Wettrüsten für die Supersport-WM 2027: Wo steht KTM mit der 990 RC R?
Die Hoffnungen von Promoter Liberty und Fans sind groß, dass wir 2027 Orange auf dem Grid der Supersport-WM sehen und KTM mit der Freudenberg-Truppe einsteigt. Der Teamchef über den Stand der Dinge.
In keiner anderen Weltmeisterschaft auf der Rundstrecke sind so viele Hersteller involviert wie in der Supersport-Klasse. In dieser Saison sehen wir die europäischen Marken Ducati, MV Agusta und Triumph, die Japaner Honda, Kawasaki, Yamaha sowie die Chinesen QJ Motor und ZX Moto.
Zu diesen acht könnte sich 2027 KTM gesellen, die Entwicklung der 990 RC R für die Rennstrecke läuft seit Monaten auf Hochtouren. Klar ist: Wir werden kein Werksteam aus Mattighofen in der Supersport-WM sehen, diese sind dem MotoGP-Paddock und Offroad-Sport vorbehalten. Der österreichische Hersteller hat aber so großes Interesse an der Klasse, dass er die Freudenberg-Mannschaft zum Testteam berufen hat. Mit Jonas Folger und Luca Grünwald sind zwei Arrivierte eingebunden, die über sehr viel Wissen und Erfahrung mit KTM verfügen.
In der Supersport-Kategorie werden derzeit drei neue Maschinen für 2027 entwickelt: Triumph bringt die Street Triple RS mit größerem Motor mit 800 statt bislang 765 ccm. Und Ducati macht die bereits seit 2025 käufliche Panigale V2 renntauglich, mit 890 statt 955 ccm.
Wo steht KTM in diesem Wettrüsten, fragte SPEEDWEEK.com bei Teamchef Carsten Freudenberg nach. «Das ist schwierig zu beurteilen», überlegte der Sachse. «Man muss sehen, dass wir nur bei Track-Days unterwegs waren, da sind 35 bis 40 Fahrer auf der Strecke und wir haben keine zehn Runden am Stück. Und dann kann es passieren, dass wir neue Reifen aufziehen, deren Performance in den ersten zwei Runden aber nicht nutzen können, weil Fahrer auf der Strecke sind, die sauber überholt werden müssen.»
Vergleiche mit der Konkurrenz hinken
«In der Euro Moto hat man gesehen, dass die Top-5 möglich sind», hielt Freudenberg fest. «Wir haben jetzt auch von Suter eine neue Kupplung bekommen, die im Detail zusammen mit der Motorbremse besser arbeitet. Da geht es um viele Kleinigkeiten, ich kann aber nicht direkt sagen, wo wir stehen. Wir müssen schauen, dass wir dieses Jahr noch mal ein Euro-Moto-Rennen fahren können. Aber auch dort lassen sich schlecht Vergleiche ziehen, weil die alle nach offenem Reglement mit 150 PS fahren und wir nach den zukünftigen Regeln mit 130 PS. Natürlich ist der Anspruch, dort vorne hinzukommen. Man muss aber auch ehrlich sein, alle Hersteller haben Zeit gebraucht.»
Während sich QJ Motor seit Jahren in der Supersport-WM abmüht und auf keinen grünen Zweig kommt, und MV Agusta seit dem Wechsel des Schweizer Teams von Andrea Quadranti zu Yamaha nichts mehr zu bestellen hat, katapultierte sich die neue Marke ZX Moto in ihrer Debütsaison in die Spitze: Valentin Debise hat schon sechs Rennen gewonnen und liegt mit 209 Punkten zur Sommerpause auf Platz 2 der Gesamtwertung hinter Albert Arenas (Yamaha, 291).
Eine KTM ist eine KTM, ein Motorrad aus Österreich – und das soll auch so bleiben.carsten freudenberg
Das ringt auch Freudenberg Respekt ab, er weist aber auf einen gewaltigen Unterschied hin: «Wir entwickeln unser Motorrad, und darauf sind wir sehr stolz, mit eigenen Ideen. Wir haben eine eigene Philosophie, ZX Moto legt eine andere an den Tag – deswegen sind sie auch so schnell. Sie haben von allen Motorrädern, die es aktuell in der WM gibt, das Beste herausgepickt und sich dann ihr Bike zusammengebaut. So machen wir das nicht, wir haben ein eigenes Motorrad auf den Markt gebracht. Wir entwickeln unseren eigenen Rennkit und schauen nicht, welche Schwinge Yamaha fährt und welche Gabel Ducati hat. Wir machen unseren eigenen Job. Aber deswegen sind die Chinesen mit Evan Bros, einem Top-WM-Team, das schon jahrelang auf höchstem Niveau fährt, so weit vorne. Jeder weiß, wie schnell die Chinesen etwas kopieren können – wir haben eine andere Herangehensweise. Wir machen ein KTM-Projekt. Eine KTM ist eine KTM, ein Motorrad aus Österreich – und das soll auch so bleiben.»
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach





