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Der Pass als Fluch oder Segen: Für spanische WM-Piloten wird es heikler

Unter Promoter Dorna hat sich Spanien zur Nummer-1-Nation im Straßenrennsport entwickelt. Mit neuem Vermarkter Liberty Media aus den USA werden für die MotoGP-WM andere Prioritäten gesetzt.

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Ein Stück weit ist es selbsterklärend, dass so viele herausragende Rennfahrer aus Spanien kommen. Das Wetter in Südeuropa ist besser als in Mitteleuropa oder im Norden, dazu gibt es in Spanien viele Rennstrecken sowie Teams und einen starken Rückhalt in der Bevölkerung und bei Firmen, die bereit sind, in Fahrer sowie den Sport zu investieren.

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Die Voraussetzungen in Italien sind ähnlich. Doch ohne die VR46-Academy, von Valentino Rossi ins Leben gerufen, sähe es wesentlich düsterer aus.

Denn was über die Jahre immer mehr zutage trat, ist die Tatsache, dass Promoter Dorna, seit 1993 Rechteinhaber für die MotoGP- und seit Herbst 2012 auch für die Superbike-WM, viel Augenmerk auf spanische Rennfahrer legte.

Doch die Zeiten haben sich geändert – 2025 übernahm Liberty Media die Dorna. Der US-Konzern will sich internationaler aufstellen, mit der MotoGP neue Märkte erobern und damit für ordentlich Wachstum sorgen. Das geht nur mit Fahrern aus zahlreichen Ländern, einem breit gefächerten Kalender und daraus resultierendem Interesse von TV-Anstalten und Sponsoren.

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Unter kolumbianischer Flagge

David Alonso, der Moto3-Weltmeister von 2024, ist in der spanischen Hauptstadt Madrid geboren, fährt aber wegen der Herkunft seiner Mutter – und vor allem, um sich abzuheben – unter kolumbianischer Flagge.

Für manche Spanier ist der Pass längst zum Fluch geworden, weil für einige Hersteller und Teams die Herkunft inzwischen ähnlich wichtig ist wie die Rundenzeit. Ein Australier, Türke, Indonesier, Malaysier oder US-Amerikaner zählt mehr, weil er sich besser vermarkten lässt als der 27. Spanier. Deutsche, österreichische und Schweizer Fahrer profitieren hingegen nicht von diesem Umstand, da es in diesen Ländern seit Jahren – auch politisch forciert – schrumpfenden Rückhalt für den Motorsport gibt.

Deutsche, österreichische und Schweizer Fahrer profitieren nicht davon.

SPEEDWEEK.com-Chefredakteur Ivo Schützbach

Die MotoGP rekrutiert ihre Fahrer bis auf seltene Ausnahmen wie Superbike-Champion Toprak Razgatlioglu aus der Moto2-WM. In dieser liegen mit Manuel Gonzalez, Izan Guevara und Daniel Holgado nach den ersten drei Grands Prix des Jahres drei Spanier an der Spitze. Dann folgen VR46-Zögling Celestino Vietti aus Italien, mit David Munoz ein weiterer Spanier, der Australier Senna Agius und der «Kolumbianer» Alonso.

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Moto2-Titel ist keine Garantie

Egal, wie die Weltmeisterschaft 2026 ausgeht, der Titel garantiert einem Spanier längst nicht mehr den Aufstieg in die MotoGP. Manuel Gonzalez aus dem deutschen Intact-Team führte die Wertung im Vorjahr lange an, dennoch konnte ihn sein Manager für dieses Jahr nicht in die höchste Klasse hieven. Razgatlioglu aus der Türkei und der spätere Moto2-Champion Diogo Moreira aus Brasilien hatten in den Verhandlungen bessere Karten und tragen jetzt zur Nationenvielfalt auf dem Grid bei.

Wer in der MotoGP Erfolg haben will, muss über herausragende Fähigkeiten verfügen. Ein aus Marketinggründen passender Pass verleiht einem diese nicht, wie wir am Malaysier Hafizh Syahrin oder dem Thailänder Somkiat Chantra gesehen haben. Und diese beiden haben es in der Moto2-WM immerhin mehrfach aufs Podium geschafft.

In der 22 Mann starken MotoGP-Startaufstellung 2026 stehen neun Fahrer aus Spanien und sechs aus Italien. Die Schnellsten werden sich durchsetzen, egal welchen Pass sie haben. Aber wann immer es gleichwertige Fahrer gibt, und die Hersteller sowie Liberty eine Wahlmöglichkeit haben, ist der spanische Pass kein Vorteil mehr.

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