Multitalent Marc Márquez: «Sachsenring wie Motocross»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Sachsenring-König Marc Márquez

Sachsenring-König Marc Márquez

Als Marc Márquez acht Jahre alt war, musste er sich zwischen Fußball und Motorrad entscheiden. «Ich glaube, meine Wahl war richtig», schmunzelte der zehnfache Sachsenring-Sieger und MotoGP-WM-Leader.

Vor einer Woche feierte Marc Márquez auf dem Sachsenring seinen zehnten Sieg beim Deutschland-GP in Serie. Was gefällt ihm dort so gut?

«Zuerst muss ich betonen – ich bevorzuge Linkskurven. Ich weiß nicht, warum das so ist, denn ich habe mich bemüht, meine Fahrweise auch in Rechtskurven zu verbessern. Aber Linkskurven passen viel besser zu meinem Fahrstil. Ich fühle mich dort wohler», erklärte der Repsol-Honda-Star. «Dazu kommt, dass der Sachsenring eine spezielle Piste ist, sehr klein und kompakt, sehr kurz. Ich habe mit Motocross-Rennen begonnen. Da wächst man auf engen, winkeligen Pisten auf. Der Sachsenring wirkt wie eine Motocross-Rennstrecke, es geht bergauf und bergab. Ich fühle mich dort jedes Jahr ausgezeichnet.» Daran ließ er seit 2010 – damals noch in der 125er-Klasse – nie einen Zweifel aufkommen.

Motocross ist längst nicht die einzige Sportart, die den 26-jährigen Spanier interessiert. «Ich erinnere mich, als ich acht Jahre alt war, habe ich den Fußball sehr geliebt», versichert der siebenfache Weltmeister und 75-malige GP-Sieger. «Mein vorrangiges Hobby sind jetzt die Motorräder, an zweiter Stelle kommt Fußball. Ich habe Fußball gespielt. Aber als ich acht Jahre alt wurde, sagte mein Vater: 'Vielleicht musst du dich jetzt entscheiden – Fußball oder Motorrad.' Denn die Spiele waren am Sonntag, die Motorradrennen auch… Also habe ich eine Wahl getroffen. Ich glaube, meine Entscheidung war richtig», schmunzelte er.

Im Mai vereinte der fünffachen MotoGP-Champion zwei seiner Hobbys, als er beim Fußball-Bundesligamatch RB Leipzig gegen FC Bayern mit seinem Showrun auf der Honda RC213V in der RB Arena mehr als 45.000 Fans begeisterte.

«Aber ich mag auch Autos, dazu spiele ich Tennis mit meinen Freunden, aber das kann ich nicht gut. Und für Basketball fehlt mir die Größe. Aber ich mag eigentlich alle Outdoor-Sportarten. Und ich schaue mir alle Sportarten gerne an», bekräftigte Márquez, der im Vorjahr in Spielberg wie Dani Pedrosa auch ein Toro-Rosso-Formel-1-Auto von Red Bull steuern durfte. Übrigens: Schon als Knirps war er ein Supporter des FC Barcelona. «Ich erinnere mich an Ronaldinho, er war ein Idol für mich. Dann kam Andrés Iniesta, und jetzt ist natürlich Lionel Messi unser Held. Er ist der Beste.»

Heute gehört Marc Márquez selbst zu den populärsten globalen Sportstars. Aber er mag das Jetset-Leben nicht, er lebt zurückgezogen und bescheiden, er hat keinen Privatjet und leistet sich keinen nennenswerten Luxus.

Als Marc vor zwei Jahren überlegte, ob er in die Steueroase Andorra auswandern sollte, ging in Spanien ein Sturm der Entrüstung los. Also blieb Marc in Cervera wohnhaft, obwohl er dort 55 Prozent Einkommenssteuer bezahlt.

«Ich beschwere mich nicht über meinen Promi-Status. Manchmal ist es schwer zu ertragen. Aber manchmal hast du dadurch Vorteile», ist sich der WM-Leader bewusst. «Ich lebe immer noch in meiner Heimatstadt, in der ich geboren wurde. Ich habe dieselben Freunde wie früher, ich habe meine Familie dort. Ich bin normal geblieben. Manchmal wünsche ich mir, niemand würde mich kennen. Anderseits ist es schön, wenn man beobachten kann, dass man die Fans begeistern und Emotionen auslösen kann. Dafür bin ich dankbar. Ich habe sehr viele Anhänger. Das ist schön.»

MotoGP Ergebnis, Sachsenring:

1. Márquez. 2. Viñales. 3. Crutchlow. 4. Petrucci. 5. Dovizioso. 6. Miller. 7. Mir. 8. Rossi. 9. Morbidelli. 10. Bradl. 11. Rabat. 12. Pol Espargaró. 13. Iannone. 14. Nakagami. 15. Abraham. 16. Syahrin. 17. Bagnaia. 18. Oliveira.

WM-Stand nach 9 von 19 Rennen:

1. Márquez 185. 2. Dovizioso 127. 3. Petrucci 121. 4. Rins 101. 5. Viñales 85. 6. Rossi 80. 7. Miller 70. 8. Quartararo 67. 9. Crutchlow 67. 10. Pol Espargaró 56.

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