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Sportwagen
Kolumne
Er kam aus Dänemark nach Deutschland, um im Formelsport Karriere zu machen. John Nielsen ist das auf Anhieb gelungen. Am 7. Februar feiert «Super John» nun seinen 70. Geburtstag. Wir gratulieren!
«Danish Dynamite» nannte man scherzhalber die drei harten Jungs aus Dänemark, die gegen Ende der 1970er-Jahre nach Deutschland kamen, um im Formelsport Karriere zu machen. Neben Kurt Thiim und Kris Nissen empfahl sich damals auch der großgewachsene John Nielsen für Siege und Meisterschaften.
Alle drei Super-Dänen machten im Laufe der Zeit ihren Weg – jeder auf seine Weise, aber alle über die deutsche Formel 3. Jeder der drei Herrschaften holte sich wie selbstverständlich einen Formel-3-Titel. Thiim und Nissen trafen sich nach gemeinsamen Formel-3-Jahren als Werksfahrer in der alten DTM wieder, Nielsen schrieb als Rekordmeister der Formel Super V und Formel-3-Champion seine eigene Sportwagen-Geschichte mit dem Le Mans-Sieg 1990 als Karriere-Höhepunkt.
Zurück auf Anfang. Während Thiim und Nissen noch Erfolge in der Formel Ford feierten, begann Nielsen 1979, 1980 und 1981 fürs erste schon mal mit einem Titel-Hattrick in der Super-V-EM. Dabei sprangen 17 Siege innerhalb von drei Jahren heraus – nicht schlecht für einen Nachwuchsfahrer. Bei dieser Gelegenheit verdiente er sich auch den Beinamen «Super John».
Mit dieser Sieges- und Titelausbeute im Handgepäck wurde der Mann mit dem schütteren Haupthaar automatisch zum Wunschkandidaten für den Einstieg von Volkswagen Motorsport als Motoren-Lieferant in die hart umkämpfte Formel 3. Die Wolfsburger wollten 1982 beweisen, dass ihr frisch entwickeltes Formel-3-Triebwerk aus dem Golf GTI jenen Aggregaten von Alfa Romeo und Toyota um nichts nachsteht, ja vielleicht sogar besser ist.
Den Zuschlag als Einsatzteam für den VW-Werkseinsatz bekam die erfahrene Mannschaft des Bitburger F3-Spezialisten Bertram Schäfer. Und Nielsen machte nahtlos so weiter, wie er in der Super V aufgehört hatte. Sieg um Sieg reihte sich aneinander und am Ende der Saison 1982 stand der souveräne Gewinn des deutschen F3-Championats mit fünf Siegen und 30 Punkten Vorsprung auf den Schweizer Bruno Eichmann.
Nächstes Ziel von VW und Nielsen war 1983 die Formel-3-EM. Hier tobte über die gesamte Saison ein erbitterter Dreikampf zwischen der VW-Speerspitze Nielsen und den Alfa-Stars Pierluigi Martini und Emanuele Pirro. Im 15. und letzten Lauf gab es einen Alfa-Doppelsieg und Nielsen unterlag Martini im Endklassement um ganze vier Punkte. Das Kapitel Formel 3 mit VW beendete der Däne 1984 nach einer eher durchwachsenen Saison mit einem versöhnlichen Sieg beim F3-Welt-Finale in Macau.
Nach dem Abschied aus der Formel 3 folgte für Nielsen schon ein Jahr später das ebenso aufregende wie wechselvolle Kapitel Le Mans. Um die 20 Mal startete er bei dem 24 Stunden-Klassiker, wobei seine Premiere 1985 im Saube C8 nicht gerade geschmeidig ausfiel. Der gute John eröffnete mit seiner geschichtsträchtigen Luftreise samt Rückwärtsrolle in bedenklicher Höhe jenes Le Mans-Horror-Szenario, von dem in den Folgejahren auch weitere Wettbewerber wie beispielsweise Mercedes oder Audi nicht verschont blieben.
Dennoch markierte Le Mans in Nielsens Karriere nicht nur einen Tiefpunkt, sondern auch Jubel und Trubel. Denn 1990 gewann er als Jaguar-Werkspilot zusammen mit Martin Brundle und Price Cobb. Die Sportwagen blieben danach seine Heimat bis zum Karriereende, neben Sauber und Jaguar saß er in den Cockpits von Porsche, McLaren, Panoz, Dome, Honda, Lola, Zytek und Aston Martin.
In seiner langen Sportwagenzeit war er auf allen klassischen Rennstrecken wie Daytona, Sebring, Fuji, Suzuka oder Road Atlanta zu Hause. Zwischen 1985 und 2008 absolvierte Nielsen mehr als 200 Sportwagen-Starts.
Nach dem Ende seiner aktiven Zeit widmete sich Super John seiner Familie, bestehend aus seiner dritten Ehefrau und vier Kindern (ein Sohn, drei Mädels). «Meine dritte Ehe hält aber jetzt schon 20 Jahre», lässt er noch schnell ergänzend wissen.
Besonders stolz ist John Nielsen auf sein jetziges Haus in Ørsted, das er selbst mit eigenen Händen gebaut hat. «Das hat dreieinhalb Jahre gedauert und viel Kraft gekostet, bis alles fertig war. Aber ich bin stolz darauf, es mehr oder weniger in Eigenregie geschafft zu haben.» So ganz nebenbei erwähnt er dann auch noch, dass er 15 Jahre lang für das dänische Fernsehen die Formel-1-Übertragungen kommentiert hat.
Stolz ist der Jubilar auch auf seinen Sohn, der als Ingenieur in England bei «Gordon Murray Automotive» arbeitet. Für den Rennsport selbst hat Nielsen jun. allerdings nie Ambitionen gehegt, wie John betont. Aber Benzin wird trotzdem noch bei Nielsens geredet, denn John steht dem jeweils aktuellen dänischen Rennfahrer-Nachwuchs noch regelmäßig als Ratgeber und Coach zur Verfügung.
Lieber John, als alter Wegbegleiter möchte ich dir sagen, dass du ein stets ansprechbarer und immer fairer Racer warst. In den Jahren, in denen ich dich hierzulande für VW Motorsport in der Formel Super V und der Formel 3 begleiten durfte, habe ich dein freundliches und ehrliches Wesen schätzen gelernt.
Und noch was – dein wunderbares «Dänen-Deutsch» klingt noch immer so wie damals. Als wir dieser Tage miteinander telefoniert haben, hast du dich nicht anders angehört als vor gut 40 Jahren. Happy Birthday, alter Krieger, bleib gesund und genieße das Leben in der eigenen Hütte.
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