Bernie Ecclestone: Was packt Gerhard Gribkowsky aus?
Der Prozess gegen Bernie Ecclestone geht in die nächste Runde: Heute sagt der inhaftierte Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky aus, der laut Anklage vom Formel-1-Rechteverwalter bestochen worden sein soll.
Im Saal A101 des Münchner Strafjustizzentrums kommt es heute, Freitag, im Schmiergeld-Prozess gegen Bernie Ecclestone zu einem unliebsamen Aufeinandertreffen zweier früherer Geschäftspartner: Gerhard Gribkowsky, Kronzeuge der Staatsanwaltschaft, sagt aus. Ecclestone und Gribkowsky hatten sich im Zuge des Verkaufs der Formel-1-Anteile der Bayerischen Landesbank an CVC Capital Partners kennengelernt.
Der ehemalige BayernLB-Vorstand Gribkowsky, der in einem früheren Prozess zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden war, hatte in eben jenem Verfahren erklärt, dass ihm Bernie Ecclestone im Mai 2005 in einem Gespräch in London eine Beschäftigung als Berater angeboten habe, wenn er ihm beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB helfe. Kurz darauf habe der geschäftstüchtige Brite die Beteiligungsgesellschaft CVC Capital als Käufer vorgeschlagen.
In diesem Zusammenhang seien auch die dubiosen 44 Millionen Dollar (Rund 32 Millionen Euro) geflossen, getarnt als Beraterhonorar. Im Juni 2012 wurde Gribkowsky der Steuerhinterziehung, Bestechlichkeit und Untreue für schuldig befunden.
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Als Kronzeuge der Staatsanwaltschaft soll der inhaftierte 56-Jährige nun nochmals bestätigen, was Noll schon im Juni 2012 als Tatsache erachtet hatte. Ecclestone seinerseits bestreitet, dass es sich bei der Zahlung um eine Bestechung gehandelt habe, vielmehr habe Gribkowsky ihn mit dem Druckmittel erpresst, ihn bei den britischen Steuerbehörden zu verpfeifen.
Gribkowskys heutige Aussage dürfte sich mit seinem früheren Geständnis decken, dass er im Sommer 2012 nach 44 Tagen des Schweigens abgelegt und damit den Prozess gegen Ecclestone ins Rollen gebracht hatte.
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