Eine Rennstrecke im Nirgendwo: Was die Superbike-WM in ‹The Bend› erwartet
Noch einmal gastiert die Superbike-WM auf dem Phillip Island Circuit, ab 2028 ist ‹The Bend› die Heimat der seriennahen Weltmeisterschaft in Australien. Was man über die Rennstrecke wissen muss.
Die Nachricht, dass Phillip Island ab 2028 nicht mehr im Kalender der Superbike-WM sein wird und stattdessen in The Bend gefahren wird, war für viele Fans eine Überraschung. Der Vertrag mit The Bend wurde für fünf Jahre geschlossen.
Der offiziell bezeichnete ‹Shell V-Power Motorsport Park› wurde auf dem Areal einer früheren Teststrecke von Mitsubishi 100 km südöstlich von Adelaide gebaut. Nach einer Bauzeit von drei Jahren wurde die Anlage 2018 eröffnet. Die australische Superbike-Serie gastiert seit dem ersten Jahr in The Bend.
Die Strecke bietet insgesamt acht verschiedene Layouts. Der «International Circuit» hat eine für die Superbike-WM passende Länge von 4,95 km mit 85 Metern Höhenunterschied. Die längste Variante misst 7,77 km, die kürzeste 3,41 km. Gefahren wird im Uhrzeigersinn. Die Sicherheit ist kein Problem: The Bend hat eine Grade-A-Homologation des Motorrad-Weltverbands FIM, die zur Ausrichtung der MotoGP befähigt.
Die Strecke liegt in der Mitte von Nirgendwo.Tayla Relph
Gemeinsamkeiten mit Phillip Island sucht man vergeblich – die Streckenführung orientiert sich an internationalen Pisten, sagt Tayla Relph. Die 29-Jährige arbeitet als Pressebetreuerin am Phillip Island Grand Prix Circuit, sie ist aber auch eine hervorragende Motorradfahrerin und nimmt an der Frauen-WM teil. The Bend kennt die Australierin bestens, dort findet ihre gesamte WM-Vorbereitung mit der Yamaha R7 statt.
«Die Strecke liegt in der Mitte von Nirgendwo», lachte Tayla. «Noch mehr als Phillip Island. Wenn du dorthin fährst, dann bist du dir lange sicher, dass es sicher keine Rennstrecke gibt. Und dann siehst du plötzlich dieses riesige Gebäude und die gewaltige Infrastruktur drumherum. Die Unterkünfte sind ein Problem, es ist aber nicht anders als in Cremona, wo viele 30 Minuten oder länger fahren müssen. Es ist nicht unmöglich, andere Pisten in Europa haben die gleichen Voraussetzungen. Ich persönlich liebe The Bend, die Strecke macht Spaß und ist technisch sehr anspruchsvoll. Von allen Rennstrecken in Australien ist The Bend einem ordentlichen Circuit in Europa am ähnlichsten. The Bend erinnert mich etwas an Portimão, auch wenn die Strecke nicht ganz so extrem ist. Dort wird viel Rennspektakel geboten, für die Fans gibt es Tribünen. Das ist eine große Strecke mit 18 Kurven.»
Relph plädiert dafür, The Bend eine Chance zu geben. «Wann immer eine neue Strecke in den WM-Kalender kommt, sind die Leute skeptisch und es dauert ein paar Jahre», hielt Relph fest. «Ich weiß nicht, wie viele Zuschauer kommen werden, aber ich gehe davon aus, dass es mehr sein werden, weil es etwas Neues ist. Jeder liebt es, nach Phillip Island zu kommen, die Leute kommen auch wegen der Landschaft. The Bend hingegen bietet eine neue und erstaunliche Anlage. Ich fände es cool, wenn beide Rennstrecken genutzt würden. Beides sind aus verschiedenen Gründen Weltklasseanlagen. Die Superbike-WM ist beinahe eine Europameisterschaft, die Teams geben sehr viel Geld aus, um für eine Veranstaltung nach Australien zu fliegen. Warum nicht auf beiden Strecken fahren? Die Zuschauer kommen aus unterschiedlichen Gegenden.»
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