Der sieglose «Texas Tornado»: Colin Edwards sollte nie gewinnen
Colin Edwards fuhr zwischen 2003 und 2014 in der MotoGP. Zwölf Podien holte er, aber nie einen Sieg. Er hatte Talent, aber erwischte ein falsches Timing – und die Timmerbocht-Schikane nicht richtig.
Als zweifacher Superbike-Weltmeister, dreifacher Sieger des 8-Stunden-Rennens von Suzuka gilt Colin Edwards als einer der unterhaltsamsten Charaktere, die das MotoGP-Paddock gesehen hat. Allerdings blieb der «Texas Tornado», der später von der Konkurrenz «laues Lüftchen» genannt wurde, sieglos. 20 Jahre nach dem bittersten Moment seiner Karriere ist es Zeit, auf die Karriere des US-Amerikaners zurückzublicken.
Yamaha-Chef Lin Jarvis zu Edwards: «Wir erwarten nicht, dass du gewinnst»
Colin Edwards stieg 2003 als zweifacher Superbike-Weltmeister in die MotoGP ein. Auf der erfolglosen Aprilia RS Cube folgte ein Jahr bei Gresini, in dem er aufhorchen ließ. Als er 2005 ins Yamaha-Werksteam an die Seite von Valentino Rossi wechselte, war er bereits 31 Jahre alt. Edwards erinnerte sich an die damalige Rollenverteilung, die Teamchef Lin Jarvis bei der Vertragsunterzeichnung mitteilte: «Wir erwarten nicht, dass du gewinnst. Wir haben unser Pferd – das ist Valentino. Wir brauchen Harmonie im Paddock. Du und er seid Freunde, und du übernimmst eine unterstützende Rolle», soll Jarvis laut Edwards damals gesagt haben.
Der US-Amerikaner akzeptierte die Bedingungen. «Ich wurde mit einer Menge Geld dafür bezahlt, das zu tun, was sie von mir wollten. Ich war hundertprozentig glücklich damit», sagte er rückblickend. Trotzdem räumte er ein, dass die mentale Komponente ihren Tribut forderte. «Wenn sie mir nicht diesen Kram in den Kopf gesetzt hätten, hätte ich besser abgeschnitten», ist er sich sicher. Er räumte aber auch ein: «Ich hatte meinen Zenit mit 28 Jahren. Als ich in die MotoGP kam, war ich bereits 31. Ich glaube, ich war über meinen Zenit hinaus.»
Schicksalstag in Assen: Zu 90 Prozent war sein Sieg sicher
Am 24. Juni 2006 war Edwards dem Sieg in der MotoGP am nächsten. Er führte von der ersten bis zur vorletzten Runde, nur Nicky Hayden (Honda) konnte das Tempo des Yamaha-Fahrers mitgehen. Zwei Runden vor Schluss drängte das «Kentucky Kid» den Texaner beim Angriff in die letzte Schikane auf die Auslaufzone, woraufhin Edwards eine Sekunde Rückstand hatte. Edwards biss sich auf die Zähne, überholte Hayden. Dann, wenige Meter vor der Ziellinie, geriet er auf das Gras, das Hinterrad brach weg und die Yamaha warf ihn ab.
Hayden durchquerte das Kiesbett, kehrte auf den Asphalt zurück und gewann das Rennen. Edwards schleppte sich als Dreizehnter ins Ziel. «Was soll ich sagen? Ich weiß, dass ich dieses Rennen hätte gewinnen sollen», seufzte er rückblickend. «Ich hätte in Assen 2006 und in Katar 2004 gewinnen sollen. Aber man muss das alles nehmen, wie es kommt.»
Die Jahre nach dem Yamaha-Werksteam – stiller Karriere-Ausklang
Die erhoffte zweite Chance kam nie. Nach dem Werkseinsatz wechselte Edwards 2008 zum Tech3-Team, er fuhr dort bis 2011 – und war in Malaysia unverschuldet in den tödlichen Unfall von Marco Simoncelli verwickelt, der das gesamte Paddock erschütterte. Die letzten Jahre verbrachte er auf CRT-Maschinen, ehe er seine Karriere 2014 in Indianapolis mit 40 Jahren beendete.
Zwölf MotoGP-Podestplätze in elf Jahren – kein einziger Sieg. Ob er etwas bereue? «Es war eine Höllenfahrt», sagte er. Bedauern klingt anders.
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