Nadia Padovani (Gresini) entschied beim Begräbnis: «Wir machen weiter»
Nadia Padovani, Teamchefin der BK8 Gresini Racing MotoGP-Mannschaft, sprach über ihre schmerzhaftesten Momente der Team- und Familiengeschichte, die Marquez-Brüder und den Einstieg von Liberty Media.
Als Fausto Gresini 2021 an den Folgen einer Covid-Erkrankung verstarb, hätte Padovani alles verkaufen können. Viele rieten ihr dazu. Sie tat es nicht. «In der Firma arbeiteten rund 70 Personen. Das hätte bedeutet, 70 Familien nach Hause zu schicken. Das brachte ich nicht übers Herz.» Hinzu kam die emotionale Dimension: «Es war die Firma, die mein Mann mit Opfern aufgebaut hatte. Alles zu verkaufen, wäre gewesen, ihn komplett zu verlieren.»
Beim Begräbnis sagte sie einen Satz, dessen Tragweite sie selbst kaum erfasste: «Wir bleiben in der Box, und wir werden der Welt zeigen, was Gresini Racing ist.» Die Emotionen kochten in diesem Moment hoch. «Ich habe vielleicht damals übertrieben. Es war viel Wut dabei, weil man nicht an einem Virus sterben darf.»
Kato und Simoncelli: Als Fausto Gresini alles hinwerfen wollte
Auf die Frage nach den prägendsten Fahrern in der bald 30-jährigen Teamgeschichte fiel der erste Name sofort: Daijiro Kato, 250er-Weltmesiter 2001 für Gresini, der 2003 beim MotoGP-Auftaktrennen in Suzuka tödlich verunglückte. «Er war ein Phänomen, ein unglaubliches Talent», erinnerte sich Padovani. Was sie an den Japaner faszinierte, war die Kombination aus dessen Begabung und seiner Lockerheit: «Er kam in die Box, setzte sich hin, entspannte sich und schlief ein.» Sein Tod war für Fausto Gresini der erste große Schicksalsschlag im Paddock.
Acht Jahre später folgte das zweite Trauma für Gresini, als Marco Simoncelli in Sepang tödlich verunglückte. «Wenn dich der erste Schlag noch aufstehen lässt, beim zweiten fällt es viel schwerer.» Fausto kehrte aus Malaysia zurück und schloss sich im Schlafzimmer ein, wollte niemanden mehr sehen. «Er sagte mir immer wieder, er wolle aufhören, seine Jungs nicht mehr fahren lassen, um keinen mehr auf der Strecke umzubringen.»
Nadia Padovani war es, die ihren Mann mit der harten Wahrheit zurück ins Leben holte: «Ich sagte zu ihm, dass er aufhören und alles schließen kann. Aber es würde immer Jungs geben, die diesen Sport machen, weil es ihre Leidenschaft ist. Sie würden nicht mehr für ihn, sondern für jemand anderen fahren. Jeder Pilot weiß, dass man auf der Strecke ein Risiko eingeht, aber in diesem Moment denken sie nicht daran.» Erst nach diesem Gespräch reagierte Fausto wieder und führte das Team weiter. «Man kann an der Sicherheit arbeiten, Ratschläge geben und vieles tun, damit solche Dinge nicht mehr passieren.»
Die Wachstumsmotoren der MotoGP: Marquez-Brüder und Liberty Media
Eine goldene Ära schlug man mit der Verpflichtung von Marc Marquez ein, was für das Team ein historischer Moment war. «Schon beim ersten Test in Valencia 2023 sahen wir, mit welcher Professionalität er in die Box kam und Rückmeldungen hab.» Auch für Bruder Alex sei die Zeit prägend gewesen: «Alex spürte den Druck und versuchte zunächst, Marc nachzuahmen – das funktionierte nicht. Wir mussten ihn stoppen und sagen, er solle das Motorrad nach seinem Stil fahren. Erst dann fand er seinen Weg.» Mit Erfolg, denn 2025 wurde Alex Marquez Vizeweltmeister, und auch Rookie Aldeguer wusste zu beeindrucken.
Den Einstieg von Liberty Media in die MotoGP sieht die Teamchefin positiv: «Hoffentlich erhalten wir eine ähnliche Sichtbarkeit wie die Formel 1. Vielleicht entsteht auch ein Film über uns. Das wird Investoren und multinationale Unternehmen anziehen.» Für die laufende Saison blieb Padovani vorsichtig: «Ich möchte mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben und hoffe, mit meinen Fahrern unter den Top-5 der Weltmeisterschaft zu landen.»
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