Synergien bei Ducati: Superbike-WM-Daten beschleunigen MotoGP-Entwicklung
In der Saison 2027 wechselt die MotoGP auf Pirelli-Reifen. Ducati verschafft sich dabei einen wertvollen Vorsprung – dank der langjährigen Erfahrung der Superbike-Abteilung.
Mit dem Wechsel von Michelin zu Pirelli steht der MotoGP 2027 eine der größten technischen Veränderungen der vergangenen Jahre bevor. Für Ducati könnte dieser Umbruch jedoch weniger einschneidend ausfallen als für die Konkurrenz. Denn die Italiener verfügen durch ihr langjähriges Engagement in der Superbike-WM über einen enormen Erfahrungsschatz mit den Reifen des italienischen Herstellers.
Seit 2004 ist Pirelli Einheitsausrüster der seriennahen Weltmeisterschaft. Ducati sammelte in dieser Zeit unzählige Daten und entwickelte seine Motorräder kontinuierlich mit den italienischen Pneus weiter. Dieses Wissen fließt nun direkt in die Entwicklung der neuen 850-cm³-MotoGP-Maschine für 2027 ein.
Engerer Austausch der MotoGP- und Superbike-Ingenieure
«Ja, auf jeden Fall», bestätigte Ducati-Technikkoordinator Marco Zambenedetti im exklusiven Gespräch mit SPEEDWEEK.com auf die Frage, ob sich der Austausch zwischen der Superbike- und MotoGP-Abteilung zuletzt intensiviert habe. «Wir arbeiten sehr eng zusammen. Innerhalb von Ducati Corse gibt es Ingenieure, die sich mit der Analyse der Reifendaten beschäftigen. Ich selbst verfolge beide Meisterschaften.»
Bereits zu Beginn der laufenden Saison begann Ducati damit, das über Jahre aufgebaute Know-how an die MotoGP-Abteilung weiterzugeben. «Wir haben damit begonnen, so viele unserer Erfahrungen wie möglich an sie weiterzugeben», erklärte Zambenedetti. «Inzwischen verfügen sie über genügend Informationen. Jetzt geht es vor allem darum, die Pirelli-Reifen kennenzulernen, die für die MotoGP entwickelt werden.»
Der Erfahrungsschatz ist wertvoll, lässt sich aber nicht eins zu eins übertragen. Denn die für die MotoGP entwickelten Pirelli-Reifen unterscheiden sich von den Pneus der Superbike-WM. «Natürlich sind das nicht exakt dieselben Reifen, die wir hier verwenden», stellte der Italiener klar.
Beide Ducati-Projekte profitieren voneinander
Während die MotoGP-Ingenieure von den Superbike-Erkenntnissen profitieren, läuft der Wissenstransfer gleichzeitig auch in die andere Richtung. Denn ab 2027 erhält die Superbike-WM mit Michelin ebenfalls einen neuen Einheitsausrüster. «Gleichzeitig machen wir genau das Gegenteil mit Michelin», verriet Zambenedetti. Die Superbike-Abteilung sammelt also bereits Informationen aus der MotoGP, um sich möglichst früh auf den Reifenwechsel vorzubereiten.
Für Ducati ist dieser doppelte Wissenstransfer ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Während Hersteller wie Aprilia und KTM mangels eines aktuellen Superbike-WM-Projekts keine vergleichbaren Pirelli-Erfahrungen aus einer Weltmeisterschaft vorweisen können, kann Ducati auf mehr als zwei Jahrzehnte Entwicklungsarbeit mit den italienischen Reifen zurückgreifen.
Die ersten Erkenntnisse mit dem neuen 850-cm³-Prototyp sammelten die Stammfahrer bereits Mitte Juni beim Test in Brünn nach dem Grand Prix von Tschechien. Ein weiterer wichtiger Testeinsatz ist für September in Spielberg geplant, wenn die Vorbereitung auf die neue MotoGP-Ära weiter Fahrt aufnimmt.
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