Volkswagen für finnische Flugtage startklar

Von Toni Hoffmann
WRC
Drift, Sprung, Vollgas – Volkswagen startklar für Rallye Finnland, Vollgas-Festival bei der «Formel 1 im Wald», eins, zwei, drei – Ogier, Latvala und Mikkelsen als WM-Führende am Start.

Typisch Rallye Finnland: 360 Kilometer lang 120 Sachen im Durchschnitt. Sie ist für viele die Essenz des Rallye-Sports: die Rallye Finnland. Vom 31. Juli bis 03. August starten die Volkswagen Werksduos als WM-Erste, -Zweite und -Dritte in den achten Saisonlauf der FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC). Sébastien Ogier/Julien Ingrassia (F/F), Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (FIN/FIN) und Andreas Mikkelsen/Ola Fløene (N/N) stellen sich bei der viel zitierten «Formel 1 im Wald» einer der größten Herausforderungen des Jahres. Über unzählige Sprungkuppen, auf langen Waldgeraden und entlang der sprichwörtlichen 1.000 Seen führt die Rallye-Route über 360,94 Kilometer und 26 Wertungsprüfungen rund um die Stadt Jyväskylä in Süd-Finnland.

Auf legendären Prüfungen wie «Mökkiperä», «Ruuhimäki» und «Myhinpää» ist das Ziel für Sébastien Ogier/Julien Ingrassia ebenso klar wie jenes für Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila: Die einen wollen im Kampf um die Fahrer- und Beifahrer-WM davonziehen, die anderen am liebsten mit einem Heimsieg den Abstand verringern. Ogier/Ingrassia liegen als WM-Spitzenreiter 50 Punkte vor den Zweitplatzierten Latvala/Anttila und weitere 33 vor Andreas Mikkelsen, der im Polo R WRC von Ola Fløene navigiert wird, auf Rang drei.  

«Viele Fans denken beim Stichwort Rallye zuallererst an den WM-Lauf in Finnland», so Volkswagen Motorsport-Direktor Jost Capito. «Hohes Tempo und weite Sprünge verlangen in den tiefen finnischen Wäldern ein Höchstmaß an Entschlossenheit und fahrerischer Präzision. Die Rallye Finnland ist deshalb seit Jahrzehnten eine wahre Ikone und hat all das, was die Faszination des Rallye-Sports ausmacht. Sie im vergangenen Jahr mit dem neuen Polo R WRC gewonnen zu haben, war ein ganz besonderer Moment für Volkswagen. Jetzt kehren wir als Titelverteidiger zurück und sind motivierter denn je, die Rallye wieder für uns zu entscheiden. Wir haben drei starke Fahrer/Beifahrer-Paarungen, die sich voller Selbstvertrauen der starken Konkurrenz stellen. Alle drei kommen für den Sieg in Frage und haben dazu mit dem Polo R WRC ‚Das Rallye-Auto‘.»

Nordisch by nature: Statistik spricht für Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila

Bei der Rallye Finnland ist wie bei keiner zweiten Rallye ein Heimspiel auch ein echter Heimvorteil: Mit Sébastien Ogier mit dem Polo R WRC im vergangenen Jahr sowie Sébastien Loeb, Didier Auriol und Carlos Sainz haben seit dem Jahr 1950 erst vier Fahrer den ehemals als «1000-Seen-Rallye» bekannten Lauf entschieden, die nicht aus Schweden oder Finnland stammen. 56 Mal stammte der Gewinner aus diesen beiden Nationen. Die Chancen für einen finnischen Erfolg stehen empirisch betrachtet etwa 5 zu 1 – oder anders: Sie liegen bei 82,5 Prozent. Der letzte siegreiche Finne greift erneut in Volkswagen Diensten nach dem Triumph: Jari-Matti Latvala war mit seinem Beifahrer Miikka Anttila im Jahr 2010 erfolgreich – im Ford. Damals behielt er in einem engen Zweikampf die Oberhand über einen gewissen Sébastien Ogier, seinerzeit für Citroën am Start und heute bei Volkswagen Teamkollege von Latvala.

Kickdown bis aufs Bodenblech: mit Vollgas durch Finnlands Wälder

Top-Speed bis 200 Kilometer pro Stunde – die Rallye Finnland ist eine der herausragenden Schotter-Rallyes der Saison. Für Fahrer, Beifahrer und Ingenieure ist der achte Saisonlauf gleichermaßen eine Herausforderung. Bei vollem Tempo ist von den Fahrern dicht an den Bäumen entlang höchste Präzision gefragt, die Beifahrer müssen die Ansagen aus dem sogenannten Aufschrieb auf den Punkt genau und im perfekten Timing an den Fahrer übermitteln. Und auch die Ingenieure bekommen angesichts langer Vollgas-Abschnitte eine große Aufgabe gestellt.

Das Reglement der FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) schreibt vor, dass die 1,6-Liter-Turbomotoren die Drehzahl von 8.500 U min–1 nicht überschreiten. Nur wer diesem Maximalwert bei den langen Vollgasabschnitten möglichst nahekommt, ohne ihn zu übertreffen, holt das Maximum heraus. Der Knackpunkt: Haben die World Rally Cars bei den zahllosen Sprüngen die Räder in der Luft, steigt die Drehzahl angesichts des fehlenden Widerstands über den magischen Wert und die Einspritzung wird abgeschaltet. Doch vor dem Landen sollte die Wunschdrehzahl wieder anliegen, um keinen Vortrieb und damit Zeit zu verlieren.

Ein ganz besonderes Fluggefühl – 60-Meter-Sprünge im World Rally Car

Sprünge bis an die 60-Meter-Marke sind ein weiteres Markenzeichen der Rallye Finnland. Nirgendwo heben die World Rally Cars so oft ab wie in den Wäldern rund um Jyväskylä. Auch hier gilt: gewusst, wie. Die Richtung können die Fahrer nur dann bestimmen, wenn sie die Räder auf dem Boden haben – einmal abgehoben sind sie Passagier. Wohl dem, der den richtigen Anstellwinkel wählt, um nach dem Sprung an der optimalen Stelle zu landen. Für die bestmögliche Stabilität in der Flugphase sorgt auch der Heckflügel der World Rally Cars. Die Ingenieure helfen bei den zahlreichen Sprüngen zudem mit der richtigen Gewichtsverteilung nach.

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