Renault doch mit Red Bull: Schluckt das der Vorstand?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Renault-Sportchef Cyril Abiteboul mit Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner

Renault-Sportchef Cyril Abiteboul mit Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner

​Im Fahrerlager von Sotschi kursiert: In der Not vollführe Red Bull eine Kehrtwendung und fahre 2016 doch mit Renault-Motoren. Was sagen dazu eigentlich die Franzosen?

Die Geschichten um einen möglichen Formel-1-Ausstieg von Red Bull mangels konkurrenzfähigen Motors werden immer verrückter. Im Fahrerlager von Sotschi wird herumerzählt: Red Bull werde im kommenden Jahr nun doch wieder mit Renault-Motoren antreten – weil man nach den Absagen von Mercedes und Ferrari gar keine andere Wahl habe. Dabei hat Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz unmissverständlich gesagt: Ohne konkurrenzfähigen Motor wird Red Bull die Formel-1-Bühne verlassen. Der Unternehmer hat also sehr wohl eine Wahl. Renault hingegen hat keinen konkurrenzfähigen Motor. Haben die Leute bereits vergessen, wieso Red Bull den Vertrag mit Renault vorzeitig gekündigt hat?

Aus Sicht von Red Bull erscheint es also unwahrscheinlich, aus heiterem Himmel einen Rückzieher zu machen. Wer garantiert denn Red Bull, dass die Franzosen nach zwei Jahren enttäuschender Arbeit für 2016 auf einmal einen Wundermotor aus dem Hut ziehen? Wie soll das gehen?

Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone beschwichtigt. Der Engländer meint, wir wollten uns keine Sorgen machen. Der 84-Jährige erklärt in Russland: «Ich glaube, die Situation hat sich geklärt. Wenn sie einen Motor bekommen, dann sieht es gut aus… Ich weiss nicht, wann wir eine Entscheidung haben werden. Ich weiss auch nicht, was Dietrich Mateschitz denkt, denn ich habe nicht mit ihm gesprochen. Aber er weiss, was er macht.»

Pardon, wie will Ecclestone wissen, dass alles gut wird, wenn er nicht mit Mateschitz gesprochen hat?

Dann gibt es noch eine andere Seite. Im unwahrscheinlichen Fall, dass Red Bull tatsächlich Renault als Alternative wieder in Betracht ziehen sollte – wer sagt, dass die Franzosen Lust haben, das ganze zerschlagene Porzellan zu kitten? Hat Renault-Chef Carlos Ghosn etwa nicht bestätigt, dass es künftig keine Kundenmotoren mehr geben werde?

Renault-Sportchef Cyril Abiteboul sagt gegenüber unseren Kollegen von Autosport: «Für uns ist wichtig, was gut für Renault ist. Wenn wir etwas anderes machen als vorgesehen, dann muss das für Renault stimmen. Aber um ehrlich zu sein: Wenn ich die Art und Weise anschaue, wie wir behandelt worden sind, dann kann ich es mir schwer vorstellen, meinen Vorgesetzten und dem Vorstand etwas anderes vorzuschlagen als wir geplant haben.»

Abiteboul lässt aber eine Tür offen: «Wir wollen eine gesunde Formel 1. Wir haben keinen Wunsch, dass Red Bull den Sport verlässt.»

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