DTM in Moskau: Das letzte große Abenteuer

Von Andreas Reiners
DTM
Der Moscow Raceway

Der Moscow Raceway

Für den Vorstoß in internationale Märkte gastiert die DTM seit 2013 in Russland. An diesem Wochenende steht die vierte abenteuerliche Reise nach Moskau an.

Den Einstand kann man getrost als kurios bezeichnen. Und Schuld war kein Geringerer als Wladimir Putin. Als die DTM 2013 ihr erstes Rennwochenende in Moskau absolvierte, wurde das Qualifying kurzerhand abgebrochen, weil der Rettungshubschrauber am Moscow Raceway wegen eines geplanten Überflugs des russischen Präsidenten keine Starterlaubnis hatte.

Zwei Jahre später passierte der nächste skurrile Zwischenfall: Ein Catering-Unternehmen, das die Verpflegung für Fahrer und Teams von BMW nach Russland transportieren sollte, wurde an der Grenze gestoppt. Die Lebensmittel wurden beschlagnahmt und die insgesamt 1,5 Tonnen anschließend verbrannt.

Es ist in der Tat jedes Mal ein kleines Abenteuer, wenn sich die DTM auf den Weg zu der 70 Kilometer nordwestlich von Moskau, in Wolokolamsk, gelegenen Strecke macht. Der Aufwand lohnt sich, immerhin lockte die DTM seit dem Debüt 2013 zunächst 45.000, dann 50.000 und schließlich 26.000 Zuschauer an die Strecke.

Verglichen mit anderen DTM-Rennen im Ausland sind das durchaus Zahlen, die sich sehen lassen können. Und es geht ja in der DTM nicht nur um den sportlichen Wettstreit, sondern schlicht auch darum, dass die Hersteller ihre Autos an den Mann bringen und dafür neue Märkte erschließen.

Zumindest war das 2013 der Plan, der längst nicht allen gefiel, vor allem den deutschen Fans nicht. Sie haben vor dieser Saison zudem ein weiteres Event auf deutschem Boden verloren, als Budapest Oschersleben ersetzte. Gastspiele im Ausland, vor allem in weit von der Basis entfernten Ländern, rufen immer wieder Unverständnis hervor. Der Vertrag mit den Betreibern in Russland läuft noch bis 2017.

«Durch die aktuelle Situation im Umfeld genießt Russland für Audi nicht mehr dieselbe Priorität wie 2013. Das kann man in dieser Deutlichkeit sagen», räumte Audis DTM-Leiter Dieter Gass gegenüber SPEEDWEEK.com ein: «Wir wurden aber immer freundlich und interessiert empfangen. Wir fahren immer wieder gerne dorthin. Aus DTM-Sicht ist Moskau sicher einer der interessanteren Orte.»

«Der Lauf in Moskau zeigt die Internationalität der Serie. Zudem gehört Russland nach wie vor zu den absatzstarken Märkten für Mercedes-Benz in Europa», sagte wiederum Mercedes’ DTM-Leiter Ulrich Fritz SPEEDWEEK.com.

Dafür nehmen die Hersteller die längste Reise der Saison auf sich. Normalerweise legt der Tross im Schnitt 600 Kilometer für ein DTM-Event zurück, bis nach Moskau sind es rund 2500 Kilometer. «Unsere insgesamt sieben vollbeladenen Trucks sind am Donnerstagmittag in Affalterbach losgefahren und kamen am Dienstagabend auf dem Moscow Raceway an. Wir haben uns dieses Jahr für den Weg über Helsinki entschieden. Zum einen, da die Zollabfertigung hier zumeist etwas schneller geht und zum anderen, da die Fahrer sich auf der Fähre von Travemünde nach Helsinki etwas ausruhen können. Schließlich müssen die Kollegen am Wochenende wieder voll einsatzfähig sein», erklärte Fritz.

Ab der Grenze bis zur Rennstrecke erhält Mercedes Unterstützung durch einen Security Service, der die LKWs überwacht, da es auf Russlands Straßen nicht immer ganz ungefährlich ist.

Eine weitere Besonderheit: Alle Gegenstände, die in das Land eingeführt werden, müssen auch wieder offiziell ausgeführt werden. So kommt es dazu, dass selbst leere Behälter wieder mit nach Deutschland genommen werden.

Für die DTM-Fahrer beschränkt sich das Abenteuer Russland auf die Fahrten vom Hotel zur Rennstrecke und zurück. Dabei lassen sich die meisten Piloten aufgrund der abenteuerlichen Zustände auf den Straßen chauffieren, die nächstgelegene Unterkunft ist, ohne die traditionellen Staus, gute 40 Minuten von der Strecke entfernt.

Zum Vergleich: Zuletzt in Zandvoort stapften die Fahrer zu Fuß von der Strecke zu ihren Unterkünften oder zum Strand. Versuche, etwas von der russischen Hauptstadt zu sehen, beschränken sich in der Regel auf PR-Events vor dem Wochenende oder auf spontane Ausflüge, um nach einem erfolgreichen Wochenende noch zu feiern. Da kann es aber auch schon mal passieren, dass die Party-Truppe mehrere Stunden im Stau steht. Oder von zwielichtigen, nicht offiziellen Taxifahrern in den Club befördert wird.

«Natürlich heißt die Serie DTM, aber ich denke, dass es generell gut ist, ein paar Auslandsrennen zu haben und in verschiedene Märkte zu gehen. Die Rennen haben immer reibungslos stattgefunden, und die Strecke an sich macht viel Spaß», sagte der Meisterschaftsführende Marco Wittmann.

«Ein Rennen in Russland ist für mich nicht so wichtig, für die Hersteller aber schon. Es ist gut für die DTM, in andere Länder zu gehen», sagte Wittmanns Verfolger Jamie Green und ergänzte: «Auch wenn es nicht unbedingt die einfachste Anreise ist.» In der Tat. Aber immerhin hält sich Wladimir Putin inzwischen zurück.

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