Zwischen fehlenden Charakteren und technischer Schieflage: Jonathan Rea sprach im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com über die Zukunft der Superbike-WM und ihre größten Herausforderungen.
Noch vor dem ersten Rennen 2026 wurden hinter den Kulissen Fahrerverträge für 2027 vorbereitet. Bei allem Neuigkeitswert dürfte das dem Sport mehr Schaden als Nutzen bringen. Ein Kommentar.
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Die Superbike-Weltmeisterschaft steht vor einem Umbruch. Mit Toprak Razgatlioglus Wechsel in die MotoGP und dem Rücktritt von Rekordchampion Jonathan Rea verliert die Serie in gut drei Wochen zwei ihrer größten Namen. Gleichzeitig rückt die Diskussion über die technische Balance der Motorräder immer stärker in den Vordergrund. Rea selbst ordnet die Lage im exklusiven Interview mit SPEEDWEEK.com ein – mit einer Mischung aus Gelassenheit und kritischem Blick.
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Für Rea ist klar: Der Superbike-Abschied von Razgatlioglu, der die Serie in den vergangenen Jahren mitgeprägt hat, wiegt schwer. "Nun, sicher ist: Toprak ist ein großer Verlust", sagte der sechsfache Weltmeister. Doch er verweist auf die Historie der Meisterschaft, in der stets neue Helden den Weg nach oben meisterten. "Natürlich tauchen immer wieder neue Champions auf. Die Welt dreht sich weiter. Es war ähnlich, als Bayliss 2008 zurücktrat. Dann kam Spies, und es entstand diese Dynamik zwischen Spies und Haga. Danach feierte Biaggi seine Weltmeisterschaften, Melandri war da, und dann begann meine Ära mit Kawasaki in der Superbike-WM – es gibt also immer wieder neue Geschichten."
Auch wenn er selbst seine Persönlichkeit nicht als schillernd beschreibt, sieht Rea Chancen für eine neue Fahrergeneration: "Jetzt ist die Zeit für andere Fahrer gekommen. Ich war nie die größte Persönlichkeit. Mein Profil entstand vor allem durch die Erfolge. Vielleicht gibt es da draußen mehr Charaktere, die man noch entdecken kann."
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Balance of Performance: Die größte Herausforderung
Noch vor dem ersten Rennen 2026 wurden hinter den Kulissen Fahrerverträge für 2027 vorbereitet. Bei allem Neuigkeitswert dürfte das dem Sport mehr Schaden als Nutzen bringen. Ein Kommentar.
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Während sich neue Champions finden werden, sieht Rea in der technischen Balance der Superbikes die weitaus größere Baustelle. Denn die Unterschiede zwischen den Herstellern sind gravierend: Ducati und BMW treten mit hochmodernen Superbikes an, während Yamaha mit der R1 und Kawasaki mit der ZX-10RR auf Modelle setzen, deren Basis seit vielen Jahren kaum verändert wurde.
"Das größte Problem für die Superbike-WM ist das Gleichgewicht im Wettbewerb", warnte Rea. "Es ist nun einmal eine serienbasierte Meisterschaft, und manche Motorräder sind von Haus aus deutlich besser – mit anderem Preisniveau und anderen Spezifikationen. Und es ist schwierig, in einer Unterhaltungsbranche all das auszugleichen: eine gute Show bieten, aber auch die Hersteller bei Laune halten. Ohne ihre Unterstützung ist die Meisterschaft nichts." Schwieriger Spagat zwischen Show und Technik
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Wie dieser Spagat in Zukunft gelingen soll, kann oder will Rea nicht im Detail beantworten: "Ich bin nicht qualifiziert genug, um konkrete Ratschläge zu geben. Aber wichtig ist: die Show. Sie haben ein gutes Produkt, und es gibt viele talentierte Fahrer, die aktuell nicht konkurrenzfähig sind. Wenn man das Niveau aller Hersteller anheben kann, hat man ein richtig gutes, unterhaltsames Produkt – und die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen." Dass die Dorna in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht hat, erkennt Rea durchaus an. "Sie sind besser darin geworden, Geschichten zu erzählen", sagt er. "Aber es bleibt eine schwierige Aufgabe." Die Superbike-WM steht also an einem Scheideweg. Mit dem Abgang ihrer größten Stars verliert sie Identifikationsfiguren, gleichzeitig stehen bei der Balance of Performance große Herausforderungen bevor, um weiterhin spannende Rennen bieten zu können.
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