3. Training USA: Hamilton vor Verstappen, es hagelt Pistengrenzen-Strafen
Drittes Training zum GP der USA: Lewis Hamilton fährt in Texas Bestzeit, vor Max Verstappen und Charles Leclerc. Viele Fahrer verlieren ihre besten Runden. Nico Hülkenberg im Audi starker Siebter.
Letzte Möglichkeit, die Abstimmung der Rennwagen zu trimmen auf den Circuit of the Americas, ausserhalb von Austin/Texas: drittes Training. Bei sommerlichen Bedingungen (Luft 28 Grad, Rennstrecke bei 40 Grad), erheblich mehr Wolken als am Freitag und vor vollen Tribünen machten sich die 22 Formel-1-Piloten auf die Socken.
Nach den zwei Bestzeiten von Charles Leclerc im Ferrari in den ersten zwei Trainings war die grosse Frage: Wer kann das besser als die Italiener? Max Verstappen war im ersten Training schneller, aber jene Runde wurde dem Niederländer aberkannt, wegen Verletzung der Pistengrenzen.
Behalten Sie dieses Thema im Hinterkopf, das kann in der Quali zu einem grossen Aufreger werden. Nach 207 gestrichenen Runden in zwei freien Trainings wurden für Samstag einige weisse Linien breiter gestrichen, in den Kurven 12, 15 und 20. Das soll den Piloten helfen.
Formel-1-Champion Jenson Button gibt zu bedenken: «Die Fahrer werden immer an die Grenze gehen, egal wie breit eine weisse Linie ist.»
Ebenfalls in der Nacht auf Samstag erledigt: Wellen beim Abremsen von Kurve 19 abgeschliffen.
Viel bekamen die Fans zunächst nicht zu sehen, denn die Top-Teams liessen sich im ersten Teil des Trainings nicht auf der Bahn blicken. Weil sie wissen – die Bahn ist ganz zum Schluss in Sachen Haftung im Bestzustand. Ein anderer Grund: Die weichen Reifen halten hier kaum eine Runde. Also war Haushalten angesagt. Zudem wollten die Spitzenrennställe warten, bis die Bahn eine Temperatur erreicht, die für die Quali repräsentativer ist
In den ersten zehn Minuten also Magerkost für die Fans, in Form des Alpine-Duos Pierre Gasly und Franco Colapinto sowie den Cadillac-Haudegen Sergio Pérez und Valtteri Bottas.
Aufreger nach 12 Minuten: ein rauchender Ferrari von Superstar Lewis Hamilton. An der Box sorgenvolle Miene von Ferrari-Chef John Elkann. Da hatte wohl jemand ein wenig zu viel Öl eingefüllt, denn der Rekord-Champion fuhr weiter, als hätte es die Rauchzeichen nie gegeben. Der fünffache Austin-Sieger übernahm das Kommando.
Nach 20 Minuten Max Verstappen an der Spitze (die Bestzeit von Lando Norris wurde gestrichen, Sie wissen wieso). Dann kam Charles Leclerc, der schnellste Mann vom Freitag – 0,26 sec langsamer als Max. Aber auch Leclerc wurde die Runde aberkannt. Verstappen und Leclerc beide auf mittelharten Reifen.
Kurz darauf neue Bestzeit von Lewis Hamilton (auf weichen Pirelli), 141 Tausendstel schneller als Verstappen mit mittelhartem Gummi.
Max Verstappen meldete sich (wieder mal) am Funk, um unsaubere Schaltmanöver zu monieren. «Das ist so blöd.» Das Problem: Ein Fahrer ist am Limit, bremst die Kurve an, muss gleichzeitig schalten, und wenn der Pilot ohnehin schon an der Haftgrenze ist, kann das den Wagen aus der Balance bringen. Verstappen brach den betreffenden Versuch ab.
Stand nach 30 Minuten: Leclerc, Hamilton, Antonelli, Verstappen, Norris, Russell. Nico Hülkenberg im Audi auf P12. Der Deutsche lieferte sich hinter Russell ein kleines Duell mit Haas-Fahrer Esteban Ocon. Dessen Renningenieurin Laura Müller am Funk: «Das war unnötig.» Der Meinung waren die bestens unterhaltenen Fans nicht.
Zwei Ferrari vorne, die Tifosi begannen zu träumen. In der Quali ist dass letztmals vor drei Jahren in Mexiko 2023 passierte, mit Charles Leclerc vor Carlos Sainz.
Kimi Antonelli rückte nach 40 Minuten mit frischen Reifen aus, zu diesem Zeitpunkt auf P3 hinter den beiden Ferrari von Leclerc und Hamilton.
Der WM-Leader zeigte seine Muskeln: neue Bestzeit, 112 Tausendstel schneller als Leclerc. Der zweite Mercedes-Fahrer George Russell rückte auf P3 vor Hamilton. Und dann verlor Antonelli seine Runde.
Kimi knurrte am Funk: «Aaaah, ich war neben der Bahn.» Sein Renningenieur Pete Bonington gurrte wie ein nachsichtiger Vater mit seinem Bub: «Aber du warst zuvor so gut.»
Max Verstappen rückte 66 Tausendstel vor Leclerc an die Spitze, aber Hamilton war noch schneller – neuer Leader, 168 Tausendstel vor dem Niederländer. Das liess Charles Leclerc nicht auf sich sitzen: Erneut Schnellster, 83/1000 vor Hamilton. Aber auch diese Runde wurde gestrichen, so wie die viertbeste Zeit von Lando Norris ebenfalls.
Alles in allem 42 gestrichene Runden alleine in diesem dritten Training. Das kann ja lustig werden im Abschlusstraining.
Schöne Schlussnote durch Audi-Fahrer Nico Hülkenberg: Siebtschnellster!
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