Tom Lüthi zuversichtlich: «Die Schweiz wird wieder GP-Fahrer hervorbringen»
Das Rundstreckenverbot ist Geschichte, Swissmoto investiert in den Nachwuchs. Tom Lüthi erklärt, warum die Schweiz bald wieder regelmäßig Grand-Prix-Piloten hervorbringen könnte.
In der Schweiz tut sich derzeit einiges im Straßenrennsport. Das aufgehobene Rundstreckenverbot und verstärkte Investitionen des Verbandes Swissmoto in die Nachwuchsarbeit nähren die Hoffnung, dass künftig wieder mehr Schweizer den Sprung in die Motorrad-WM schaffen. Moto2-Riding-Coach Tom Lüthi ordnet diese Entwicklung im Gespräch mit SPEEDWEEK.com ein.
Der Weltmeister von 2005 begrüßt zunächst die Abschaffung des jahrzehntelangen Rundstreckenverbots, das nach der Le-Mans-Katastrophe von 1955 eingeführt worden war. «Ich meine, die Sache mit der Aufhebung des Rundstreckenverbotes ist ein überfälliger Entscheid. Das Gesetz kam ja von anno 1955 mit dem Unfall beim Autorennen in Le Mans. Das ist natürlich nicht mehr zeitgemäß, denn heutzutage sind die Rennstrecken viel sicherer geworden. Das ist nicht mehr vergleichbar mit damals. Deshalb wurde es Zeit, dass dieses Gesetz gekippt wird und das Rundstreckenverbot aufgehoben wurde.»
Welche konkreten Auswirkungen die Gesetzesänderung haben wird, lässt sich aus seiner Sicht allerdings noch nicht abschätzen. «Jetzt ist das passiert, aber was das in naher Zukunft bedeutet beziehungsweise ob überhaupt etwas gemacht wird, ist schwierig zu sagen.»
Schub nach dem WM-Titel: Tom Lüthi motivierte seine Landsleute
Trotz fehlender eigener Rundstrecken hat die Schweiz immer wieder erfolgreiche Grand-Prix-Fahrer hervorgebracht. Lüthi erinnert dabei auch an die Entwicklung nach seinem eigenen WM-Titel. «Vor meinem Weltmeistertitel waren einige Jahre lang kaum erfolgreiche Schweizer Fahrer in der Weltmeisterschaft vertreten. Mit meinem Titel 2005 kam noch einmal ein Schub. Die Jungen haben gesehen, dass es möglich ist, aus der Schweiz bis in die Weltmeisterschaft zu kommen und dort Erfolg zu haben. Das hat viele motiviert.»
Nach einigen ruhigeren Jahren erkennt Lüthi nun erneut positive Signale. Besonders das Engagement von Swissmoto stimmt ihn optimistisch. «Seitens Swissmoto wird jetzt viel in Sachen Nachwuchsförderung gemacht. Es wurde einiges geändert, und das steht gerade erst am Anfang. Ich sehe da in Zukunft schon, dass wir wieder Schweizer im Grand-Prix-Sport sehen werden.»
Einer dieser Hoffnungsträger ist Alessio Arnold. Der 15-Jährige aus Reitnau startet nach seinem Vizetitel in der ESBK Talent 250 ccm inzwischen im Moto4 Europe Cup. Lüthi begleitet ihn als Coach und sportlicher Berater. Dennoch mahnt der frühere Moto2- und MotoGP-Pilot zur Geduld.
«Es ist sicherlich immer noch nicht einfach geworden. Einfach ist es ohnehin nicht, den Sprung in die Weltmeisterschaft zu schaffen – egal, aus welchem Land. Aber es gibt heute mehr Möglichkeiten als zu meiner Zeit. Es ist gut, dass Swissmoto dieses Thema angegangen ist. Ich sehe aber noch Potenzial, die Nachwuchsförderung weiter auszubauen.»
Talente müssen zeitig gefördert werden
Entscheidend sei, möglichst früh anzusetzen. «Um Talente bis in die Weltmeisterschaft zu bringen, muss man ganz vorne anfangen. Die Kinder müssen überhaupt erst die Chance haben, Motorradrennen zu fahren. Es braucht Nachwuchs- und sogar Kinderserien in der Schweiz, damit die Entwicklung Schritt für Schritt erfolgen kann.»
Als idealen Einstieg sieht Lüthi Mini-Bikes und die europäischen Nachwuchsprogramme. «Mini Bikes sind der richtige Weg. Es gibt in verschiedenen Ländern entsprechende Serien und mit der Road to MotoGP auch ein gutes Förderprogramm. Die Möglichkeiten sind vorhanden. Für Schweizer Fahrer ist der Aufwand allerdings groß, weil der Weg praktisch sofort ins Ausland führt.»
Aktuell führt aus seiner Sicht kaum ein Weg an Spanien vorbei. «Wenn wir den jetzigen Zeitpunkt betrachten, führt der Weg in die Weltmeisterschaft eigentlich über die FIM MotoJunior-WM und Spanien. Auch der Red Bull MotoGP Rookies Cup ist eine hervorragende Nachwuchsserie. Ich denke aber, dass es mit den Veränderungen ab 2028 oder 2029 vielleicht sogar mehrere Wege in die Weltmeisterschaft geben wird.»
So blickt Lüthi trotz der strukturellen Nachteile seines Heimatlandes optimistisch in die Zukunft. Mit den Reformen bei Swissmoto und Talenten wie Alessio Arnold sieht der 125er-Weltmeister gute Chancen, dass die Schweiz auch künftig wieder regelmäßig in der Motorrad-Weltmeisterschaft vertreten sein wird.
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