Manuel Gonzalez: Der Beste zu sein ist zu wenig für MotoGP- oder SBK-Deal
Der Spanier Manuel Gonzalez (Team Intact GP) führt die Moto2-WM souverän an und möchte in seiner Karriere den nächsten Schritt machen. Teil 2 des großen Exklusiv-Interviews von SPEEDWEEK.com.
Moto2-WM-Leader Manuel Gonzalez erlebt eine Hängepartie sondergleichen. In den vergangenen Monaten lösten sich sämtliche MotoGP-Chancen für 2027 in Luft auf, zuletzt jene bei Tech3 KTM, wo sein
Mitte Juli sah es so aus, als würde der talentierte Spanier in die Superbike-WM abwandern, die Werksteams von BMW und Ducati zeigten großes Interesse. Doch inzwischen ist klar: Der deutsche Hersteller
Noch keine endgültigen Absagen
Gonzalez hat von den beiden Herstellern noch keine endgültige Absage erhalten, sein Manager Eddy Rovelli wurde aber in Kenntnis gesetzt, wie die Chancen für seinen Schützling stehen. Seither führt er wieder intensive Gespräche mit Manus derzeitigem Team Liqui Moly Dynavolt Intact GP, das von Anfang an unterstrich, dass Gonzalez erste Wahl ist, sollte es zu keinem Vertrag in der MotoGP- oder Superbike-WM kommen. Schließlich hat der Madrilene in der Moto2 inzwischen 9 Siege, 23 Podestplätze sowie 9 Pole-Positions errungen.
Als SPEEDWEEK.com mit Gonzalez dieses Vieraugengespräch führte, der zweite Teil des großen Interviews in der Sommerpause, vermittelte der 23-Jährige einen ungewöhnlichen Eindruck, da er zwar Tabellenführer ist, sich hinsichtlich seiner Zukunft jedoch in Wartestellung befindet. Er vermied reißerische Schlagzeilen und lehnt bezüglich seiner komplizierten Situation jede Opferrolle ab.
Doch zwischen den Zeilen machte der momentan beste Moto2-Fahrer einige Dinge sehr deutlich: Er ist der Ansicht, dass seine Leistungen eine Chance in der MotoGP rechtfertigen. Nach WM-Bronze 2024 und Silber im Vorjahr ist er auf dem besten Weg zum Titel. Gonzalez klammert sich an die winzige Hoffnung, dass vor nächster Woche keine Verträge unterschrieben werden und sich das Blatt möglicherweise doch noch zu seinen Gunsten wenden könnte.
Manu, was ist an einer möglichen Vertragsverlängerung mit Intact GP in der Moto2 dran? Es gibt Optionen. Jürgen Lingg sagt mir immer scherzhaft, er würde mir Handschellen anlegen, damit ich das Team nicht verlasse. Wir haben mehrere Möglichkeiten auf dem Tisch, aber es ist noch keine Entscheidung gefallen.
Ist die MotoGP weiterhin eine reale Möglichkeit? Ja. Es ist noch nichts entschieden. Wir warten weiterhin ab, wie sich die Dinge entwickeln.
Und die Superbike-WM? Das ist ebenfalls eine sehr interessante Option. Schließlich ist das das Paddock, über das ich in die Weltmeisterschaft gekommen bin. Und wenn ich zurückkehren müsste, wäre ich genauso motiviert. Das Wichtigste für mich ist, auf höchstem Niveau zu fahren.
Ich habe den Eindruck, dass du jetzt viel gelassener in die Zukunft blickst. Ja. In letzter Zeit denke ich viel darüber nach. Letztlich habe ich das Glück, das zu tun, was mir am meisten Spaß macht, nämlich Motorradrennen zu fahren. Wo auch immer ich nächstes Jahr bin, werde ich mit derselben Einstellung an den Start gehen: Versuchen, Rennen zu gewinnen und weiterhin zu zeigen, wozu ich fähig bin.
Natürlich spielt auch der finanzielle Aspekt eine Rolle. Wenn ein großartiges Angebot kommt, könnte das deine Entscheidung beeinflussen? Es spielt eine Rolle, denn wir sind Profis, aber im Moment ist das nicht meine Priorität. Ich befinde mich in einer Phase meiner Karriere, in der ich das beste Umfeld und das beste Motorrad finden muss, um mich als Fahrer weiterzuentwickeln.
Bevorzugst du ein erfolgreiches Projekt, auch wenn du weniger Geld verdienst? Genau. Die Zeit, mich mehr mit dem finanziellen Aspekt zu beschäftigen, wird schon noch kommen. Jetzt muss ich weiterhin mein Niveau unter Beweis stellen, Rennen gewinnen und mich weiterentwickeln. Das ist das Wichtigste.
Wenn du wählen könntest: Wäre die MotoGP weiterhin deine Priorität? Ja, natürlich. Das ist das Ziel, auf das ich mein ganzes Leben lang hingearbeitet habe. Aber mir ist auch klar: Sollte es nicht funktionieren, werde ich weiterhin 100 Prozent geben, wo auch immer ich bin – sei es in der Moto2- oder Superbike-WM. Meine Art zu fahren, wird sich nicht ändern.
Von außen betrachtet hat man den Eindruck, dass sich das Ganze sehr in die Länge zieht. Ja, deutlich länger als wir erwartet hatten. Gleichzeitig ergaben sich sowohl in der Moto2- als auch in der Superbike-WM sehr interessante Möglichkeiten, also heißt es weiterhin abwarten.
Gab es bei deinem MotoGP-Test mit Aprilia Gespräche über einen möglichen Vertrag? Nein. Wir haben nie direkt über eine Vertragsunterzeichnung gesprochen. Allerdings glaube ich, dass sie verschiedene Szenarien in Betracht gezogen haben, da zu diesem Zeitpunkt noch unklar war, wie es mit Jorge Martin weitergeht.
Hast du diesen Test als mehr als nur einen einfachen Test interpretiert? Es ist unvermeidlich, darüber nachzudenken. Schließlich war es seltsam, dass sie einen Moto2-Fahrer anriefen, der zu keiner ihrer Strukturen gehört. Sie haben uns nie etwas gesagt, aber es schien, als wollten sie Informationen einholen, für den Fall, dass sie reagieren müssten.
Wenn du dir die Moto2-Wertung ansiehst, liegen Fahrer wie Izan Guevara, David Alonso, Dani Holgado oder Senna Agius hinter dir. Hast du das Gefühl, dass du dir aufgrund deiner Ergebnisse bereits einen Platz in der MotoGP gesichert haben solltest? Wenn man nur die Zahlen betrachtet, wahrscheinlich schon. Aber die MotoGP funktioniert anders, es zählen nicht nur die Ergebnisse.
Was spielt sonst noch eine Rolle? Viele Dinge. Jeder Fahrer hat einen anderen Werdegang hinter sich, ist mit unterschiedlichen Motorrädern, in verschiedenen Teams und unter völlig anderen Umständen gefahren. Man kann nicht nur eine Rangliste vergleichen. Man muss analysieren, was jeder Fahrer mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln erreicht hat.
Glaubst du, dass die Teams eine so gründliche Analyse vornehmen? Ehrlich gesagt glaube ich, dass sie oft weder die Zeit dazu haben noch die Notwendigkeit sehen.
Es wird viel über den Pass in der MotoGP gesprochen. Kann die Nationalität einen Einfluss haben? Das kann ein Plus- oder Minuspunkt sein. Es ist klar, dass ein Fahrer je nach dem Markt, den er repräsentiert, einen Mehrwert haben kann.
Wann rechnest du damit, endgültig über deine Zukunft zu entscheiden? Vor Silverstone (7.–9. August – der Autor) sollte es entschieden sein. Spätestens an diesem Wochenende.
Siehst du das Ende des Prozesses? Ja. Mein Manager sagt mir, dass es noch ein bisschen dauert, aber man merkt, dass sich der Markt langsam in Bewegung setzt. Die Puzzleteile fangen an zusammenzufallen.
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