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Yamaha-Rennchef Dosoli kontert Vorwurf: «Waren in gleicher Lage wie Ducati»

Ducatis Superbike-Technik-Koordinator Marco Zambenedetti kritisiert die mangelnde Entwicklung der Konkurrenz. Andrea Dosoli als Rennsport-Verantwortlicher bei Yamaha will das so nicht stehen lassen.

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«Es ist sehr einfach Gegner zu besiegen, die nichts tun, um sich zu verbessern», sagte Ducatis Superbike-Technikchef Marco Zambenedetti nach den Rennen im tschechischen Most. «Abgesehen von BMW sehe ich nichts», hielt er fest, vor allen Honda und Yamaha blieben deutlich hinter den Erwartungen. «Vielleicht haben sie sich entschieden, ihre Motorräder, Ingenieure, Arbeitsweisen und Fahreraufgebote nicht weiterzuentwickeln. Stattdessen beschweren sie sich über diejenigen, die gute Arbeit leisten.»

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Bis zur Saisonhalbzeit hat Ducati in sechs Events alle 18 Läufe gewonnen, 15-mal gelang mit Nicolo Bulega und Iker Lecuona sogar ein Doppelsieg! Ducati brillierte bereits zum Ende der Saison 2025 im Titelkampf gegen Toprak Razgatlioglu und BMW mit Siegen in den letzten vier Rennen, die neue Panigale V4R ist nicht nur dem Vorgängermodell überlegen, sondern auch der Konkurrenz.

Andrea Dosoli: «Yamaha kann stolz sein»

Yamaha-Rennchef Andrea Dosoli will die Kritik von Ducati so nicht stehen lassen und versucht das Thema aus einem größeren Blickwinkel aufzuarbeiten. «Für mich ist der Punkt, was wir unter Investitionen verstehen», begann der Mailänder im Exklusiv-Interview von SPEEDWEEK.com. «Wenn ich mir anschaue, was Yamaha in den vergangenen Jahren geleistet hat, dann können wir stolz sein, weil wir der Meisterschaft dabei geholfen haben, zu wachsen. Wir sind in sämtlichen Klassen involviert und haben mit der Blu Cru ein einzigartiges Entwicklungsprogramm für junge Fahrer, das funktioniert – Aldi Mahendra stammt aus diesem und hat es in der Supersport-WM schon fast aufs Podium geschafft. Wenn wir die Frauen-WM außenvorlassen, dann stellen wir zirka 30 Prozent der Motorräder in den WM-Klassen. Ich kann also sagen, dass Yamaha viel in diese Plattform investiert.»

Vor zwei Jahren wurden wir Hersteller von der FIM und Dorna gebeten einen Fahrplan festzulegen, um die Leistungsfähigkeit zu reduzieren.

andrea dosoli

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«Reden wir über die Spitze der Meisterschaft, die Superbike-Klasse», fuhr der Yamaha-Rennchef fort. «Vor zwei Jahren wurden wir Hersteller von der FIM und Dorna gebeten einen Fahrplan festzulegen, um die Leistungsfähigkeit zu reduzieren. Ab 2027 wird die MotoGP langsamer sein und wir müssen dafür sorgen, dass es einen gewissen Unterschied zwischen diesen beiden Meisterschaften gibt. Und es braucht eine großartige Show, in der mehrere Hersteller und Fahrer um das Podium und den Sieg kämpfen können. Gleichzeitig soll am Ende der beste Fahrer mit dem besten Team und Motorrad gewinnen, schließlich reden wir von Sport. Wenn ich die jetzige Situation beurteile, dann sind wir unglücklicherweise weit von diesen Zielen entfernt. Verglichen mit der Vergangenheit waren wir in jedem Rennen schneller – um 10 bis 17 Sekunden!»

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Pace wurde höher, keine Ausgeglichenheit

«Seit Locatelli wieder in Form ist, sind auch wir schneller als im Vorjahr», so Dosoli. «Also gehen auch wir in diese Richtung. Wir haben das Werkzeug der Spritdurchflussmengenkontrolle, um die Pace zu reduzieren, um für ausgeglichene Rennen zu sorgen, die wir aber nicht haben. Das bedeutet, dass ein anderer Hersteller viel bessere Arbeit als wir geleistet hat, was Yamaha als Motivation auffasst. Wir müssen also härter arbeiten, um die Lücke zu schließen. Die Wahrheit ist aber, dass der Rückstand riesig ist. Wenn die erste Ducati 20 sec vor uns liegt, dann reden wir von 1 sec pro Runde. Lässt sich 1 sec pro Runde aufholen? Das bezweifle ich. Auf einigen Strecken wie dem Balaton Park ist das der Unterschied zwischen einem Superbike und einer MotoGP-Maschine. Also frage ich mich, ob wir in die richtige Richtung gehen. Natürlich ist es das Ziel, unser Technikpaket, die Fahrer und den gesamten Rennbetrieb zu verbessern. Aber die FIM und Dorna machen sich Sorgen, was kurzfristig unternommen werden kann, um zum ursprünglichen Plan zurückzukehren: Langsamer zu werden und eine bessere Show zu liefern. Ich habe keine Lösung und kann auch die Frustration verstehen, die der dominierende Hersteller Ducati äußert, der fantastische Arbeit geleistet hat. Sie fragen sich, weshalb wir darüber diskutieren sollen, die Meisterschaft für die Zuschauer interessanter zu machen. Der Punkt ist, dass wir eine Lösung finden müssen, um eine nachhaltige Meisterschaft zu haben, die wachsen kann. Wir müssen verhindern, dass sich Sponsoren abwenden und Spitzenfahrer demotiviert werden, weil sie um Platz 10 oder 7 kämpfen, obwohl sie das Potenzial für das Podium haben.»

Wenn wir nichts unternehmen, hat diese Meisterschaft keine Zukunft.

andrea dosoli

«Wir sind offen dafür, mit den anderen Herstellern darüber zu sprechen, wie sie ihre Schwächen beheben können», räumte Ducati-Manager Zambenedetti ein. «Man kann über mehr Flexibilität im Reglement diskutieren, um ihnen zu helfen. Aber die Grundlage muss sein, dass sie in ihren Werken arbeiten. Wir können keine Performance verschenken. Das wäre respektlos gegenüber denjenigen, die gute Arbeit leisten – gegenüber BMW und uns.»

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Immer wieder wird in diesem Zusammenhang vorgeschlagen, die aus der Supersport- und Sportbike-WM bekannte Next-Generation-Regel auch in der Superbike-WM einzusetzen und die Motorräder über die Elektronik, Zusatzgewichte und die maximal erlaubte Drehzahl anzugleichen. Zambenedetti sagt: «An einer solchen Meisterschaft bin ich nicht interessiert.»

Dosoli fordert neue technische Regeln für mehr Chancengleichheit

«Wir müssen mit den technischen Regeln neue Richtungen erforschen», schlägt Dosoli vor. «Ich möchte hervorheben, dass wir eine solche Dominanz nicht zum ersten Mal sehen. Das gab es auch in der Vergangenheit schon, wenn auch nicht auf diesem Niveau. Es gab die Tage von Kawasaki oder Alvaro Bautista. Die anderen hatten aber immer die Chance aufs Podium zu fahren, das ist heute nicht mehr so. Yamaha war auch bereits in dieser Lage – in der Supersport-WM. Vor der Einführung der Next-Generation-Regeln war die R6 das dominierende Motorrad. Als die Next-Gen-Regeln präsentiert wurden, haben wir versucht – auch ich –, unsere Position zu schützen. Nach ein paar Jahren muss ich aber zugeben, dass die Einführung der Next-Generation-Regeln die richtige Entscheidung war, weil wir daraus resultierend mehr Hersteller in der Startaufstellung haben und engere sowie aufregendere Rennen sehen. Das eröffnet Möglichkeiten. Wenn ein Hersteller nicht daran glaubt, dass er konkurrenzfähig sein kann, dann wird er nie in eine Meisterschaft einsteigen. Der beste Fahrer mit dem besten Team und Motorrad soll die Meisterschaft gewinnen, bis dahin wollen wir aber einige Kämpfe erleben. In den kleineren Klassen sehen wir, dass das funktioniert. Deshalb sollten wir keine Angst davor haben, eine neue technische Richtung für die Superbike-Klasse zu suchen. Mein Standpunkt ist nicht, dass wir die Next-Generation-Regeln für die Superbikes brauchen. Aber wir müssen etwas erforschen, mit dem wir uns bislang nicht befasst haben. Was das genau sein wird, kann ich im Moment nicht sagen. Dafür müssen alle Hersteller zusammensitzen und Ideen auf den Tisch bringen. Dabei müssen geleistete Entwicklungen von einigen Herstellern ebenso berücksichtigt werden wie solche Investitionen, die in den Sport getätigt wurden. Wenn wir nichts unternehmen, hat diese Meisterschaft keine Zukunft. Niemand will eine Meisterschaft sehen, in der Hersteller, Sponsoren und Teams aussteigen, weil sie nicht konkurrenzfähig sind und am Ende nur noch ein paar Hersteller übrigbleiben. Das kann niemand akzeptieren, am wenigstens der Rechteinhaber.»

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