Marvin Fritz (YART) vor EWC-Finale: «Das wird keine einfache Nummer!»
YART reist als WM-Leader zum Bol d’Or, doch Marvin Fritz erwartet ein herausforderndes Wochenende. Zudem schildert er gegenüber SPEEDWEEK.com den heftigen Unfall von Karel Hanika.
Die Vorbereitung von YART (Marvin Fritz, Karel Hanika, Leandro Mercado) auf das entscheidende Rennen der Langstrecken-WM (EWC) verlief alles andere als reibungslos.
«Der Test verlief nicht allzu positiv für uns. Dennoch sind wir gut vorbereitet und fit. Karel geht es gut», berichtete Marvin Fritz im exklusiven Gespräch mit SPEEDWEEK.com. Fritz befand sich unmittelbar vor Hanika, als es zu dem folgenschweren Zwischenfall kam.
Der Deutsche fuhr im Windschatten einer Maschine des National-Motos-Teams, als diese plötzlich langsamer wurde. «Ich war direkt dahinter und kurz davor auszuscheren. Dann ist deren Motorrad ausgegangen und ich habe das Heck berührt», schilderte Fritz die dramatischen Sekunden. «Ich hatte riesiges Glück, nicht zu stürzen.»
Erst danach wurde dem YART-Piloten das ganze Ausmaß des Zwischenfalls bewusst. «Beim Blick zurück sah ich, wie vier Bikes auf dem Boden lagen, darunter auch mein Teamkollege Karel. Es war alles Kernschrott.»
Auch der Fahrer der vorausfahrenden Maschine wurde bei dem Unfall verletzt. «Dem Fahrer, dessen Motorrad ausgegangen ist, geht es auch gar nicht gut. Er ist stabil. Es hätte wirklich schlimmer enden können», erklärte Fritz.
Keine Quali-Runden: Voller Fokus auf das Renntempo
Sportlich hatte sich YART bereits beim vorausgegangenen Test auf dem Circuit Paul Ricard bewusst auf die Anforderungen der 24 Stunden konzentriert. Eine schnelle Einzelrunde spielte bei der Vorbereitung eine untergeordnete Rolle. «Wir haben uns schon beim Pre-Test hier nie auf die Qualifying-Pace konzentriert, sondern das Renntempo in den Fokus gerückt. Das lief gut und wir konnten viele Longruns absolvieren», berichtete Fritz. Auch mit den Bridgestone-Reifen zeigt sich der Deutsche zufrieden.
Die Konkurrenz beobachtet YART dennoch genau. «Die Topteams setzen geschlossen auf Bridgestone. Man muss aber sagen, dass auch die Dunlop-Reifen hier sehr gut funktionieren. ERC-BMW ist zum Beispiel richtig stark.» Eine größere Sorge bereitet Fritz die Charakteristik des Circuit Paul Ricard. Auf der rund 1,8 Kilometer langen Mistral-Geraden sieht er die Yamaha gegenüber der Konkurrenz deutlich im Nachteil.
Yamaha R1 im Nachteil: Die Gerade wirft YART zurück
«Mit der langen Geraden straucheln wir ganz schön», räumte der 33-Jährige ein. «Zu den anderen Topteams wie SERT, Honda, BMW, aber auch Kawasaki verlieren wir zwischen 0,5 und 0,7 Sekunden. Wir können uns auch nicht im Windschatten halten, die anderen ziehen uns weg. Das wird für uns keine einfache Nummer über die 24 Stunden.»
Dieser Nachteil könnte bereits im Qualifying Konsequenzen haben. Für die fünf schnellsten Teams werden beim Bol d’Or wichtige WM-Punkte vergeben. Angesichts des Titelkampfs zählt für YART somit jeder einzelne Zähler. «Wir müssen schauen, dass wir nicht so viel verlieren oder vielleicht sogar noch etwas gutmachen können. Mit der langen Geraden ist das natürlich nicht einfach für uns», weiß Fritz. «Wir geben dennoch unser Bestes und wissen, was wir haben. Wir haben ein starkes Team.»
Das Ziel für die Startaufstellung ist entsprechend ambitioniert. «Im Qualifying wollen wir unter die ersten fünf Teams, eigentlich in die Top 3.» Noch offensiver fällt die Ansage für das Rennen aus. YART reist mit 19 Punkten Vorsprung auf das BMW-Werksteam zum Saisonfinale, will sich aber keineswegs darauf beschränken, den Vorsprung zu verwalten.
Strategie für die 24h: Angriff statt Verteidigung!
«Im Rennen gehen wir auf volle Attacke und wollen nicht nur punkten», kündigte Fritz an. «Wir haben beim Bol d’Or noch nie gewonnen, waren aber oft Zweiter, Dritter oder Vierter. Das Ziel ist, zu gewinnen.»
Entscheidend wird sein, die Yamaha über die kompletten 24 Stunden zu bringen. Gerade beim Bol d’Or hat die Vergangenheit immer wieder gezeigt, wie schnell technische Probleme oder Stürze sämtliche taktischen Überlegungen zunichtemachen können.
«Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir durchkommen und das ist schwierig, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Uns ist klar, dass wir das Motorrad im Rennen schonen müssen», betonte Fritz.
Zumindest die Wetterprognose stimmt den YART-Piloten optimistisch. Fritz rechnet mit Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad und weitgehend windstillen Bedingungen. Gerade der Wind kann auf dem schnellen Kurs in Le Castellet erheblichen Einfluss haben. «Wir sind gut vorbereitet und fühlen uns gut», fasste Fritz zusammen. «Wir sind guter Dinge und freuen uns auf das Wochenende.»
Für YART steht damit ein schwieriger Spagat bevor: Die R1 muss 24 Stunden geschont werden, gleichzeitig will der Titelverteidiger trotz Topspeed-Nachteil auf Sieg fahren. Nach dem turbulenten Test ist die Marschroute für Fritz dennoch klar: volle Attacke auf den ersten Bol-d’Or-Sieg – und damit auf die erneute Weltmeisterschaft.
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