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Volle Attacke statt Sparmodus: So fuhr BMW bei der EWC in Spa zum Sieg

Mit dem Sieg in Spa meldete sich BMW eindrucksvoll im Titelkampf der Langstrecken-WM zurück. Technikdirektor Chris Gonschor erklärt die Strategie hinter dem Erfolg und blickt bereits auf Suzuka.

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Mit dem Sieg bei den 8 Stunden von Spa hat das BMW-Werksteam den Anschluss im Titelkampf der Langstrecken-Weltmeisterschaft wiederhergestellt. Nach dem unglücklich verlaufenen Saisonauftakt in Le Mans und den Enttäuschungen der vergangenen Monate fiel den Verantwortlichen eine große Last von den Schultern.

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«Die Erleichterung ist natürlich groß. Es ist schön, das zu sehen», sagte BMW-Technikdirektor Chris Gonschor im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. Der Erfolg kam für den Ingenieur allerdings nicht überraschend. Aus seiner Sicht hatte das Team bereits in den zurückliegenden Rennen das nötige Potenzial gezeigt, konnte es aber nie bis ins Ziel bringen.

«Beim Bol d'Or konnten wir nicht beenden, was wir uns vorgenommen hatten. Dann haben wir im Winter den nächsten Schritt gemacht und konnten das in Le Mans nicht zu Ende bringen. Jetzt gelang endlich der Sieg. Es war also keine Überraschung. Es dieses Mal ohne Pech beendet zu haben, sorgt für große Freude», fasste Gonschor zusammen.

BMW wieder im Kampf um den WM-Titel

Mit dem Triumph in Belgien hat BMW den Rückstand auf WM-Spitzenreiter YART deutlich verkürzt. Für Gonschor beginnt damit bereits die Vorbereitung auf die verbleibenden Saisonrennen.

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«Jetzt heißt es volle Konzentration auf Suzuka und das Bol d'Or. Zwei Rennen haben wir hinter uns – eins haben wir verloren, eins haben wir gewonnen. Wir wollen den Spieß umdrehen und den Rückstand auf YART weiter reduzieren. Sie waren auch hier in Spa stark.»

Besonders im Trockenen präsentierte sich die BMW M1000RR in Spa in beeindruckender Form. Gonschor sieht die Stärke des Motorrads jedoch nur als einen Teil der Erfolgsgeschichte. Mindestens genauso wichtig sei es gewesen, bei den ständig wechselnden Bedingungen die richtigen strategischen Entscheidungen zu treffen.

«Das Wetter ist immer ein heikles Thema, nicht weil man im Nassen nicht schnell genug ist. Viel mehr geht es darum, den Boxenstopp perfekt zu timen. Doch den Regen kann man nicht planen.»

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Gerade in Spa-Francorchamps kann eine falsche Entscheidung innerhalb weniger Minuten den Ausgang eines Rennens verändern. «Wenn der Regen eine Runde zu spät kommt, dann kann man Pech haben, weil man gerade auf Slicks gewechselt hat. Die Sorge ist immer da, vor allem in den Ardennen.»

Effizienz: BMW wählte eine aggressivere Abstimmung als in Le Mans

Während BMW in Le Mans mit außergewöhnlich langen Stints und maximaler Effizienz beeindruckte, verfolgte das Team in Spa einen etwas anderen Ansatz. Die Fahrer sollten in den schnellen Passagen des belgischen Traditionskurses möglichst wenig Kompromisse eingehen müssen.

«Wir haben uns in Spa für viel Dynamik im Motorrad entschieden, damit die Fahrer in den schnellen Passagen auch vorne bleiben können», erklärte Gonschor. «Der Effizienz-Faktor wurde hier also etwas anders angegangen als in Le Mans.» Für das Achtstundenrennen verschob BMW die Prioritäten bewusst in Richtung maximaler Performance.

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«Über 24 Stunden ist es ohnehin etwas anderes. Hier sind wir mehr oder weniger ein Sprintrennen über acht Stunden gefahren. Wir haben mehr auf puren Speed gesetzt. Das ist gut für die Rundenzeit und hilft den Fahrern in den schnellen Passagen. Deshalb haben wir die Effizienz im Vergleich zu Le Mans etwas zurückgeschraubt.»

Warum die Finnen aus der Superbike-WM nicht eingesetzt werden

Dabei betont der Technikdirektor, dass die technische Basis unverändert geblieben sei. «Das Motorrad war gleich – es war in Le Mans podiumsfähig und hier auch», bilanzierte er nüchtern. Interessant ist auch der Blick auf die Aerodynamik. Während BMW in der Superbike-WM zuletzt mit neuen Finnen am Bug der M1000RR antrat, verzichtete das Werksteam in der Langstrecken-WM auf diese Lösung.

«Es sind zwei verschiedene Meisterschaften», erläuterte Gonschor. «In der Superbike-WM geht es immer um die ultimative Rundenzeit, die am Wochenende maximal 20 Runden lang wiederholt werden muss.» In der EWC gelten dagegen andere Prioritäten. «In der Langstrecke muss man über die Distanz gesehen eine hohe Durchschnittsgeschwindigkeit fahren. Man muss die Rundenzeiten gut wiederholen können und darf keine Fehler machen. Nicht jedes kleine Aerodynamik-Feature ist hier zielführend.»

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Wie BMW den hohen Druck kontrollierte

Der Druck vor dem Rennen war dennoch enorm. Nach dem Ausfall in Le Mans durfte sich BMW praktisch keinen weiteren Rückschlag leisten. «Die Anspannung ist immer da und sie wächst, wenn man einem Rückstand hinterherläuft. Wir mussten vor YART und den anderen Wettbewerbern ins Ziel kommen. Deshalb gab es eine gewisse Anspannung.»

Gleichzeitig machte die Ausgangslage die Strategie überraschend einfach. «In Le Mans haben wir viele Punkte verloren. Deshalb mussten wir viele Punkte gutmachen und dafür gab es nur eine Strategie: volle Attacke.»

Diese Philosophie zog sich durch das gesamte Projekt – von der Abstimmung bis zur Rennstrategie. «Das entsprach unserer Taktik, auch bei der Effizienz. Wir sind all in gegangen.» Der Mut wurde belohnt: BMW hat den ersten Saisonsieg eingefahren und den Titelkampf in der Langstrecken-Weltmeisterschaft wieder völlig offen gestaltet.

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