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TourenwagenKolumne

Nicht erst im Sommer 2026: Wenn Europa und der Rennsport schwitzen

Sommer 2026: Ganz Europa stöhnte im Juni über ungewöhnliche hohe Temperaturen. Aber schon vor 50 Jahren stellte eine zähe Hitzewelle die Menschen vor große Probleme.

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Ausschnitt «Kölner Stadtanzeiger» vom 29. Juni 1976
Ausschnitt «Kölner Stadtanzeiger» vom 29. Juni 1976
Foto: Kölner Stadt-Anzeiger
Ausschnitt «Kölner Stadtanzeiger» vom 29. Juni 1976
© Kölner Stadt-Anzeiger

Eine Woche lang stöhnten und litten weite Teile Europas in der letzten Juni-Woche 2026 bei Temperaturen bis zu 40 Grad. Und die nächste Serie heißer Tage steht schon vor der Tür. Allerdings ist die Dauer der heißen Perioden noch gnädig gegen das, was Deutschland um die gleiche Zeit vor 50 Jahren ertragen musste.

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Erinnerungen werden wach an die gefühlt schier endlos lange Periode heißer Tage und gleichzeitig extremer Trockenheit Ende Juni/Anfang Juli 1976. Nur die Temperaturen waren damals noch etwas moderater. Mit nahezu drei Wochen Dauerhitze zwischen 33 und 35 Grad, fünf Wochen ohne nennenswerten Regen und rationierter Wasserversorgung befand vor allem die Mitte und der Süden Deutschlands in einer Art Ausnahmezustand.

Auch der Rennsport erlebte damals die zweitlängste Hitzewelle seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Es waren wirklich schlimme Wochen für Veranstalter und Fahrer. In Hockenheim, am Norisring und sogar am hochgelegenen Nürburgring kippten Rennfahrer halb ohnmächtig aus ihren heißen Cockpits und mussten von den Rennärzten mit Sauerstoff behandelt werden.

Ich erinnere mich deshalb noch so genau, weil damals die Durchführung einiger Veranstaltungen mit Waldumgebung wie Hockenheim, Nürburgring und mehrere Bergrennen sowie Rallyes wegen hoher Waldbrandgefahr auf der Kippe standen oder teilweise sogar auf Druck der Forstbehörden komplett abgesagt werden mussten.

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Oft kamen die Absagen so kurzfristig, dass der Renntross unverrichteter Dinge wieder umkehren und die Heimreise antreten musste. Auch ich bin damals einige Male zur Strecken-Reportage oder Berichterstattung vergebens angereist.

Selbst am sonst eher deutlich kühleren Nürburgring wurden tagelang um die 30 Grad Außentemperatur und bis zu 70 Grad in den Cockpits gemessen. Gerade der Ring und Hockenheim standen jedoch im kritischen Fokus der Forst-Behörden, weil beide Rennstrecken über weite Bereiche links und rechts der Pisten von Wäldern flankiert werden.

Die zuständigen Forstämter entschieden letztlich darüber, ob ein Rennen stattfinden konnte oder nicht. Zu groß schien die Gefahr des Funkenflugs und daraus entstehender Brände. So wurde in Hockenheim das traditionelle, für Anfang Juli terminierte Südwestpokal-Rennen de MSC Stuttgart abgesagt und in den Oktober des gleichen Jahres verlegt. Auch die Durchführung mehrerer kleiner nationaler Events sowie einiger Bergrennen mit kritischem Waldbewuchs fielen der Hitze zum Opfer.

Sogar der Tourenwagen-EM-Lauf am Nürburgring Mitte Juli 1976 stand auf der Kippe. Die zähen Verhandlungen zwischen den Forstbehörden und dem ADAC Saarland zogen sich quälend lange hin. Die Entscheidung über Absage oder Durchführung mit teils strengen Auflagen fiel erst zwei Tage vor dem angesetzten Termin.

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Zelten und Lagerfeuer waren rund um den Ring streng verboten, es gab Brandwachen durch Luftüberwachung. Für die Fahrer war der von sechs auf vier Stunden verkürzte EM-Lauf bei Außentemperaturen von mehr als 30 Grad eine einzige Tortour. Oft wurde schon nach ein paar Runden der Fahrerwechsel vollzogen.

Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen kam es im Freitags-Training im Rahmen-Programm des EM-Laufs zu einem tragischen Zwischenfall, der möglicherweise durch das ausgetrocknete Gras der Böschung tödlich endete. Der Formel Super V-Pilot Ernst Rätz war im Streckenabschnitt Flugplatz verunfallt und beim Böschungsaufprall aus dem Cockpit geschleudert worden.

Der Rennwagen ging in Flammen auf – und die ausgetrocknete Grasböschung gleich mit. Feuerwehr und Rettungskräften gelang es zwar, das brennende Fahrzeug zu löschen, aber den ausgedehnten Böschungsbrand bekam man zunächst nicht unter Kontrolle. Als auch die Grasfläche endlich gelöscht war, entdeckte man Ernst Rätz tot in der Böschung. Ungeklärt blieb, ob der Unfall an sich oder erst der Brand der Böschung für die tödlichen Verletzungen verantwortlich war.

Der Hitze-Horror hatte erst in der zweiten Juli-Hälfte ein Ende. Langsam entspannte sich die prekäre Lage durch sinkende Temperaturen und Regen. Offiziell galt der Sommer 1976 als einer der heißesten und trockensten des 20. Jahrhunderts. Erst der Hitze- und Trocken-Sommer 2003 war laut offizieller Wetterstatistik noch unerträglicher und gilt bis heute als neuer Rekordhalter.

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Es hat übrigens nicht viel gefehlt und die Hitze Ende Juni 2026 hätte fast den 24h-Klassiker in Spa verhindert. Die regionale belgische Gebietsverwaltung erwog wegen der «gesundheitsgefährdenden Lage» mit hohen Temperaturen bis zu 41 Grad in der Spitze alle Optionen – von einer Verkürzung bis hin zur Absage.

Dass es nicht so kam und alles gut ging, war letztlich der Disziplin, Umsicht und Besonnenheit aller Beteiligten zu verdanken. Der Österreicher Toni Mathis (78), einer der ehemals gefragtesten Fitness-Trainer im Rennsport, glaubt auch den Grund zu kennen, warum das Hitzerennen Spa fast klaglos über die Bühne ging.

«Die Burschen sind heutzutage konditionell in viel besserer Verfassung als noch vor 30, 40 oder 50 Jahren. Die Autos mit all den technischen Hilfsmitteln und Kühlsystemen an Bord sind selbst bei so hohen Temperaturen viel angenehmer du komfortabler zu fahren als damals. Kühlwesten gabs auch noch nicht und das Fitness-Niveau der Piloten ist im Laufe der Jahre ebenfalls gestiegen. Ich sehe kein Problem darin, heute Rennen selbst bei extrem hohen Temperaturen auszutragen.»

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