Formel-1-Weltmeister Alan Jones: Der australische Bulle ist 80
Alan Jones fuhr so, wie er aussah: Mit eisernem Willen und vollem Körpereinsatz setzte einst ein Rennfahrer vom anderen Ende der Welt sein Ziel um – er wurde Formel-1-Weltmeister 1980 mit Williams.
Angeblich trug er rote Unterhosen als Glücksbringer, kämpfte meist geradlinig und mit eisernem Willen, verteidigte sein Revier immer entschlossen. Kein Wunder, denn der Australier Alan Jones, der am 2. November seinen 80. Geburtstag feiert, hatte keinen leichten Einstieg im Motorsport.
Zwar stammte der bullige «Aussie» aus reichem Hause, sein Vater Stan war bereits ein sehr guter und bekannter Rennfahrer Down Under. Er hatte sogar Angebote von BRM und Ferrari, blieb aber in Australien, um sich um seine Familie zu kümmern. Sein Sohn Alan war von diesem Rennsport-Bazillus ebenfalls infiziert, begann wie viele seine Karriere auf einem Kart, fuhr später einen Mini und saß irgendwann auch in einem Cooper-Monoposto.
Als jedoch der Autohandel seines Vaters pleite ging, entschloss sich Alan, nach England zu reisen und dort sein Glück zu probieren, die Insel war schon damals Home of Motor Racing. Um Rennen fahren zu können, hatte er zusammen mit seiner Freundin erst Minivans verkauft und später auch Zimmer vermietet, konnte sich irgendwann ein altes Formel-Ford-Auto kaufen, kam später in die britische Formel-3-Meisterschaft. Hier holte er 1973 sogar den Meistertitel, ging in die neue Formel Atlantic, errang auch hier achtbare Plätze.
Diese Erfolge entgingen den heimischen Formel-1-Teams keinesfalls: Erst hatte Jones ein Angebot von der bunten Hesketh-Truppe, danach fuhr er für Graham Hill und John Surtees – allerdings ohne gute Resultate.
1977 sollte er durch den tödlichen Unfall von Tom Pryce beim Grand Prix von Südafrika urplötzlich die Chance erhalten, in einem Shadow zu fahren. Er bedankte sich etwas später prompt mit einem Sieg beim Rennen in Österreich, was die dortige Rennleitung total überraschte: Denn sie hatte für die Siegerehrung die australische Nationalhymne nicht parat – ein Trompeter spielte stattdessen die Melodie «Happy Birthday». In gewissem Sinn freute sich Jones aber auch darüber, denn nun meldete sich Ferrari bei ihm.
Da sich die Italiener 1978 auf einmal für den Kanadier Gilles Villeneuve entschieden hatten, fragte Jones bei Frank Williams und Patrick Head an, ob er nicht deren FW06 fahren könnte. Es sollte deren Schaden nicht sein, denn der schnelle Australier gewann vier Rennen, wurde Dritter in der Formel-1-Weltmeisterschaft 1979.
Ein Jahr später setzte Jones noch einen drauf, wurde mit fünf Siegen Champion, viel Geld aus Saudi-Arabien hatte hierbei sicher geholfen.
Team-Miteigner Head sagte einmal über Jones, dass er ihn wegen seines harten Fahrstils und Kampfgeistes bewunderte – «solange sich auch nur noch ein Rad an seinem Auto dreht, gibt er nicht auf». Er galt als brutaler Pilot, den selbst eine gebrochene Hand nicht davon abschreckte, Vollgas zu geben. Er gefiel sich aber wohl auch privat als etwas eigensinniger Macho.
Obwohl er noch zwei seiner insgesamt zwölf Grand-Prix-Siege einfuhr, wollte AJ, wie er bei Williams immer genannt wurde, nach Australien zurückkehren. Landwirt zu sein, war sein großer Traum, doch der erfüllte ihn keinesfalls.
Und so nahm er sehr gerne das Angebot des Arrows-Teams 1983 an, beim Großen Preis der USA noch einmal zu fahren, mangelnde Fitness allerdings wurde ihm zum Verhängnis.
Auch ein weiterer Versuch 1985 im neu gestarteten Team Beatrice verlief enttäuschend. Zudem hatte es beim Grand Prix von Südafrika einen Skandal gegeben: Der Team-Sponsor verstieß nach Meinung von Menschenrechts-Aktivisten gegen dortige Regeln, ein Fabrik-Streik drohte. Am Ende konnte Jones dieses Rennen nicht fahren, flog enttäuscht nach Hause.
Zwei Mal war Jones sogar – ganz artfremd – bei den 24 Stunden von Le Mans angetreten. 1984 kam er in einem Porsche 956 zusammen mit Landsmann Vern Schuppan und dem Franzosen Jean-Pierre Jarier Sechster geworden, 1987, beim zweiten Versuch fiel er aus.
In diesem Jahr bekam er auch überraschend Besuch von einer kleinen Reisegruppe aus Deutschland. Denn ich hatte als BMW-Pressesprecher in meinem ersten Jahr einige Fachjournalisten zu zwei Tourenwagen-Rennen nach Bathurst und Calder eingeladen. Und da wurde nur zu gerne die Chance von den Kollegen genutzt, Alan Jones einen Kurzbesuch abzustatten. Einhellige Meinung der Besucher damals: Dieser Mann lebt traumhaft schön, direkt am Wasser, quasi sorgenfrei.
Immerhin blieb er auch in seiner Heimat dem Motorsport treu, wenngleich in kleinerem Ausmaß: Er fuhr zuerst Tourenwagen-Rennen, unterstützte seinen Adoptivsohn Christian beim Einstieg in eine Karriere als Rennfahrer und arbeitete für das australische Fernsehen als Kommentator. Nach 2010 arbeitete er gelegentlich als Berater der Sportbehörde FIA bei Formel-1-Rennen.
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