Trackhouse schwärmt von Aprilia: «Wir sind kein Kunde, sondern ein Partner»
Trackhouse feiert reihenweise Erfolge und ist weiterhin ein WM-Anwärter. Teameigentümer Justin Marks sieht darin auch das Ergebnis der engen Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen von Aprilia.
Der Sieg von Raul Fernandez beim zurückliegenden MotoGP-Rennen in Silverstone war für Trackhouse ein weiterer Beleg für die starke Entwicklung des Teams. Teameigentümer Justin Marks sieht einen wichtigen Faktor für die Fortschritte in der engen Zusammenarbeit mit Aprilia. Dabei betont der US-Amerikaner, dass Trackhouse nicht als klassisches Kundenteam behandelt werden möchte.
Diese Vorstellung habe Marks bereits bei den allerersten Gesprächen mit Aprilia-Rennchef Massimo Rivola deutlich gemacht. «Die Beziehung zu Aprilia ist wirklich gut. Als ich dieses Team gegründet habe und zu Massimo gegangen bin, habe ich ihm schon bei unserem allerersten Gespräch erklärt, welche Art von Beziehung ich möchte», berichtete Marks in Silverstone.
Für ihn stand von Beginn an fest, dass die traditionelle Trennung zwischen Werks- und Satellitenteam möglichst keine Rolle spielen sollte. «Ich sagte ihm: Ich möchte nicht, dass wir in den Kategorien Werksteam und Satellitenteam denken. Ich möchte zwei Teams, die wie Teamkollegen zusammenarbeiten, um für Aprilia bei jedem Rennen vier Motorräder in die Top-4 zu bringen.»
Dazu gehört für Marks auch, dass beide Mannschaften technisch möglichst eng zusammenarbeiten. «Das bedeutet, dass wir das gleiche Material haben, dass die Ingenieure miteinander kommunizieren und dass es kommerzielle Unterstützung gibt – all diese Dinge.»
Rivola und Marks hatten die gleiche Vision
Bei Rivola und Aprilia stieß Marks mit dieser Philosophie auf offene Ohren. «Glücklicherweise passte das zu Massimos Denkweise und zur Denkweise von Aprilia. Sie haben verstanden, was wir erreichen wollten. Sie haben verstanden, dass dies eine Partnerschaft ist, in der wir kein Kunde sind, sondern ein Partner für den gemeinsamen Erfolg.»
Marks ist überzeugt, dass diese Zusammenarbeit einen wesentlichen Anteil daran hat, dass Trackhouse inzwischen Rennen gewinnen und auf Augenhöhe mit dem Aprilia-Werksteam kämpfen kann. Das Verhältnis sei trotz der sportlichen Konkurrenz weiterhin ausgezeichnet.
«Nach Rennen wie heute legen die Aprilia-Leute den Arm um unsere Jungs», schilderte Marks nach Fernandez' Triumph. Gleichzeitig weiß er, dass sich die Situation verändern könnte, falls beide Teams beim Saisonfinale direkt um den WM-Titel kämpfen sollten.
«Wenn wir nach Valencia kommen und gegen Marco oder Jorge um die Weltmeisterschaft kämpfen, weiß ich nicht, wie es dann aussieht», räumte der Trackhouse-Chef mit Blick auf Marco Bezzecchi und Jorge Martin ein. Am grundsätzlichen Verhältnis soll das jedoch nichts ändern: «Auf der Rennstrecke sind wir Konkurrenten, abseits der Rennstrecke sind wir Partner.»
Dass Trackhouse inzwischen regelmäßig vorne auftaucht, ist für Marks keine kurzfristige Entwicklung. Bereits beim Einstieg in die MotoGP habe man klare Prinzipien verfolgt. Im Mittelpunkt stand der Aufbau einer Mannschaft, in der Mitarbeiter und Fahrer die Voraussetzungen erhalten, um ihr Potenzial auszuschöpfen.
«Wir wollten eine Kultur im Team schaffen und allen die Werkzeuge geben, die sie für den Erfolg benötigen», erklärte Marks. Dazu gehöre auch die Überzeugung, trotz des Status als Satellitenteam konkurrenzfähig sein zu können: «Ja, wir sind kein Werksteam. Aber wir haben eine großartige Beziehung zu Aprilia und großartige Fahrer.»
Besonders wichtig sei dabei die Geduld gewesen. «Es braucht Zeit. Dieser Sport ist unglaublich schwierig und der professionelle Motorsport extrem unberechenbar. Jetzt an einem Punkt zu sein, an dem wir auf diese Weise gewinnen können, sieht vielleicht so aus, als wäre es einfach passiert. Aber die Arbeit daran begann vor zweieinhalb Jahren.»
Erfolg wird nicht in Ergebnissen gemessen
Der aktuelle Erfolg sei deshalb lediglich das sichtbarste Ergebnis einer langfristigen Entwicklung. «Das ist nur die Spitze des Eisbergs», betonte Marks. «Wir sind sehr bewusst und geschlossen an den Rennsport herangegangen. Unser Ansatz ist sehr stark auf das Team ausgerichtet.»
Konkrete Vorgaben wie Siege oder eine bestimmte WM-Platzierung macht Marks seiner Mannschaft deshalb nicht. Stattdessen verwendet Trackhouse intern einen anderen Maßstab. «Wir sprechen darüber, relevant zu sein», erklärte der Teameigentümer. «Es gibt beim Gewinnen einfach zu viele Variablen, die man nicht kontrollieren kann. Deshalb definieren wir unsere Ziele und Kennzahlen normalerweise nicht über Weltmeisterschaften oder Siege.»
Entscheidender sei die Qualität der eigenen Arbeit. Die Resultate sollen daraus folgen. Nach dem bisherigen Saisonverlauf fällt Marks' Zwischenbilanz entsprechend positiv aus: «Erfolg bedeutet, weiter zu lernen und immer mehr Vertrauen darin zu gewinnen, welche Rolle wir in diesem Sport spielen können.»
Nach dem Silverstone-Sieg sieht er Trackhouse auf dem richtigen Weg: «Wenn die Saison heute enden würde, wäre sie bereits ein riesiger Erfolg.»
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