Zwischen F 450 GS und F 900 GS: Neue Mittelklasse-GS von BMW kommt 2028
Nach der Einsteigerklasse folgt das Mittelklassesegment: Eine 600-Kubik-Reiseenduro mit dem legendären Kürzel «GS» und Reihentwin eröffnet für BMW den Angriff auf neue Kundenkreise.
SPEEDWEEK.com-Leser wussten es längst: Wenige Wochen, bevor BMW mit der F 450 GS seine neue Einsteigerbaureihe in Mailand präsentierte, deutete BMW-Motorrad-Boss Markus Flasch im Gespräch mit Chefredakteur Ivo Schützbach bereits an, dass die bayrischen Entwicklungsingenieure die neue F 450-Plattform für die nächste Erweiterung des Modellprogramms noch einmal zur Brust nehmen würden. Wie wir wenig später ebenfalls erstmals berichten konnten, wird diese neue Ausbaustufe des Reihentwins erstmals in einer leichten Reiseenduro stecken, mit der BMW auf die Kundschaft von Yamahas Bestseller Ténéré 700 zielt und das legendäre Kürzel «GS» in ein neues Marktsegment bringen wird.
Auf ersten Fotos eines frühen Testträgers lässt sich nun erstmals ausmachen, mit welchem Rezept die Bayern im Segment zwischen F 450 GS und F 900 GS punkten wollen: Die Reiseenduro weist technisch sichtbare Parallelen zur F 450 GS auf und greift bei Abgasanlage und Fahrwerksteilen auf ein ähnliches Rezept zurück. Die Federbein-Anlenkung gleicht beispielsweise jener der kleinen Schwester, die Schwinge ist ähnlich konstruiert.
Doch auch Unterschiede sind deutlich: Das Motorrad steht auf 21-Zoll-Vorder- und 18-Zoll-Hinterrad und wirkt deutlich erwachsener als ihre keinesfalls schmächtige kleine Schwester. Auch der Stahl-Brückenrahmen am Prototyp orientiert sich eher an der F 900 GS, auch die Bremsanlage ähnelt der großen Schwester. Sichtbar ist an den Verkleidungsteilen auch der noch frühe Entwicklungsstand, dennoch sind viele Design-Details schon fein ausgearbeitet. So wird sich die Frontleuchte offenbar an der großen Schwester R 1300 GS orientieren, bislang fehlt jedoch noch der charakteristische Schnabel. Die noch fehlenden Design-Details verraten dabei gleichzeitig, dass die Entwicklung noch längst nicht abgeschlossen ist. Offen ist auch der Name: F 600 GS würde in der BMW-Nomenklatur passen, ebenso eine Wiederbelebung der Kürzel F 650 GS oder F 700 läge nahe. Der tatsächliche Hubraum wäre beim Namen jedenfalls kein Kriterium: F 800 und F 900 GS beispielsweise nutzen den gleichen Motor und entsprechend dessen Zylindervolumen.
BMW-Motorrad-CEO Markus Flasch: «Was Größeres»
Stichwort Hubraum: «Was Größeres» werde es für die neue Mittelklasse im Vergleich zur F 450 GS werden, ließ BMW-Motorrad-CEO Markus Flasch seinerzeit bei uns im Gespräch durchblicken – der Motor habe «noch Reserven». Das ist wenig konkret, doch ein Blick auf die aktuelle BMW-Modellpalette offenbart eine große Lücke zwischen 420 und 895 Kubikzentimetern Hubraum und auch ein Blick zu BMW-Partner TVS hilft. Die Inder produzieren die F450-Reihe im BMW-Auftrag, haben für die «Atlas» ihrer britischen Tochter Norton gerade ebenfalls eine aufgebohrte Version des Reihentwins zur Serienreife gebracht und damit gezeigt, welche Entwicklungsmöglichkeiten der Motor bietet. In der indobritischen Variante in Atlas und Atlas GT kommt das BMW-Triebwerk in stark überarbeiteter Form auf 585 Kubikzentimeter Hubraum und 70 PS.
Der Motor in BMWs Mittelklasse-GS unterscheidet sich auf unseren Fotos in mehreren Bereichen von jenem der Norton, andere weisen Parallelen auf. Das Innenleben wird sich sicherlich unterscheiden: Die Britin beispielsweise verwendet eine Kurbelwelle mit dem in dieser Klasse üblichen Zündversatz von 270 Grad, die BMW F450 GS setzt auf unorthodoxe 135 Grad Hubzapfenversatz. Der Hubraum bei BMW und Norton soll dem Vernehmen nach auf Augenhöhe liegen, die Nennleistung dürfte, abhängig von der finalen Auslegung des Triebwerks, ebenfalls vergleichbar sein: Zwischen 65 und 70 PS würde das für die Bayerin bedeuten und sie damit knapp unterhalb der Klassen-Referenz Yamaha Ténéré 700 einsortieren.
Bleibt zu guter Letzt die Frage nach dem Startdatum: Das Erprobungsmotorrad zeigt, dass BMW noch Entwicklungsarbeit vor sich hat bei der neuen Mittelklasse-GS. Vor 2028 ist also nicht mit einer Präsentation zu rechnen.
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