Jürgen Lingg (Intact GP) in Australien: «Senna wird wieder auf Sieg fahren»
Vor dem Australien-GP ist die WM-Situation in der Moto2 spannend wie in der Königsklasse. Und auch in der MotoGP-Vorstufe könnte am Sonntag der Teamkollege des WM-Leaders wieder ganz oben stehen.
Die Moto2-Saison 2026 entwickelt sich für die deutsche Intact-GP-Struktur von Stefan Keckeisen und Wolfgang Kuhn mit Teamchef Jürgen Lingg schnell zur erfolgreichsten Kampagne seit Bestehen des Projekts. Während die meisten Moto2-Piloten noch mit der Feinabstimmung beschäftigt waren, stürmte Vizeweltmeister Manuel Gonzalez mit Rennen 1 davon. Im Windschatten – Teamkollege Senna Agius. Nicht selten tauchten die Intact-Piloten gemeinsam an der Spitze auf. In Jerez, dem Maßstab in Sachen Fahrer-Motorrad-Performance, gelang der traumhafte Doppelsieg, wobei der Youngster vom anderen Ende der Welt den Sieg holte.
Bis zur Mitte des Jahres deutete viel auf Manuel Gonzalez als 2026er-Champion hin, zu beeindruckend und abgeklärt die Rennen des Madrilenen. Weniger konstant, aber mit vielen Höhepunkten gelang es Senna Agius sich als Kandidat für den Vize-Titel im Spiel zu halten – und sich zugleich in den Fokus der MotoGP-Teams zu fahren.
Die Geschichte ist bekannt: Während Gonzalez weiterhin Moto2 bei Intact GP fahren wird, griff Tech3-Boss Günther Steiner beim jüngeren Agius zu. In der WM-Tabelle hat sich das Bild verändert. Noch immer hält Manuel Gonzalez die Spitze. Doch der Vorsprung ist um den Faktor 10 geschrumpft. Dazu spricht der Trend Bände – Verfolger Izan Guevara gewann die drei letzten GP-Rennen in Serie.
Auch Senna Agius musste durch eine Senke. Nach mehreren unverschuldeten Ausfällen ging es in der WM-Tabelle zurück auf Position 6. Mehr als Endrang 3 ist nicht mehr zu schaffen.
Und jetzt der Australien-GP. Die Ausgangslage ist mehr als spannend. Als sicher gilt, dass der junge Australier im deutschen Team alle Möglichkeiten hat, seinen Heimsieg von 2025 zu wiederholen und damit den Lauf von Izan Guevara zu stoppen. Gleichzeitig würde Agius mit einem weiteren Triumph auch Gonzalez und damit der Mannschaft Punkte im Match um den möglichen ersten Moto2-Fahrertitel wegnehmen.
Teamchef Jürgen Lingg hat vor den letzten Rennen auf Phillip Island eine eigene Sicht. Lingg im Gespräch mit SPEEDWEEK.com: «Bei noch fünf ausstehenden Rennen werden im Team keine Positionen festlegen – sicher nicht. Senna hat hier sein Heimrennen und es selbst in der Hand. Er kann und wird auf Sieg fahren – und wenn er dabei Izan Guevara ein paar Punkte wegnimmt, dann ist das auch gut. Senna bewusst hinter Manu fahren zu, das kann hier keine Option sein.»
Trotz einem neuerlich starken Zeittraining von Izan Guevara hält der Teammanager alles für möglich. «Manche befürchteten, der Trubel um Senna würde ihn ablenken, aber das ist nicht der Fall. Es ist erstaunlich, wie er sich verhält. Ich sehe ihn eigentlich noch stärker als im Vorjahr.»
Und Manuel Gonzalez, der fünf Rennen vor Schluss nur noch 5,5 Punkte Vorsprung hat? Lingg: «Ich habe auch hier ein gutes Gefühl. Manu hat sich eigentlich in beiden Sessions nicht sehr wohlgefühlt, war aber schnell und insbesondere, was den Speed über viele Runden angeht, schon jetzt ganz nah dran. Für mich ein gutes Zeichen.»
Rennverläufe sind nicht planbar – und schon gar nicht auf der stürmischen Rennsportinsel Phillip Island –, aber wenn sich ein Intact-Wunschbild aus Sicht der Deutschen skizzieren lässt, dann beschert Youngster Agius den Fans auf Phillip Island den nächsten Heimsieg und Manuel Gonzalez rauft sich mit Izan Guevara und dem Rest der engen Moto2-Konkurrenz.
Die Ausgangslage vor dem Moto2-Qualifying am Samstag.
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