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Wenn die MotoGP an diesem Wochenende in Brünn gastiert, erinnert das auch an den Tag, als das letzte Mal eine 500er-Zweitaktmaschine startete. 2003 fuhr eine zehn Jahre alte Yamaha einige Runden mit.
Am 17. August 2003 rollte Chris Burns mit einer ROC-Yamaha an den Start des Grand Prix der Tschechischen Republik. Damals fiel es kaum auf, doch es sollte der letzte Auftritt einer 500-ccm-Zweitaktmaschine in der höchsten Klasse des Motorradsports werden. Mit der Saison 2002 hatte die MotoGP auf Viertaktmotoren bis 990 ccm umgestellt. Die alten Zweitakter durften übergangsweise weiter starten, verloren aber zusehends den Anschluss. In Brünn endete diese Phase vor 23 Jahren.
Dass eine zehn Jahre alte Maschine überhaupt an den Start eines MotoGP-Rennens kam, hatte einen Grund. Das Team WCM von Bob MacLean und Peter Clifford – zu Spitzenzeiten mit Simon Crafar, Regis Laconi und Garry McCoy ein Siegerteam – war beim Wechsel in die Viertakt-Ära 2002 leer ausgegangen. Yamaha konnte keinen M1-Motor liefern, der potente Sponsor Red Bull sprang ab und konzentrierte sich auf das Sponsoring von KTM in der 125er-Klasse.
Cliffords Ausweg war ein Eigenbau auf Basis der Yamaha R1, untergebracht in einem Harris-Chassis – die Parallelen zur Claiming-Rule, die fast 10 Jahre später eingeführt wurde, sind nicht abzustreiten. 2003 lief es anders: Die FIM stufte den Motor nach einem Protest aus dem Superbike-Lager als nicht regelkonform ein. Das Kurbelgehäuse und der Zylinderkopf stammten von einem Serienmodell, das Reglement verlangte aber ein eigenständiges Prototyp-Design. Beim Auftakt in Suzuka kam das Team deshalb gar nicht zum Fahren, beim folgenden Lauf in Südafrika wurde es disqualifiziert.
Der Rechtsweg führte über das Internationale Disziplinargericht bis vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS und endete im Juni 2003 mit einer Niederlage. Die Dorna bestand darauf, dass WCM laut Vertrag mit einem regelkonformen Motorrad antreten müsse. Der eigene Viertaktmotor war aber noch nicht fertig.
MacLean und Clifford griffen auf ihre alten 500er zurück. Eine war eine Yamaha mit einem Chassis des französischen Herstellers ROC, die andere eine Sabre V4, ebenfalls mit einem Yamaha-YZR500-Motor in einem selbst konstruierten Rahmen versehen. Mit diesem Material bestritt WCM 2003 die Grands Prix von Großbritannien, Deutschland und Tschechien. Zu diesem Zeitpunkt war die Basis der ROC-Yamaha schon über 10 Jahre alt.
In Brünn fiel der Schlusspunkt. Chris Burns ging auf der ROC-Yamaha an den Start, fiel nach neun Runden aber aus, sein Rückstand betrug zu diesem Zeitpunkt schon über eine Minute auf die Spitzengruppe. Sein Teamkollege David de Gea war mit der Sabre V4 gemeldet, nahm das Rennen aber nicht auf. Damit schrieb Chris Burns Geschichte als der letzte Fahrer, der ein Rennen der MotoGP auf einem 500er-Zweitakter startete. Den Sieg holte sich an jenem Tag Valentino Rossi vor Sete Gibernau und Troy Bayliss.
In den Brünn-Trainings verloren die 500er im Übrigen mehr als sechs Sekunden pro Runde. Man hätte die Konkurrenz ärgern können – beim Überrunden, wobei auch das schwierig geworden wäre. Ein Blick auf den Top-Speed verrät: Die Viertakter erreichten in Brünn Spitzengeschwindigkeiten von über 290 km/h, die Zweitakter waren 30 bis 40 km/h langsamer.
WCM blieb ein Hinterbänkler-Team. Beim Portugal-GP am 8. September 2003 entsprach der eigene Viertakter erstmals dem Reglement und kam zum Einsatz. Die Zweitakter waren nur noch in den unteren Klassen für einige Jahre zu hören, ehe auch dort auf Viertakter gesetzt und die Moto2 und Moto3 eingeführt wurden.
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