Jack Miller über 8h Suzuka: Warum weniger Abstimmung mehr Spaß bedeutet
Jack Miller stand bei den 8 Stunden von Suzuka bereits dreimal am Start. Der MotoGP-Routinier erklärt, warum ihn gerade die Kompromisse des Langstreckensports besonders reizen.
Jack Miller ist es gewohnt, sich auf unterschiedliche Motorräder einzustellen. Der Australier fuhr neben seiner langen Grand-Prix-Karriere unter anderem in der Australischen Superbike-Meisterschaft und bestritt sogar Motocross-Rennen. Bei den prestigeträchtigen 8 Stunden von Suzuka kommt jedoch eine besondere Herausforderung hinzu: Drei Fahrer müssen sich ein Motorrad teilen.
Miller bestritt den Langstreckenklassiker in Japan bislang dreimal. Sein Debüt gab er 2017 für das HARC-PRO-Honda-Team. In den vergangenen beiden Jahren kehrte er mit dem Yamaha-Werksteam nach Suzuka zurück und beendete das Rennen jeweils auf dem zweiten Platz.
Miller mit guter Anpassungsfähigkeit
Gerade die Notwendigkeit, beim Set-up Kompromisse einzugehen, gehört für Miller zum Reiz des Langstreckensports. Anders als in der MotoGP kann das Motorrad nicht vollständig auf die individuellen Vorlieben eines einzelnen Fahrers zugeschnitten werden. «Ich glaube, dass ich mich ziemlich gut an die Motorräder anderer Fahrer anpassen kann», erklärte Miller im Gespräch mit den Kollegen von «Crash.net». «Letztlich muss man in Suzuka gewissermaßen das Motorrad eines anderen fahren.»
Dabei müsse ein Fahrer akzeptieren, dass ihm bestimmte Eigenschaften gefallen, während das Motorrad in anderen Bereichen nicht seinen Vorstellungen entspricht. Entscheidend sei deshalb, sich auf die Stärken des gemeinsamen Set-ups einzustellen und das Beste daraus zu machen.
Für Miller liegt genau darin ein besonderer Reiz. «Man muss einfach auf das Motorrad steigen und fahren. Das macht irgendwie Spaß, weil dadurch dieses ganze Nachdenken wegfällt: Sollen wir dies oder jenes verändern?»
Statt ständig über die nächste Abstimmungsänderung nachzudenken, rückt für den fünfmaligen MotoGP-Sieger wieder stärker die eigene Leistung in den Mittelpunkt. «Man konzentriert sich einfach auf das Fahren und darauf, was man als Fahrer machen kann», beschrieb der Pramac-Yamaha-Pilot.
Für Miller bietet der Ausflug in die Langstrecken-WM damit auch einen Kontrast zum technisch hochkomplexen MotoGP-Alltag. «Es ist schön, einen Schritt zurückzumachen, ein Rennen aus einem anderen Blickwinkel anzugehen und einfach an dem zu arbeiten, was man selbst kontrollieren kann – und das ist im Grunde die Art, wie man das Motorrad fährt.»
Der Kurs in Suzuka begeistert Miller
Die diesjährige Ausgabe der 8 Stunden von Suzuka stellte Miller zusätzlich auf die Probe. Das Rennen fand unter schwierigen Bedingungen im Regen statt. Der Australier absolvierte zudem zwei Stints unmittelbar hintereinander. «Es war gut, aber schwierig», blickte Miller zurück. Acht Stunden unter diesen Bedingungen hätten sich entsprechend lang angefühlt, zumal er durch die aufeinanderfolgenden Stints viel Zeit auf der Yamaha R1 verbrachte.
Am Ende sprang gemeinsam mit Andrea Locatelli und Katsuyuki Nakasuga erneut Platz 2 heraus. Trotz der Strapazen genoss Miller seinen Einsatz in Japan. «Suzuka ist eine unglaubliche Veranstaltung», schwärmte der 31-Jährige. Besonders die japanischen Fans und die Organisation hinterließen bei ihm einmal mehr einen bleibenden Eindruck.
Auch die Strecke selbst begeistert Miller – zumindest mit einem Langstrecken-Motorrad. «Ich liebe es, in Suzuka Rennen zu fahren. Die Strecke ist phänomenal, besonders mit den Endurance-Bikes.»
Für die aktuellen MotoGP-Prototypen hält Miller den traditionsreichen Kurs dagegen für ungeeignet. «Versteht mich nicht falsch, ich denke, die Strecke ist für MotoGP-Bikes zu klein. Aber mit den Endurance-Motorrädern funktioniert es auf jeden Fall – und es macht sehr viel Spaß.»
Für Miller liegt ein Teil dieser Faszination gerade darin, auf technische Perfektion für den einzelnen Fahrer verzichten zu müssen: Statt das Motorrad ständig den eigenen Wünschen anzupassen, muss sich in Suzuka auch der Fahrer an das Motorrad anpassen.
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