollision riskieren, anderseits wollte ich sehen, warum sie in den beiden Linkskurven schneller sind. Als wir dann wieder in Führung lagen, sind sie leider mit Defekt ausgeschieden.»
Auch wenn Eder mit viel Selbstvertrauen an die Sache heranging, ein Sieg bei seinem erst zweiten Renneinsatz, bei dem sogar erfahrene WM-Teams wie Kevin Cable/Yann Druel oder Claude Vinet/Leane Marsal das Nachsehen hatten, stand nicht zur Diskussion. «Im Vorderfeld wollten wir schon mitmischen, dass wir aber gewonnen haben, kam doch etwas überraschend. Jetzt gehen wir hochmotiviert zum WM-Lauf nach Cremona. Da geht es hauptsächlich darum, in der Weltelite weiter Erfahrungen zu sammeln. Aber insgeheim erhoffe ich mir jetzt schon einen Platz in den Top-10.»
Freitag, 7. August
08.30 - 09.00 Uhr
Privates Training
12.15 - 12.35 Uhr
Freies Training
16.00 - 16.40 Uhr
Freies Training
Samstag, 8. August
08.30 - 09.00 Uhr
Zeittraining
12.35 Uhr
Start Sprintrennen (12 Rdn.)
Sonntag, 9. August
08.30 - 08.45 Uhr
Warm up
12.15 Uhr
Start Hauptrennen (20 Rdn.)
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