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EWC-Saisonfinale: YART und BMW kämpfen beim Bol d’Or um den WM-Titel!
Das EWC-Finale begann für Weltmeister YART mit einem Schock. Karel Hanika war in einen heftigen Unfall verwickelt, seine Yamaha wurde zerstört. Max Neukirchner schildert die dramatischen Stunden.
Für YART geht es an diesem Wochenende
Bei den Testfahrten war Karel Hanika in einen heftigen Unfall mit insgesamt vier beteiligten Fahrern verwickelt. Der Tscheche hatte Glück im Unglück: Nach Untersuchungen im Krankenhaus stand am Abend fest, dass er keine Knochenbrüche erlitten hatte.
YART-Crewchief Max Neukirchner schilderte gegenüber SPEEDWEEK.com ausführlich, wie es zu dem Zwischenfall kam. Vor Hanika fuhr Teamkollege Marvin Fritz im Windschatten einer Honda. Bei mehr als 200 km/h wurde die Honda offenbar aufgrund eines technischen Problems plötzlich deutlich langsamer.
«Später konnten wir im Data-Recording sehr genau sehen, wie wenig Zeit Marvin überhaupt hatte», berichtete Neukirchner. «Von dem Moment, in dem er realisierte, dass vor ihm etwas nicht stimmt, bis zu seiner Reaktion verging wahrscheinlich nicht einmal eine Sekunde.»
Fritz berührte die Honda von hinten, konnte einen Sturz aber verhindern. Für den unmittelbar folgenden Hanika gab es praktisch keine Ausweichmöglichkeit mehr. Er stürzte heftig, seine Yamaha wurde dabei nahezu vollständig zerstört. Als Fritz anschließend an die Box zurückkehrte, brauchte es laut Neukirchner nur zwei Worte, damit die Mannschaft den Ernst der Lage begriff: «Fuck, Karel.»
Zunächst kam zumindest eine vorsichtig positive Nachricht aus der Rennleitung. Hanika war nach dem Unfall selbstständig aufgestanden und hinter die Streckenbegrenzung gegangen. Anschließend wurde er zunächst ins Medical Center und später für weitere Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht. Hanika klagte über Schmerzen im Bereich der Schulter beziehungsweise des Schlüsselbeins sowie am linken Bein.
Für Neukirchner begann damit eine besonders schwierige Situation. Während die Sorge um Hanika im Vordergrund stand, musste YART gleichzeitig bereits mögliche Szenarien für das WM-Finale durchspielen.
«Menschlich denkst du an Karel – sportlich musst du schon drei Schritte weiter sein», beschreibt der ehemalige Superbike-WM-Pilot den Zwiespalt. «Als Crewchief muss ich in diesem Moment bereits überlegen: Kann Karel fahren? Können wir am Donnerstag mit ihm antreten? Kann er ein 24-Stunden-Rennen fahren? Und falls nicht: Wer kann ihn ersetzen?»
Teammanager Mandy Kainz, Yamaha Europe und Niccolo Canepa wurden informiert. Selbst die Suche nach einem möglichen Ersatzfahrer hätte YART vor große organisatorische Herausforderungen gestellt, da unter anderem eine entsprechende FIM-Lizenz und die kurzfristige Anreise geklärt werden müssten.
Für Neukirchner, der die Situation aus seiner eigenen Zeit als Rennfahrer kennt, war dies der emotional schwierigste Moment. «Als ich Mandy sagen musste, dass wir trotzdem bereits die nächsten Schritte vorbereiten müssen, standen mir deshalb auch die Tränen in den Augen.»
Am Abend folgte schließlich die erlösende Nachricht: Hanika hatte sich keine Frakturen zugezogen. Der Tscheche meldete sich anschließend selbst bei Neukirchner und machte deutlich, dass er fahren möchte.
«Als er wieder an die Rennstrecke zurückkam, waren wir alle extrem erleichtert», erzählte der Crewchief. «Natürlich humpelte er noch und nach einem solchen Aufprall tut einem wahrscheinlich der komplette Körper weh. Aber er war wieder da.»
Für Neukirchner rückte der Totalschaden der Yamaha dadurch völlig in den Hintergrund. «Ein Motorrad können wir ersetzen. Teile können wir ersetzen. Einen Menschen können wir nicht ersetzen.»
Doch damit war der turbulente Testtag für den WM-Leader noch nicht beendet. Leandro Mercado stürzte später im zweiten Freien Training in Kurve 5 nach einer Berührung bei einem Überholmanöver. Der Argentinier blieb unverletzt, an seiner Yamaha musste jedoch unter anderem der Motor gewechselt werden.
Damit wartete auf die Mechaniker eine Mammutaufgabe. Eine R1 musste nach Hanikas Unfall praktisch komplett neu aufgebaut werden, an der zweiten Maschine war ein Motorwechsel notwendig.
Gerade die Reaktion der Mannschaft beeindruckte Neukirchner. «Ich habe unser Team selten so erlebt. Nicht hektisch, nicht gereizt. Niemand verlor den Kopf. Jeder blieb ansprechbar, konzentriert und machte einfach seinen Job.»
Im Hinblick auf das 24-Stunden-Rennen versucht YART, aus dem schwierigen Dienstag sogar etwas Positives mitzunehmen. «Vielleicht war unser Pech gestern sogar unser Glück», meinte Neukirchner. «Wenn uns diese beiden Situationen im Rennen passieren, ist unser Bol d'Or wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit vorbei.»
Die Ereignisse verdeutlichten zudem eine der besonderen Herausforderungen des Bol d'Or. Auf dem schnellen Circuit Paul Ricard treffen professionelle Werksteams und Spitzenfahrer auf deutlich langsamere Teilnehmer. Vor allem auf den langen Geraden können die großen Geschwindigkeitsunterschiede zu gefährlichen Situationen führen.
Sportlich bleibt für YART trotz des turbulenten Auftakts alles beim Alten. Der Titelverteidiger reist mit 19 Punkten Vorsprung auf das BMW-Werksteam zum Saisonfinale und hat die erneute Weltmeisterschaft selbst in der Hand.
«Wir haben Material verloren und viel Arbeit bekommen – aber wir haben keinen Fahrer verloren», fasste Neukirchner den Dienstag zusammen. «Jetzt schauen wir nach vorne. Unser Ziel hat sich nicht verändert. Wir wollen gemeinsam unseren Traum erfüllen und Weltmeister werden.»
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