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Alex Wurz zu Le Mans 1996: «Zum Glück war Joest vor 30 Jahren verrückt»

Vor 30 Jahren gewann Alex Wurz überraschend die 24 Stunden von Le Mans. Bei SPEEDWEEK.com erzählt er, wie er als junger Fahrer an diesen Job kam. Und welche Rolle Flavio Briatore danach spielte.

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Le Mans 1996: Der Joest-TWR-Porsche feiert einen Überraschungssieg. Mit den Routiniers Reuter und Jones sowie dem Rookie Wurz. Der heute 52-Jährige, der 2009 nochmals mit Peugeot als Fahrer und von 2018 bis 2022 als Berater von Toyota Le Mans gewann, blickt für SPEEDWEEK.com zurück.

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«30 Jahre ist das her? Autsch! Fast schon vergessen!» Alex Wurz lebt in der Gegenwart mit vielen Plänen für die Zukunft, da muss man ihm in der Erinnerung auf die Sprünge helfen. Vor 30 Jahren sorgte er als damals jüngster Le-Mans-Sieger für Schlagzeilen. Und wie bei Helmut Marko 25 Jahre vorher, war es die Eintrittskarte in die Formel 1.

Wurz erzählt die Vorgeschichte, wie es zu dem Einsatz kam: «Ich war in der Formel 3. Formel 3000 war finanziell nicht möglich. Daher schwenkte ich um und ging 1996 in die DTM mit dem zwei Jahre alten Calibra, war aber total happy, dass ich da ein Werkscockpit bekam. Mein Auto wurde vom Team von Reinhold Joest eingesetzt, Teamkollege waren Manuel Reuter, Oliver Gavin und Yannick Dalmas. Ich war oft im Joest-Firmensitz, hatte immer großen Respekt vor dem Chef. Irgendwann im Februar 1996 sprachen wir über die Sportwagen und ob er mir mal seine Autos zeigen könnte, denn mein Traum wäre immer Le Mans gewesen. Das freute ihn sehr, er wurde emotional. Später durfte ich sogar eine Sitzprobe machen. Dann sagte er, er wolle mir was zeigen. Wir gingen in ein anderes Gebäude, da stand der Walkinshaw-Jaguar ohne das abgeschnittene Dach und mit Porsche-Motor. Es war ein 1995 gestopptes Semi-Werksprojekt von Porsche. Das war es fürs Erste.»

In Le Castellet überzeugend

Wurz‘ Hoffnungen wurden drei Wochen später erfüllt. «Joest rief mich an, ob ich Zeit hätte, nach Le Castellet zu einem Test zu kommen, weil Pier-Luigi Martini wegen Erkrankung absagen musste. Ich kam in der Nacht an. Der Plan war, dass ich am zweiten Tag fahren sollte. Doch fiel am ersten Tag wieder ein Fahrer aus wegen Verdauungsproblemen und Teammanager Ralf Jüttner fragte mich, ob ich schon bereit wäre. Ich kannte den Kurs überhaupt nicht, musste erst einmal den Streckenplan studieren. Manuel (Reuter) gab mir einige Hinweise zu den Kurven. Ich fuhr einfach los und war in der dritten Runde der Schnellste. Ich wusste nicht, wie ich das geschafft hatte. Jüttner fragte nach, ob ich die Strecke wirklich nicht kannte, ich sagte nein, wirklich nicht. Dann checkten sie die Daten, ob ich irgendwo abgeschnitten hätte. Danach waren alle fasziniert, inklusive ich selbst.»

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Damit war der Niederösterreicher endgültig im Kandidatenkreis. «Zwei Wochen später gab es einen Endurance-Test, zu dem ich als siebter Fahrer wieder eingeladen wurde. Auch da war ich ziemlich flott und fehlerlos. Zehn Wochen vor Le Mans fragte mich Joest, ob ich dort fahren könnte, er hätte einen Platz. Dann kam der dritte Test, der auch wieder gut lief. Danach nominierte er mich für das #7er-Auto mit Manuel Reuter und Davy Jones. Eine Woche vor Le Mans sagte Joest aber, er bräuchte Sponsorengeld von mir, 15.000 DM. Ich kratzte die von zwei Freunden zusammen. Ich denke aber, Joest hätte mich sowieso fahren lassen.»

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Schnell und trotzdem sparen

In Le Mans fuhr Manuel Reuter den ersten Turn. Wurz: «Ich kam später dran, fand relativ schnell heraus, wie am besten Spritsparen und dennoch schnell zu sein funktionierte. Ich war der erste im Team, der eine Extrarunde schaffen konnte. Wir hatten schon bei den Tests herausgefunden, wie wir das Motormanagement auf geringeren Verbrauch trimmen konnten. Damit konnten wir dann wirklich eine Runde länger als die Werks-Porsche GT1 draußen bleiben. Wir haben das natürlich nie gezeigt, sondern setzten es erst im Rennen um. Wir waren fast gleich schnell wie die Werksautos, hatten aber den Rundenvorteil, der uns zum Sieg führte. Dazu muss ich anmerken, dass Manuel ein toller Kollege war, der mir sehr half und keine Infos zurückhielt. Ein echter Teamplayer halt. Wir waren einander auch sympathisch, weil wir beide viel für die Fitness trainierten.»

Er habe heute noch Hochachtung vor Joest, erklärt Wurz: «Den haben alle damals für verrückt erklärt, weil er mich als Rookie in sein Auto gesetzt hatte. Alle meinten, das könne nicht funktionieren. Es ging aber, ich blieb fehlerlos, war nicht ein einziges Mal im Kies, hatte keinen Verbremser. Der Le-Mans-Sieg öffnete für mich das Tor zur Formel 1. Joest meinte nur, ein hungriger Junger, der die Arrivierten anspornt, sei nur gut. Und so war es auch. Ich habe bis heute noch viel Kontakt mit Ralf Jüttner, nur wenig mit Herrn Joest – den ich immer noch sieze.»

Weil es Wurz 1997 in die Formel 1 schaffte, brauchte Joest einen Nachfolger, der wurde dann Tom Kristensen. «Später sagte Tom einmal zu mir: ‚Ich weiß nicht, ob ich nicht meine neun Le-Mans-Siege gegen Formel-1-Rennen getauscht hätte.‘ Ich antwortete, ich hätte auch gern ein paar von deinen Le-Mans-Siegen.»

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Während früher Le-Mans-Siege in die Formel 1 verhalfen, scheint es heute umgekehrt zu sein: F1-Fahrer streben Le-Mans-Teilnahmen an. Dennoch meint Wurz: «Ich denke schon, dass auch heute ein junger Fahrer, der auf der Langstrecke stark ist, den Sprung in die Formel 1 schaffen kann. Die Schwierigkeit ist, in einem Alter im Hypercar zu überzeugen, in dem du für die Formel 1 noch interessant bist.»

Aus Briatores Scherz wurde Ernst

In seinem Fall, erzählt Wurz, habe Manager Peter Cramer schon mit Benetton-Teamchef Flavio Briatore vor Le Mans gesprochen. Der wusste, dass ich Zweiter in der deutschen F3 war und fragte, warum ich sie nicht gewonnen hätte. Er wollte auch meine weiteren Pläne wissen, und das war Le Mans. Da sagte Flavio, wenn du Le Mans gewinnst, lade ich dich zu einem Shootout ein. Das meinte er wohl im Spaß, aber er stand zu seinem Wort und ich bekam Ende 1996 in Estoril meinen F1-Test. Das war mein Glück, denn für die Formel 3000 hätte ich Geld gebraucht, und das hatte ich nicht. Auch wenn mich David Sears für Super Nova unbedingt wollte. Aber ich konnte bei der Testwoche in Estoril die ersten zwei Tage dennoch den F3000 Reynard von Sears fahren, das war als Vorbereitung auf den Benetton-Test immens wichtig. Das Shootout für die F1 gegen Jarno Trulli und Paul Tracy ebnete dann für mich den Weg zu Benetton.»

Vier Saisonen war Wurz Briatore «ausgeliefert», mit drei Rennen 1997 als Ersatz für den kranken Gerhard Berger (Rang drei in Silverstone) und drei vollen Saisonen, ehe der Weg zu McLaren als Testfahrer führte. Und später zu Williams, Peugeot und schließlich Toyota.

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