Ducati bricht mit Traditionen: «Manchmal muss man die Eier haben!»
Alle 30 Rennen der Superbike-WM 2026 gingen bisher an Ducati. Technikkoordinator Marco Zambenedetti erklärt exklusiv die Stärke der neuen V4R – und verteidigt den Abschied von der Einarmschwinge.
Mit Nicolo Bulegas vorzeitigem Titelgewinn in Cremona hat Ducati die außergewöhnliche Stärke der neuen Panigale V4R gekrönt. Nach zehn Rennwochenenden der Superbike-WM 2026 stehen 30 Siege aus 30 Rennen zu Buche. Die neue Generation des Superbikes setzte sich damit vom Saisonauftakt an durch.
Für Ducati-Technikkoordinator Marco Zambenedetti ist diese Bilanz das Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung. Im Exklusivgespräch mit SPEEDWEEK.com würdigte der Ducati-Technikkoordinator ausdrücklich auch jene Menschen, deren Arbeit abseits der Rennstrecke stattfindet.
«Natürlich bin ich sehr stolz», kommentierte der Italiener. «Ich bin stolz auf alle Leute, die bei diesem Projekt beteiligt sind. Vor diesen Leuten habe ich allergrößten Respekt. Wir haben unglaubliche Arbeit geleistet. Das gilt aber auch für die Fahrer und diejenigen, die für die Fahrerwahl zuständig waren und das Team geleitet haben.»
Ducatis Aufgabe: Ein sehr gutes Motorrad noch besser machen
Die Entwicklung der neuen V4R stellte Ducati vor eine anspruchsvolle Aufgabe: Das bisherige Motorrad war bereits erfolgreich. Fortschritte durften deshalb nicht zulasten jener Eigenschaften gehen, mit denen die Panigale schon zuvor Rennen gewonnen hatte. Genau diese Balance sieht Zambenedetti gelungen.
«Wir konnten unsere größten Schwächen beheben, ohne unsere Stärken zu opfern. Die Ergebnisse sind das Resultat einer sehr guten Arbeitsweise und eines großen Engagements des Herstellers», so der Ducati-Ingenieur. Dabei beschränkt sich seine positive Bilanz nicht auf die Rennstrecke. «Auch die Marktreaktion ist sehr gut. Und auch hier im Paddock haben wir sehr gute Feedbacks erhalten.»
Bruch mit Traditionen – mit Erfolg!
Ein besonders sichtbarer Bruch mit der bisherigen Konstruktion war der Wechsel von der Einarmschwinge zur Zweiarmschwinge. Für viele Ducati-Traditionalisten gehörte die Einarmschwinge fest zur Identität der Panigale. Die Entscheidung, dieses vertraute Merkmal aufzugeben, wurde entsprechend kritisch diskutiert.
Nach den bisherigen Ergebnissen fällt es Zambenedetti leicht, den Mut zu dieser Veränderung zu verteidigen. Für ihn zeigt das Projekt, weshalb ein Hersteller auch erfolgreiche Konzepte hinterfragen muss.
«Wir haben sehr gute Reaktionen vom Markt erhalten. Alle Ducatisti sind stolz darauf, eine Ducati in ihrer Garage zu haben und diese fantastischen Motorräder zu fahren. Manchmal muss man die Eier haben, ein bewährtes System zu brechen, um zu sehen, wie gut neue Ideen sein können. Unterm Strich sind alle Ducatisti stolz auf die Ergebnisse, die wir in diesem Jahr feiern konnten.»
Die Siegesserie allein lässt sich zwar nicht einer einzelnen technischen Änderung zuschreiben. Sie bestätigt aber, dass das Gesamtpaket der neuen V4R funktioniert. Ducati hat eine erfolgreiche Basis weiterentwickelt und dabei bewusst auf ein Konstruktionsmerkmal verzichtet, das für viele Fans lange unverzichtbar schien.
Ducati hofft, dass die Gegner nachziehen
Die Dominanz wirft zugleich die Frage auf, wie die anderen Hersteller wieder näher an Ducati herankommen können. Zambenedetti wünscht sich stärkere Gegner, sieht ständige Limitierungen der Stärksten aber kritisch.
«Mit Blick auf die Ergebnisse hoffe ich, dass die anderen Hersteller fokussierter und mit mehr Hingabe ein Teil des Spiels bleiben. Wir bevorzugen es, den Schwächeren zu helfen, anstatt die Erfolgreichen zu limitieren. Jeder soll aber die Chance haben, es aufs Podium zu schaffen», erklärte er.
Für Ducati bleiben nach Bulegas Titelgewinn noch zwei Rennwochenenden, um die bislang makellose Saisonbilanz auszubauen. Gleichzeitig richtet sich der Blick bereits auf 2027. Der Wechsel zu Michelin bedeutet auch für den derzeit dominierenden Hersteller eine neue Entwicklungsaufgabe.
Zambenedetti vermeidet deshalb eine Prognose, ob sich die Überlegenheit fortsetzen lässt. «Wir versuchen, die ausstehenden Rennen zu genießen. Im kommenden Jahr stehen wir vor einer neuen Herausforderung. Es ist aber noch ziemlich zeitig, um alles richtig zu verstehen», bemerkte der Ducati-Technikkoordinator.
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