Gernot Döllner (Audi): Klare Aussagen zur V8-Zukunft der Formel 1
Audi hat vor knapp zwei Monaten in Australien das Formel-1-Debüt gegeben. Der Deutsche Gernot Döllner (57) zieht nach fünf WM-Läufen eine Zwischenbilanz für Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto.
Fünf Grands Prix und drei Formel-1-Sprints sind gefahren in dieser Formel-1-WM 2026, Audi steht auf WM-Rang 9, mit lediglich einer Punktefahrt: Der Brasilianer Gabriel Bortoleto wurde beim Saisonstart in Melbourne (Australien) Neunter. Nico Hülkenberg schrammte mit zwei elften Rängen und einem zwölften Platz knapp an den Top-Ten vorbei.
Gernot Döllner, seit 2023 Vorstands-Vorsitzender der Audi AG, ist nach Monte Carlo gereist, um sich die Action vor Ort anzuschauen. Im brandneuen Motorhome der Deutschen zieht der Niedersache eine Zwischenbilanz.
Der Fahrzeugtechniker sagt: «Alles in allem sind wir mit unserer gegenwärtigen Position sehr zufrieden. Wir sind angetan von der Leistungsfähigkeit des kompletten Autos und auch davon, dass wir im Mittelfeld mitmischen.»
«Klar hatten wir einen Traumstart mit Bortoleto in Australien und den zwei Punkten gleich im ersten Rennen. Aber gleichzeitig haben wir in den ersten fünf GP-Wochenenden auch gesehen, dass wir noch sehr viel zu lernen haben, gerade auf der Antriebsseite, und auch im operativen Bereich, da wir ja mit Chassis und Antriebseinheit beide Elemente selber herstellen. Ich finde, unsere Mannschaft hat einen herausragenden Job gemacht, dass diese zwei Seiten schon heute so eng verzahnt sind. Wir lernen ständig hinzu, aber die erste Zwischenbilanz fällt positiv aus.»
Wovon wurde der Spitzenmanager im ersten Saisonteil verblüfft? «Vielleicht davon, wie viel es für uns zu lernen gibt in der Formel 1, das hat mich persönlich schon überrascht. Da gab es Aspekte im F1-Betrieb, die wir so nicht erwartet hatten.»
«Was mich nicht überrascht hat: Uns war von Anfang an klar, dass wir seitens Antriebseinheit nicht in die Königsklasse kommen und gleich der Klassenbeste sind. Am Leistungsvermögen der Antriebseinheit müssen wir arbeiten. Sehr happy aber sind wir mit dem Chassis, etwa mit einem sehr guten Fahrzeugverhalten in schnellen Kurven.»
Wo sieht Döllner Audi am Ende der der ersten GP-Saison? «Unser Ziel für das erste Jahr besteht darin, im Zentrum des Mittelfelds zu liegen. Wir haben einen Fünfjahresplan bis 2030, und in der ersten Saison liegen wir damit auf Kurs.»
In welchen Positionen muss das Team weiter gestärkt werden? «Wir sind noch immer am Wachsen, wir sind noch nicht ganz dort angelangt, wo wir im Rahmen des Kostendeckels sein sollen. Bis zum nächsten Jahr werden wir weitere Fachkräfte engagieren, vor allem im Entwicklungs-Team und auch in Sachen junge Leute, die wir direkt von den Universitäten holen.»
Wo steht Audi im politischen Tauziehen um die Verhältnis-Anpassung Verbrenner/Elektrik für 2027? Audi-Chef Döllner: «Wir sprechen über das bestmögliche Verhältnis zwischen Verbrenner und Elektrik. Unsere Position da ist – wir würden gerne beim heutigen Verhältnis bleiben, also 50:50.»
«Dies aus zwei Gründen. Erstens mal, weil unser Projekt auf dieses Verhältnis ausgelegt ist und wir ohnehin in Sachen Lernprozess im Rückstand sind. Wenn das Verhältnis nun geändert würde, so würde das unserem Lernprozess gewiss nicht dienlich sein.»
«Der andere Aspekt ist der Kostendeckel in der Formel 1. Das Verhältnis nun zu ändern, das würde bedeuten, dass finanzielle Mittel dafür aufgewendet werden müssten, die wir lieber woanders einsetzen wollen.»
«In unserer Lage ist Stabilität für uns wichtig. Es gab ja auch Änderungen nach wenigen Rennen in Sachen Fahrbarkeit, und da war allen klar, dass etwas unternommen werden muss. Ich finde, da ging es in die richtige Richtung.»
FIA-Chef Ben Sulayem will schon 2030 zurück zum Verbrenner mit geringem Elektro-Anteil sowie mit Bio-Sprit. Wie sieht das Audi? Döllner gibt zur Antwort: «Zunächst mal liegt unsere ganze Konzentration darauf, die gegenwärtige Antriebseinheit zu optimieren. Wir sind da in einer steilen Lernkurve und wissen, dass wir einige Aufgaben zu lösen haben.»
«Die Diskussion, wo es mit den Motoren ab 2030 oder 2031 weitergeht, wird vom Autosport-Weltverband FIA angeführt. Wir sind jedoch Teil dieses Prozesses. Wir sind offen dafür, was da kommt. Unsere Perspektive war stets – wir wollen eine Motorenformel mit den Schwerpunkten Effizienz und Nachhaltigkeit.»
«Wenn Sie mich nach meinen Vorzügen fragen, dann würde ich antworten: Mir ist ein Turbo wichtiger als die Anzahl Zylinder.»
«Ich bin freilich nicht der Ansicht, dass das seitens FIA plötzlich neue Töne sind. Die Zukunft nach dem gegenwärtigen Motor, das ist ein Prozess, der schon im vergangenen Jahr angestossen worden ist.»
«Und was 2030 und 2031 angeht: Wir haben bis Ende 2030 ein Concorde-Abkommen unterzeichnet, und wenn schon in jenem Jahr das Reglement geändert würde, dann würde das unserer Zustimmung bedürfen. Ab 2031 kann die FIA theoretisch frei bestimmen, was kommt. Aber ich erwarte da keinen Konflikt, ich glaube, die Motorenhersteller werden einstimmig in die Motorenzukunft gehen.»
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