Ducati kopiert Aprilia – Marco Bezzecchi: «Gigi Dall'Igna ist ein Biest!»
Neue Ducati-Aeroelemente erinnern an Aprilias Lösung. Für Marco Bezzecchi ist das ein Kompliment an seinen Hersteller – und ein Zeichen für den Ehrgeiz von MotoGP-Technikchef Luigi Dall’Igna.
Über Jahre gab Ducati bei technischen Entwicklungen in der MotoGP die Richtung vor. Die Konkurrenz beobachtete genau, welche Ideen Luigi «Gigi» Dall’Igna und seine Ingenieure an die Desmosedici brachten. Beim Australien-Wochenende auf Phillip Island zeigte sich nun die umgekehrte Perspektive: Neue Aeroelemente an der Schwinge von Marc Marquez’ Werks-Desmosedici erinnern deutlich an eine Lösung von Aprilia.
Dass sich der zuletzt so erfolgreiche Hersteller beim Gegner orientiert, ist für Marco Bezzecchi kein Anlass für Spott. Der Aprilia-Werkspilot kennt Dall’Igna aus seiner Zeit als Ducati-Fahrer und weiß, welchen Stellenwert selbst kleine Verbesserungen für den Rennsportchef haben.
Bezzecchi lobt Dall'Ignas Arbeitsweise
«Ich habe die neuen Teile nicht gesehen. Aber Gigi ist ein Biest. Er ist richtig stark und ich bewundere ihn sehr. Die Zusammenarbeit mit ihm war richtig schön – zu sehen, wie viel Leidenschaft und wie viel Anstrengung er in jedes Detail steckt, um schneller zu sein», erklärte Bezzecchi gegenüber MotoGP.com.
Darin liegt eine der Stärken Dall’Ignas: Der Ingenieur, der Ducatis Entwicklung über Jahre mit eigenen Ideen prägte, verschließt sich auch Ansätzen der Konkurrenz nicht. Im Titelkampf zählt, ob ein Bauteil Fortschritte ermöglicht. Woher die ursprüngliche Inspiration stammt, ist dabei zweitrangig.
Für Aprilia ist die erkennbare Aufmerksamkeit des Gegners zugleich eine Bestätigung. Die RS-GP hat sich zu einem Motorrad entwickelt, das selbst für Ducati interessante technische Lösungen bietet. «Meistens orientierten wir uns an der Ducati, doch es ist wunderbar, diesen Austausch zu sehen», hielt Bezzecchi fest.
Auf der Strecke unterstrich Aprilia am Freitag die eigene Stärke. Bezzecchi führte das Zeittraining vor Raul Fernandez an. Hinter dem drittplatzierten Marc Marquez folgten mit Ai Ogura und WM-Leader Jorge Martin zwei weitere Aprilia-Piloten. Gerade auf dem schnellen Kurs von Phillip Island steht Ducati damit vor einer anspruchsvollen Aufgabe.
Marc Marquez: Blick über den Tellerrand ist wichtig
Marquez behielt die neuen Teile nach den ersten Versuchen an seiner Desmosedici. Einen konkreten Vorteil wollte er noch nicht benennen, sah aber eine Grundlage für die weitere Entwicklungsarbeit.
«Ich kann nicht viel dazu sagen. Ich habe sie am Motorrad gelassen, weil ich mich damit nicht schlechter fühlte. Wenn man neue Dinge probiert und sie nicht schlechter sind, dann bedeutet das, dass sie in Zukunft eine Verbesserung ermöglichen können. Wir müssen die Situation noch besser verstehen», erklärte der Ducati-Werkspilot.
Für den Titelverteidiger zählt außerdem, dass die Rennabteilung im WM-Endspurt weiter nachlegt. «Wichtig für mich ist, dass Ducati arbeitet und alles gibt. Wir haben noch fünf Rennen vor uns und sie bringen weiterhin neue Dinge, damit wir um die Meisterschaft kämpfen können», betonte Marquez.
Auch die Frage, ob sich Ducati als technischer Vorreiter überhaupt beim Gegner bedienen sollte, beantwortete der Spanier eindeutig. «Ein Ingenieur, ein Fahrer oder ein Mensch sollte nicht arrogant sein und ausschließlich eigene Ideen nutzen. Manchmal kann man von den anderen lernen, manchmal lernen die anderen von dir. Wichtig ist, dass man weiter wächst und sich und sein Team verbessert. Und das versuchen wir», erläuterte er. «Es ist ein Wettbewerb. Jeder schaut, was der andere macht. Das mache ich auch.»
Bezzecchis Reaktion zeigt, dass dieser technische Wettstreit die persönliche Wertschätzung nicht schmälert. Obwohl er inzwischen mit Aprilia gegen Ducati antritt, spricht er weiterhin mit großer Sympathie über seinen früheren technischen Chef. «Ich finde es toll, wie Gigi ist. Ich kenne ihn sehr gut. Er ist ein guter Kerl», sagte der Italiener.
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