Power-Triple: Was der neue Moto2-Motor für Triumphs Straßenmodelle bedeutet
Die aktuelle Triumph Street Triple spendet ihren Antrieb für die Moto2-WM. Wir beleuchten die Auswirkungen des neuen Dreizylinders ab kommender Saison für künftige Straßenmodelle der Engländer.
Rund fünfzehn Jahre war Triumphs Street Triple das Rückgrat im Modellprogramm der Briten. 2007 aus der Daytona 675 hervorgegangen, wurde das Naked Bike zunächst fast zehn Jahre lang mit namensgebendem Hubraum von 675 Kubikzentimetern verkauft und sorgte gemeinsam mit der Tiger 800 und der klassischen Bonneville für den Großteil der weltweiten Verkaufszahlen der Briten. Später folgte die Weiterentwicklung zur Street Triple 765, bei der das Meisterstück der Ingenieure in den Midlands die Umfunktionierung des 765er-Triples zum Einheitsantrieb der Moto2-Serie war. Triumph ist seit der Saison 2019 exklusiver Motorenlieferant der FIM Moto2-Weltmeisterschaft und rüstet alle Teams mit getunten 765-ccm-Dreizylindermotoren aus, die auf der Street Triple RS basieren. Ein unorthodoxer Schritt für die Engländer – schließlich fehlte seit Produktionsende der Daytona 675 ein waschechtes Sportmotorrad, das unmittelbar vom Imagetransfer aus dem Spitzensport profitieren konnte. Die Briten fingen dies notdürftig durch ein kurzes Comeback ihrer sportlichen Speerspitze auf, das für kurze Zeit als Daytona 765 neu aufgelegt wurde.
Ab 2027 folgt die nächste Evolutionsstufe, denn wie SPEEDWEEK.com in den vergangenen Wochen mehrmals berichtete, rüsten die Briten die Moto2 ab 2027 mit einem neu entwickelten Dreizylinder-Motor aus. Das neue Rennaggregat soll über einen neuen Zylinderkopf verfügen, dazu über Einlasskanäle mit höherem Durchfluss und ein neues Brennraumdesign, sowie einen neu konstruierten Ventiltrieb. Maßnahmen, die den Luftfluss in den Brennraum verbessern und ein höheres Verdichtungsverhältnis ermöglichen sollen. Rund 800 Kubikzentimeter Hubraum bringt der Motor mit. Resultat: Sechs Prozent mehr Spitzenleistung, mehr Drehmoment über den gesamten Drehzahlbereich und zwei Kilogramm weniger auf der Waage. Erreicht wurde das durch das Gegenteil des bisherigen Entwicklungsansatzes: Anstatt einen Serienmotor renntauglich zu machen, wird eine modifizierte Variante des Rennaggregats in Serie gebracht. Der Sport-Motor hatte zunächst Priorität. Aber: «Was immer wir für die Moto2 entwickeln, wird auch Teil eines Serienmotorrads sein. Wir haben immer gesagt, dass die Entwicklung des Moto2- und Serienmotors Hand in Hand gehen», so Triumphs Chief Product Officer Steve Sargent dazu.
Für die Ingenieure der Kundenmotorräder aus Hinckley stellt sich aber die Frage: Wohin mit dem Moto2-Motor? Schließlich produzieren die Engländer für Trident 800 und Tiger Sport 800 einen noch recht frischen Dreizylindermotor in genau dieser Hubraumkategorie. Doch dieser stellt Fahrbarkeit im Alltag und eher moderate Sportlichkeit in den Vordergrund, kann günstiger gefertigt werden und lässt so eine Lücke im Modellprogramm der Briten für das drehfreudigere, dezidiert sportliche Aggregat. Dieses wird, das gilt als offenes Geheimnis, erstmals in der kommenden Generation der Street Triple zum Einsatz kommen und deren Charakter hin zur sportlichen Streetfighter nochmals forcieren. Schon die aktuelle Generation des Vorzeigeroadsters aus Hinckley ist fokussierter, drehzahlhungriger und wendet sich mehr an sportliche Fahrer als ihre Vorgängerinnen – ein Schritt, der mit jeder Modellpflege und jeder zusätzlichen Variante stärker hervorgehoben wurde. Die letztes Jahr eingeführten und höherpreisigen Moto2-Edition und RX waren der vorläufige Höhepunkt dessen.
Die kommende Street Triple wird diese Entwicklung fortsetzen und sich damit einerseits an eine noch mehr sportlich orientierte Kundschaft wenden als bislang. Zudem besetzt sie damit Raum im Modellangebot, das die Briten bislang größtenteils vernachlässigten. Zwischen der günstigsten Street Triple R und der Speed Triple 1200 klafft, was die Motorleistung und den Preis angeht, eine große Lücke. Schon vor rund zwei Jahren konnte SPEEDWEEK.com seinen Lesern einen Blick darauf gewähren, in welche Richtung die Briten ihre Ikone weiterentwickeln. Bilder eines Erprobungsträgers, der von Testingenieuren für die Chassis-Abstimmung und Ergonomie-Tests der kommenden Mittelklasse-Streetfighter aus Hinckley verwendet wurde, gewährten einen Ausblick. Die Entwicklung der kommenden Street Triple befand sich zu diesem Zeitpunkt noch im Anfangsstadium, doch einzelne Chassis-Teile gaben bereits Hinweise auf die künftige Auslegung: Der Alu-Brückenrahmen des Prototyps ähnelte jenem der aktuellen Generation, doch schon die Schwinge zeigte Parallelen zu den Rennmotorrädern der Moto2-Serie. Angetrieben wurde das Motorrad noch vom 765er-Triple der aktuellen Generation, das neue Serienaggregat soll noch in einer zu frühen Entwicklungsphase gewesen sein. Interessantes Detail: Der Erprobungsträger verfügte zudem über Aufnahmepunkte für eine Vollverkleidung – ein Hinweis darauf, dass die Briten schon früh im Entstehungsprozess mit einer Neuauflage der Daytona experimentierten. Ob diese zusätzlich zur kommenden Street Triple kommt, ist unklar, doch Raum im Modellangebot haben die Briten auch in diesem Bereich: Derzeit offeriert Triumph im Segment vollverkleideter Sportler nur die Daytona 660. Doch die Bedeutung des Marktsegments mit einem Mindestmaß an Alltagstauglichkeit wächst – Aprilia RS 660, KTM 990 RC, Yamaha R7 und R9 etc. zeugen davon. So oder so: Mit dem neuen Moto2-Aggregat entsteht in Hinckley die Basis für kommende Imageträger und Margengaranten.
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