Pascal Wehrlein: Vom Mercedes im Stich gelassen

Von Andreas Reiners
DTM
Pascal Wehrlein

Pascal Wehrlein

Mercedes dominierte das Geschehen beim vierten DTM-Rennwochenende auf dem Norisring. Nur ein Auto funktionierte die ganze Zeit nicht: das von Pascal Wehrlein.

Kann Pascal Wehrlein den DTM-Titel bereits abschreiben? Gesamtachter ist der 23-Jährige, mit 43 Punkten. Sein Mercedes-Teamkollege Gary Paffett hat als Tabellenführer bereits 99 Zähler.

Schlimmer noch: Neben Paffett liegen auch noch Edoardo Mortara (93), Paul di Resta (87) und Lucas Auer (72) aus dem Mercedes-Lager vor Wehrlein. Zwei magere Pünktchen holte er am vierten Rennwochenende auf dem Norisring.

Das ist nicht nur viel zu wenig, um Boden gutzumachen. Es ist vor allem seltsam, weil es in der gesamten Truppe rund lief, alle anderen im Team auf einem Level waren. Im Qualifying zum ersten Rennen waren fünf Mercedes unter den ersten Sieben, im zweiten Qualifying war das Quintett sogar auf den ersten fünf Plätzen. Und Wehrlein? Holte die Startplätze 14 und 18, teilweise mit einem Rückstand von sieben Zehntelsekunden auf die Spitze. Galaxien auf dem Norisring.

Hat der frühere Formel-1-Star das Fahren verlernt? Hat er nach seiner Rückkehr nach zwei Jahren Probleme, seine Performance zu finden? Weder noch. Wehrlein hatte in Nürnberg wie schon zuletzt in Budapest mit einem waidwunden Auto zu kämpfen. Mit einem Boliden, der schlicht nicht so funktionierte, wie er sollte.

«Pascal Wehrlein verliert nicht bis zu sieben Zehntelsekunden am Norisring. Das lag nicht am Fahrer. Wir haben das Auto Samstagnacht komplett umgedreht, aber es ging nicht wirklich besser. Das ist natürlich enttäuschend», sagte Mercedes-Teamchef Ulrich Fritz.

Ja, das ist enttäuschend. Zuspruch hilft Wehrlein allerdings auch nicht wirklich weiter, wenn die Karre regelmäßig zickt. Er selbst machte gute Miene zum bösen Spiel, flüchtete sich in Standardaussagen. «Das gibt es oft, dass Teile nicht funktionieren oder dass es eine Kombination aus mehreren Sachen ist. Wir haben die Probleme an diesem Wochenende nicht gelöst», sagte er. Es sei vor allem Pech im Moment, so der Meister von 2015: «Ich weiß, dass ich schnell bin und ein gutes Team um mich habe. An den Titelkampf denke ich gar nicht.»

Wer Wehrlein kennt, weiß natürlich, dass er sehr wohl daran denkt, dass ihm bewusst ist, was diese Durststrecke bedeutet: Er verliert die Meisterschaft aus den Augen und damit das große Ziel. Schließlich will er damit nach seinem Abschied aus der Formel 1 auf sich aufmerksam machen, ein sportliches Ausrufezeichen setzen. Zeigen, dass er weiterhin ein Siegfahrer ist. Denn es geht im DTM-Abschiedsjahr von Mercedes auch um seine sportliche Zukunft.

Stattdessen läuft ihm bei acht von 20 absolvierten Rennen langsam aber sicher die Zeit davon, denn in naher Zukunft wird Mercedes auf einen oder zwei Fahrer setzen, die von den anderen unterstützt werden.

Wehrlein: «Jetzt müssen wir die Daten auswerten und sehen, wie wir uns verbessern können, damit wir in Zandvoort wieder auf dem gleichen Speed sind wie die anderen.» Spätestens. Sonst kann er den Titel tatsächlich abschreiben.

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