Gerd Riss über Erik: «Armutszeugnis für die anderen»

Von Ivo Schützbach
Langbahn-GP
Erik Riss (47) hat sich in der Weltspitze etabliert

Erik Riss (47) hat sich in der Weltspitze etabliert

Jedes Lob aus dem Mund des achtfachen Langbahn-Weltmeisters Gerd Riss gleicht einem Ritterschlag. Keiner kann besser einschätzen, was sein 18-jähriger Sohn Erik aktuell leistet.

Was Erik Riss derzeit aufführt, gehört schon jetzt zu den Sternstunden des deutschen Bahnsports. Lange ist es her, dass ein 18-Jähriger auf diesem Level Motorrad fuhr. In den Sinn kommt mir da noch am ehesten Tom Dunker, der im gleichen Alter 1987 in Pocking Deutscher Speedway-Meister wurde, gegen damalige Weltklasse-Fahrer wie Karl Maier und Gerd Riss.

Väter neigen oft zur Überschätzung des Talents ihrer Kinder, nicht so Gerd Riss. Der Oberschwabe gab SPEEDWEEK.com eine sehr objektive und klare Einschätzung dessen, was sein Sohn Erik kann und was nicht. Mit 18 Jahren ist Erik bereits Deutscher Langbahn-Meister, aktuell Zweiter der Weltmeisterschaft und für das deutsche Team für die Mannschafts-WM in Forssa nominiert.

Gerd, wie beurteilst du Eriks Sieg im Langbahn-DM-Finale in Werlte?

Das war souverän. Ich bin früher auch gut gefahren und habe auch in Werlte ein paar Mal gewonnen. Aber so überlegen wie er habe ich nie gewonnen. Dabei war die Bahn schwierig zu fahren, sie haben nach dem Regen am Freitag 400.000 Liter Wasser abgepumpt. Die Bahn war richtig griffig. Nach zwei Runden ist bei den anderen Piloten das Motorrad mit ihnen gefahren, Erik ist vier Runden Vollgas rumgefahren. Auch seine Starts waren gut.

Vor zwei Jahren fuhr Erik noch B-Lizenz, jetzt ist er WM-Zweiter und Deutscher Meister: Das ist doch keine normale Entwicklung?

Er fährt viel und gut Speedway. Aber Speedway ist eine harte Nummer, dieser Weg ist lang und hart, bis du ganz vorne hinkommst. Dazu braucht es Erfahrung. Ich muss mich selber wundern, wie ein junger Kerl mit zwei Jahren Langbahn fahren jetzt in der Weltspitze mitfährt. Das ist eigentlich ein Armutszeugnis für die anderen, die schon lange dabei sind.

Oder es zeigt, was er für ein außergewöhnliches Talent ist?

Ich wurde das erste Mal mit 23 Jahren Deutscher Meister, Erik ist jetzt 18. Er hat natürlich den Vorteil, dass er mich hat, was die Abstimmung und die Übersetzung des Motorrades betrifft. Das hatte ich nicht.

Gas geben muss er aber trotzdem selber.

Richtig, da nützt ihm auch das beste Motorrad nichts. Er hätte auch Marmande gewinnen können, wenn er im Endlauf als Erster den Startplatz hätte wählen dürfen. Dann hatte er aber den Überschlag am Start. Das ist mir vor zehn Jahren in Vechta auch mal passiert, da bin ich schon 20 Jahre Motorrad gefahren. So etwas kann es geben.

Zwei Tage nach Marmande habe ich ihn gefragt, ob ihm eigentlich schon bewusst ist, dass er dieses Jahr Weltmeister werden kann, er liegt nur fünf Punkte hinter de Jong. Er hat mir dann gesagt, dass ihm das bewusst sei, und dass er das auch will.

Der Podestplatz in Marmande hat mich mehr beeindruckt als sein DM-Titel. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der zum ersten Mal dorthin kommt und so fährt.

Schau dir Kylmäkorpi an, der ist viermal Weltmeister und hat in Marmande total versagt. Und er kommt vom Speedway. Ich war überrascht und froh, dass es so für Erik gegangen ist. Am Vortag meinte ich noch, dass es gut wäre, wenn er ins Finale fährt.

Merkst du, dass er außergewöhnlichen Ehrgeiz hat und trotzdem cool bleibt?

Ja, da muss ich mich eigentlich wundern. Mark hat zuhause mehr Ehrgeiz, er schafft jeden Tag am Motorrad und richtet alles. Erik nimmt das eher locker. Wenn er beim Rennen auf dem Motorrad sitzt, dann hat er auch den Ehrgeiz.

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