Massive technische Änderungen für die MotoGP – und eine riesige Unbekannte
Ab der Saison 2027 sehen wir in der MotoGP nicht nur Motorräder mit reduziertem Hubraum und beschnittener Aerodynamik, sondern auch einen neuen Reifenausrüster. Dessen Einfluss ist gravierend.
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Seit 2012 werden in der MotoGP Viertaktmotoren mit 999 ccm eingesetzt. Mittlerweile leisten die Bikes bis zu 300 PS, sie wurden immer schneller, die Sturzräume auf vielen Rennstrecken blieben aber gleich. Deshalb soll die Klasse ab 2027 verlangsamt werden. Dann gilt: Der Hubraum wird von 1000 auf 850 ccm reduziert, das höhenverstellbare Fahrwerk verboten, die Aerodynamik stark beschnitten und Pirelli löst Michelin als Reifenalleinausrüster ab. Die Arbeiten der Hersteller für den großen technischen Umbruch sind bereits weit fortgeschritten.
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Einen gravierenden Einfluss auf die zukünftigen Motorräder haben die neuen Reifen. Während Ducati, Honda und Yamaha in der Superbike-WM seit vielen Jahren mit Pirelli arbeiten und über einen großen Erfahrungsschatz mit den italienischen Pneus verfügen, sind sie für KTM und Aprilia weitgehend Neuland. Sebastian Risse (KTM): «Erwarte die Situation weniger stabil» «Es wäre schön, wenn der Reifen konstant wäre», sagte Sebastian Risse, bei KTM in der MotoGP als Technischer Koordinator tätig, im Vieraugengespräch mit SPEEDWEEK.com. «In diesem Fall wird er aber nicht konstant sein. Das Bike kann den Reifen folgen oder der Reifen kann dem Bike folgen. Als wir damals in die MotoGP eingestiegen sind, war Michelin auf einer relativ stabilen Basis. Damit wurden schon im Jahr davor Rennen gefahren. Wir bekamen also Reifen, die sich für die jeweilige Strecke schon beweisen konnten oder auf Basis von den Erkenntnissen entstanden sind. Ich erwarte die Situation als weniger stabil als bei unserem Einstieg. Wir haben 2026 Zeit, um die Reifen kennenzulernen, um die Bikes und die Reifen zu entwickeln.»
Das erste Mal hatten die Testfahrer der fünf MotoGP-Hersteller Mitte September 2025, am Dienstag nach dem Misano-GP, Gelegenheit, die Pirelli-Reifen auszuprobieren; im Dezember begannen die Werksteams mit Privattests. Am Montag nach dem Brünn-GP (22. Juni) gibt es den ersten Pirelli-Test mit einem Stammfahrer pro Hersteller, zusätzlich darf jeder einen Testfahrer einsetzen. Am Montag nach dem Grand Prix auf dem Red Bull Ring (21. September) dürfen dann erstmals sämtliche Stammfahrer mit Gummis von Pirelli ausrücken. Der Valencia-Test am 1. Dezember wird mit den 2027er-Stammfahrern und auf Pirelli stattfinden.
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Mehr Leistung und weniger Gewicht als ein Superbike.davide tardozzi über die zukünftigen Motogp-bikes
Fahrer, die von der MotoGP- in die Superbike-WM gewechselt haben, oder deutlich seltener andersherum, betonten stets, wie grundverschieden die Reifen von Michelin und Pirelli wären. Das muss in Zukunft nicht unbedingt so sein. Davide Tardozzi traut Pirelli große Fortschritte zu «Ich bin mir sicher, dass die Fortschritte, die in den vergangenen eineinhalb Jahren in der Superbike-WM erzielt wurden, mit der Arbeit zu tun haben, die Pirelli für die MotoGP leistet», hielt Ducati-Lenovo-Teammanager Davide Tardozzi gegenüber SPEEDWEEK.com fest. «In der Vergangenheit haben die Pirelli-Reifen gegen Rennende abgebaut, das ist jetzt nicht mehr so. Das kommt daher, weil sie denken, dass sie das für die MotoGP brauchen. Denn auch wenn der Hubraum reduziert wird, werden die Motorräder mehr Leistung und weniger Gewicht als ein Superbike haben. Das bedeutet mehr Stress für die Reifen. Daran denkt Pirelli – und sie zeigen bereits, dass sie etwas unternehmen. In einigen Rennen 2025 waren Toprak Razgatlioglu und Nicolo Bulega 20 sec schneller als im Jahr davor – das kommt nicht vom Bike oder dem Fahrer, das sind die Reifen.»
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