Erteilt Valentino Rossi seinen Segen? Bulega würde Geld auf sich wetten
Während Nicolo Bulega in Aragon bei der Superbike-WM antritt, wird in Mugello über seine Zukunft entschieden. Geht es nach Ducati, wechselt der 26-jährige Italiener für 2027 in die MotoGP.
Die meisten Würfel für 2027 und 2028 sind bei Ducati gefallen: Marc Marquez, vorbehaltlich seinem Rücktritt nach dieser Saison, und Pedro Acosta bilden das Lenovo-Werksteam. Gresini wird mit Joan Mir als Teamleader antreten und hat ein Auge auf Moto2-Talent Daniel Holgado (21) geworfen.
Fest steht auch: Fermin Aldeguer wird von Ducati von Gresini zum VR46-Team von Valentino Rossi transferiert. Und der WM-Dritte Fabio Di Giannantonio wird das Team verlassen und gemeinsam mit Alex Marquez bei Red Bull KTM andocken.
Der zweite Platz neben Aldeguer bei VR46 für 2027 und 2028 ist noch unbesetzt, denn Franco Morbidellis Zeit dort läuft ab. Drei Fahrer zieht VR46 für seine Nachfolge in Betracht: Academy-Mitglied Celestino Vietti, vor seinem Heimrennen in Mugello Dritter der Moto2-WM, Superbike-WM-Leader Nicolo Bulega und Rossis Halbbruder Luca Marini, der seinen Platz im Honda-Werksteam nach dieser Saison verlieren wird.
Bulega ist in der Superbike-WM saisonübergreifend seit 19 Rennen (!) ungeschlagen und führt die Gesamtwertung nach fünf Events mit erstaunlichen 95 Punkten Vorsprung auf seinen Aruba-Teamkollegen Iker Lecuona souverän an. Die Verantwortlichen bei Ducati sind sich einig, dass Nicolo den MotoGP-Aufstieg verdient hat und unter sämtlichen Kandidaten für den VR46-Platz der geeignetste ist.
Bei Testfahrten mit der neuen MotoGP-Ducati mit 850 ccm hat er in Misano herausragende Leistungen gezeigt und Testfahrer der anderen Hersteller wie Dani Pedrosa (KTM), Augusto Fernandez (Yamaha) oder Lorenzo Savadori (Aprilia) bei 62 Grad Celsius Asphalttemperatur um 1 bis 2 sec deklassiert. Bulega verfügt über viel Erfahrung mit den Pirelli-Reifen, was ebenfalls für ihn spricht, denn ab 2027 kommen in der Premier-Class die Reifen aus Mailand zum Einsatz.
«Ich fühle, dass ich diese Chance verdient habe», unterstrich Bulega beim Treffen mit SPEEDWEEK.com am Donnerstagnachmittag in Aragon. «Vor zweieinhalb Jahren gab ich mein Superbike-Debüt und habe seither viele Rennen gewonnen. Ich habe gezeigt, dass ich ein großartiger Superbike-Fahrer bin, offensichtlich mit einem super Team und einem sehr guten Motorrad. Deshalb würde ich den Schritt in die MotoGP gerne wagen, es ist der perfekte Zeitpunkt dafür mit den kommenden neuen Regeln. Außerdem fühle ich mich viel bereiter für dieses Fahrerlager, als das noch vor ein paar Jahren der Fall war.»
Bulega, Vietti oder Marini?
«Ich weiß aber auch, dass sie im Team VR46 viele verschiedene Dinge berücksichtigen müssen», ergänzte der Supersport-Champion von 2023. «Celestino Vietti ist ein Academy-Fahrer und leistet in der Moto2 sehr gute Arbeit. Es ist normal, dass sie auch ihn in Betracht ziehen, weil sie ihre Academy-Fahrer in die MotoGP bringen möchten. Womöglich wäre er der Letzte, mit dem das gelingt. Aber vielleicht bin ich eher bereit für das große Motorrad, weil ich über Superbike-Erfahrung verfüge. Ich kenne das Big-Bike, dazu die Pirelli-Reifen und die Elektronik und bin die viel höhere Leistung gewöhnt. Allein wegen der Regeländerungen halte ich es für sinnvoller, Geld auf mich zu setzen.»
Bulega befürchtet nicht, dass Teameigentümer Valentino Rossi seinem Halbbruder Luca Marini den Vorzug gibt? «Ich stecke nicht in seinem Kopf und weiß nicht, was Valentino denkt», schmunzelte Nico. «Ich kann nur von mir reden. Wir reden viel mit Ducati und Ducati setzt sich sehr für mich ein, was ich sehr zu schätzen weiß. Wir müssen sehen, das letzte Wort hat Vale, er wird sich bald entscheiden. Er schickt mir regelmäßig Nachrichten und gratuliert immer, wenn ich ein Rennen gewinne. Und ich frage ihn immer, ob ich samstags auf die Ranch zum Training kann. Wir treffen uns auch manchmal zum Abendessen, wir haben eine sehr gute Beziehung.»
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