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Worin liegt der Sinn der Superbike-WM? Yamaha widerspricht Ducati und BMW

Aufgrund der Dominanz der neuen Ducati V4R ist eine heftige Diskussion um die zukünftigen technischen Regeln in der Superbike-WM entbrannt. Yamaha-Rennchef Andrea Dosoli im exklusiven Interview.

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Ducati ist mit der neuen Panigale V4R ein technisches Meisterstück gelungen: Aruba-Werksfahrer Nicolo Bulega hat alle bislang 21 Läufe des Jahres gewonnen, saisonübergreifend sogar 25! 18 Mal sorgte Teamkollege Iker Lecuona für den Doppelsieg. Von 63 Podestplätzen gingen lediglich sieben nicht an Ducati: Vier eroberte BMW-Werksfahrer Miguel Oliveira, zwei holte Axel Bassani und einen Alex Lowes, beide auf einer Bimota.

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Die Überlegenheit von Ducati ist derart übermächtig, dass das aktuelle Balance-Reglement nicht mehr ausreicht und die Hersteller deshalb hinter den Kulissen über zukünftige, andere Stellschrauben diskutieren.

Dosoli: «Der Sport sollte dem Markt folgen»

«Wir sind nicht mehr in einer Situation, in der ein Hersteller ein spezielles Motorrad für die Superbike-WM entwickeln kann, weil sich der Markt so schnell verändert», sagte Yamaha-Rennchef Andrea Dosoli im exklusiven Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Heute bauen einige Hersteller zwei Modelle: Eins für die Straße und eins für die Superbike-WM. In meinen Augen sollte es genau andersherum sein: Die technischen Regeln der Superbike-WM sollten den Entwicklungen des Markts folgen. Wir müssen uns den Markt genau anschauen und uns überlegen, wohin er sich entwickelt. Und dafür passend müssen wir die zukünftigen technischen Regeln entwickeln. Sind die Hersteller gezwungen, ein spezielles Motorrad für die WM zu bauen, dann schlagen wir den falschen Weg ein und bewegen uns mehr in Richtung MotoGP

Dann schlagen wir den falschen Weg ein und bewegen uns mehr in Richtung MotoGP.

andrea dosoli

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Von aktuell sechs Werken in der Superbike-WM – Bimota, BMW, Ducati, Honda, Kawasaki und Yamaha – sind nur Ducati, Honda und Yamaha auch in der MotoGP dabei, entsprechend unterschiedlich sind die Ansichten und Herangehensweisen. In Schwarz und Weiß lässt sich das aber nicht trennen, da Ducati trotz MotoGP-Teilnahme die gleiche Meinung wie BMW und nichts dagegen hat, mit technisch sehr ausgereiften und teuren Superbike-Sondermodellen anzutreten.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, ob die Superbike-WM weiterhin eine Plattform sein soll, in der Technologie entwickelt werden kann. Beispielsweise für BMW ist es sehr wichtig die Meisterschaft dafür nutzen zu können, etwa bei der Elektronik, weil das ein schlagkräftiges Argument ist, um die Zustimmung des Vorstands für das Thema Motorsport zu erhalten.

Langwierige und teure Entwicklungskosten

«Mit den heutigen Abgasnormen wie Euro5+ und so weiter lässt sich fast nichts mehr, was wir im Rennsport lernen, in ein Serienprodukt transferieren», hält Dosoli dagegen. «Wenn diese Geschichte, diese Rechtfertigung für Investitionen, wahr wäre, dann hätten wir zum Beispiel viel mehr Entwicklungen an der Kawasaki ZX-10 sehen müssen. Aber die Realität sieht so aus, dass dieses Motorrad seit 15 Jahren gleich ist. Wir sollten vermeiden, diese falsche Einschätzung vorzunehmen. Manchmal tun wir das aber, weil die Repräsentanten der Hersteller in der Kommission Ingenieure sind. Sie lieben es zu entwickeln und diese Geschichte zu erzählen. Wir sollten mehr Leute aus dem Verkauf und Marketing einbinden, Mitarbeiter mit einem viel breiteren Blick für die Firma. Sie haben ein deutlich tieferes Verständnis für die Gründe, weshalb wir Rennen fahren; was Rennsport für uns bedeutet und weshalb wir Millionen für ihn ausgeben.»

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Ich bezweifle, dass es einen Nutzen für die Serienproduktion hat.

andrea dosoli

«Ich verstehe BMW, weil sie nicht in der MotoGP sind», so Dosoli. «Mit Kawasaki tue ich mir schwer, von ihnen hätten wir viel mehr Evolutionen sehen müssen. Ein neues Modell zu entwickeln, oder neue Technologien in ein existierendes Modell für den Straßengebrauch zu implementieren, erfordert enormen Einsatz, Zeit und Entwicklungskosten. Weil alles immer im Einklang mit den Vorschriften für den öffentlichen Verkehr sein muss. Ich bezweifle deshalb, dass auf dieser Plattform etwas entwickelt werden kann, das einen Nutzen für die Serienproduktion hat – auch wenn es Ausnahmen geben mag. In der Vergangenheit war das anders.»

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