Michael Schumacher-Trick: So wollte Lando Norris in Silverstone siegen
Nach dem turbulenten britischen Grand Prix kam heraus: Lando Norris spielte mit dem Gedanken, den Traditions-GP in Silverstone mit einem Trick zu gewinnen – wie vor Jahren Michael Schumacher.
Den Formel-1-Fans entging in Silverstone ein atemberaubendes Finale: Die meisten Zuschauer hatten gehofft, dass eine Safety Car-Phase kurz vor Schluss (wegen des Unfalls von Max Verstappen) so zu Ende gehen würde, dass noch eine Rennrunde volle Kanne gefahren werden kann.
Aber das passierte nicht: Der Rennklassiker ging unter Gelb zu Ende, Charles Leclerc gewann im Ferrari seinen ersten Grand Prix seit Oktober 2024 in Texas.
Als die Autos hinter dem Führungswagen von Bernd Mayländer so um den Kurs rollten, kam Weltmeister Lando Norris – auf Platz 4 liegend – eine Idee.
Der Engländer meldete sich am Funk: «Kann ich an die Box kommen? Kann ich das Rennen so gewinnen?»
Sein Renningenieur Will Joseph: «Nein, kannst du nicht.» – Norris: «Jammerschade …»
Norris hatte sich an einen verblüffenden Trick der deutschen Rennlegende Michael Schumacher erinnert. Und der ging so.
Silverstone 1998: Der Anfang für das höchste ungewöhnliche Ende des Rennens lag in Runde 43. Ferrari-Superstar Michael Schumacher ging am Benetton-Piloten Alexander Wurz vorbei. Leider kreuzte der deutsche Star dabei eine gelbe Flagge.
Die Rennleitung war zu diesem Zeitpunkt mit Wetterbeobachtung beschäftigt – eine Runde später musste das Safety-Car auf die Bahn geschickt werden, weil es so stark zu schütten begonnen hatte. Daher verstrichen gut zwanzig Minuten, bis man sich Schumis Vergehen anschauen konnte.
Um 15.46 Uhr, oder zwei Runden vor Schluss des Traditions-GP, wurde Ferrari darüber informiert, dass Michael Schumacher eine 10-Sekunden-Strafe erhält.
Aber die Rennleitung patzte. Der handgeschriebene (!) Zettel wurde dem Ferrari-Kommandostand nicht nur zu spät überreicht (die Information über eine Strafe hätte innerhalb von 25 Minuten überreicht werden müssen), sie war auch wischiwaschi formuliert – ob diese zehn Sekunden noch während des Rennens abgesessen werden müssen oder ob sie auf Schumis Rennzeit hinzugerechnet werden, das ging daraus nicht klar hervor.
Der damalige Ferrari-Rennchef Jean Todt (später FIA-Präsident) holte Schumacher nach Absprache über Funk in der letzten Rennrunde an die Box. Die Start/Ziel-Linie befand sich jedoch vor jener Höhe, auf welcher die Ferrari-Box angeordnet war. Als Schumi also seine Strafe absass, war das Rennen de facto zu Ende, obschon dem Deutschen keine karierte Flagge gezeigt worden war. Den Rennkommissaren blieb jetzt nichts Anderes übrig, als die zehn Sekunden auf Michaels Rennzeit zu addieren.
Da Schumi jedoch 22 Sekunden vor Mika Häkkinen lag, war er auch im Stillstand Sieger – was ihm beim normalen Absitzen der Strafe während des Rennens kaum gelungen wäre. Schlitzohriger als von Ferrari ist das nicht zu lösen. Schumi und sein Team hatten eine Einladung erhalten, die sie gerne annahmen.
Der Fall hatte beim Automobilweltverband FIA ein Nachspiel auf zwei Ebenen: Nazir Hoosein (Indien), Roger Peart (Kanada) und Howard Lapsley mussten ihre Rennkommissaren-Lizenz abgeben (wurden aber später begnadigt).
Der exakte Ablauf der Definition einer Strafe und ihrer Überbringung wurde daraufhin geändert – seither läuft alles über den Formel-1-Rennleiter, der die Infos den Teams elektronisch zum Kommandostand schickt.
Zudem wurde im Reglement verankert, dass das Kreuzen der Ziellinie in der Boxengasse zum Schluss des Rennens nicht als Zieldurchfahrt gilt.
Darüber hinaus wurde Jahre später das Silverstone-Layout geändert: Start/Ziel befindet sich heute an einem anderen Ort.
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