Mario Andretti: Sein Urteil über Kimi Antonelli, seine Hoffnung für Ferrari
Die US-amerikanische Rennlegende Mario Andretti (86) sah als Kind in den 50er Jahren Ferrari-Ass Alberto Ascari. Nun sieht er den nächsten F1-Champion aus Italien, Kimi Antonelli.
Mario Andretti ist als Vorstands-Mitglied des F1-Rennstalls Cadillac am Circuit of the Americas. Er ist vielleicht der einzige Mensch an dieser Rennstrecke, der den vorderhand letzten Formel-1-Weltmeister aus Italien erlebte und nun den kommenden Champion beobachten kann. Als Kind sah Mario mit seinem Zwillingsbruder Aldo in Monza den Ferrari-Star Alberto Ascari, der 1952 und 1953 den WM-Titel eroberte. Nun sieht Andretti auf der COTA-Rennstrecke den nächsten italienischen Weltmeister am Werk, Kimi Antonelli.
Der stärkste Eindruck für den zwölffachen GP-Sieger, F1-Champion von 1978 (mit Lotus), Indy 500-Sieger und vierfachen IndyCar-Champion, wie er meiner Kollegin Giulia Toninelli von der Gazzetta dello Sport erklärt hat: «Wenn man mir vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass die Formel 1 so viel Erfolg in den Vereinigten Staaten haben würde, hätte ich es nie geglaubt.»
«Ich bin viele Jahre in der Formel 1 gefahren, aber die Amerikaner interessierten sich kaum dafür, es gab nicht diese gewaltige Begeisterung wie heute. Liberty Media hat in dieser Hinsicht etwas Unglaubliches geleistet und hier in Austin spürt man die wahre Leidenschaft.»
Was jetzt gemäss des COTA-Botschafters noch fehlt: «Ich werde jetzt ein bisschen romantisch sein, aber ich würde mir schon einen amerikanischen Fahrer wünschen. Es wäre wunderschön zu sehen, wie all diese Fans eines Tages einen Landsmann anfeuern.»
«Für den Rest würde ich sagen, dass die Formel 1 derzeit perfekt ist: Ich bin nicht einer dieser ehemaligen Fahrer, die immer sagen: ‘Als ich gefahren bin, war alles besser.’ Denn jede Generation hat ihre eigenen Regeln, ihre eigenen Fans, ihre eigenen Stars und ihre eigenen Prioritäten. Dies ist eine wunderschöne Saison mit einem grossartigen Hauptdarsteller, Kimi Antonelli, der viele Emotionen erzeugt.»
Der in Montona (damals in Italien, heute Kroatien) geborene Andretti sagt über den kommenden Champion Antonelli: «Ich bin ein grosser Fan. Ich bin wirklich begeistert von dem, was Kimi zeigt, das ist ein Spektakel für jeden, der die Formel 1 liebt. Bald wird er der vierte Italiener sein, der eine Weltmeisterschaft gewinnt, nach mir, Ascari und Farina.»
Mario beginnt zu lachen: «Nun, ich weiss natürlich, dass ich nicht auf der Liste der italienischen Weltmeister stehe, weil ich offiziell ja als US-Amerikaner gelte, aber ich fühle mich auch zutiefst italienisch und deshalb freue ich mich, dass Antonelli zu den Weltmeistern aufschliesst. Er hat bewiesen, dass er alles hat, was man braucht, um grossartig zu sein, obwohl er so jung ist.»
Der emotionalste Moment gemäss Mario Andretti war «definitiv Monza. Ich habe dort gewonnen und weiss genau, was es bedeutet, vor diesem Publikum zu triumphieren. Kimi kann hundert Rennen gewinnen, aber der Sieg in Monza wird immer etwas Besonderes bleiben. Für ihn und für alle, die das gesehen haben.»
Für 2027 hofft Mario Andretti «auf ein noch stärkeres Ferrari. In diesem Jahr haben sie im Vergleich zur letzten Saison einen grossen Schritt nach vorne gemacht, und ich hoffe, dass sie in der nächsten WM noch wettbewerbsfähiger sind, um ein Wörtchen um den Titel mitzureden.»
«Lewis Hamilton ist nach einer sehr schwierigen Saison als wahrer Champion zurückgekehrt, und auch Charles Leclerc zeigt anhaltend, welche ausgezeichneter Fahrer er ist. Ich hoffe, sie 2027 im Titelkampf zu sehen, vielleicht sogar gegen Antonelli. Es wäre unglaublich für alle Fans, italienische und nicht-italienische.»
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