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DTM 2012: «Bruno, come in this lap!» Erst fahren, dann diskutieren

Am 21. Oktober 2012 wurde Bruno Spengler in Hockenheim Deutscher Meister. Eigentlich hatte er die DTM schon am 30.9. gewonnen. Wie Charly Lamm mit seinem resoluten Befehl vorab den Titel rettete.

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Bruno Spengler 2012 vor dem «Rest der Welt»
Bruno Spengler 2012 vor dem «Rest der Welt»
Foto: Upitz
Bruno Spengler 2012 vor dem «Rest der Welt»
© Upitz

Eingefleischte Fans der DTM, speziell die BMW-Fans, erinnern sich gut und gern an das Finalrennen 2012 in Hockenheim. Da führten die beiden Titelaspiranten in den letzten zehn der 42 Rennrunden eine grandiose Tandempartie auf, wiewohl sie sich keineswegs einig waren. Gary Paffett im AMG Mercedes saß Bruno Spengler im BMW M3 verbissen im Nacken. Spengler fuhr jeden dieser Meter fehlerlos, passierte die Ziellinie als Erster – und war damit Meister. Aber das ist noch mal eine andere Geschichte wert.

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Heute geht es darum: Was das Publikum nicht wissen konnte, war, dass Spengler die Meisterschaft eigentlich schon ein Rennen zuvor, beim vorletzten Lauf in Valencia am 30. September 2012, gewonnen hatte. Und das ging so: Das Qualifikationstraining in Valencia war gerade mal 20 Minuten alt, da sah es so aus, als liefe es problemlos für Bruno Spengler. Als Gary Paffett bereits im ersten Qualifikations-Durchgang ausschied und für ihn am Ende nur Startplatz 16 heraussprang, als das selbe Schicksal auch noch Jamie Green mit Rang 18 traf, da schien es schon sehr gerade auf den Dritten im Bunde der theoretischen Titelanwärter hinauszulaufen. Während die beiden Mercedes-Piloten noch mit ihrem Missgeschick und mangelndem Grip haderten, lag eine Spitzenposition, weit vor seinen Gegnern, für ihn förmlich in der Luft. Spengler scheiterte indessen um lächerliche sechs Tausendstel am Sprung in die Top Ten und er landete, Schadensbegrenzung, auch nur vier Plätze vor Paffett.

Wie es so seine Art ist, versprühte Bruno ruhigen Optimismus nach dem Motto, mal sehen was geht. Und das sah nach einem wie immer turbulenten Start zunächst einmal gar nicht so schlecht aus. Der schwarze Schnitzer BMW tauchte schon bald unbeschädigt auf Rang sieben auf. Seine beiden Mercedes-Verfolger konnten sich im Getümmel nicht in Szene und insbesondere nicht nach vorne absetzen.

Dann die Schrecksekunde: In Runde fünf wird eine Durchfahrtsstrafe gegen Spengler verhängt: Frühstart! Der Franko-Kanadier will davon nichts wissen. «I didn´t do a jump start», versucht er über Funk seinem Renningenieur klarzumachen. Als der ihn mehrfach auffordert, die Boxendurchfahrt anzutreten, sträubt sich der kämpferische Pilot. «Ich stoppe nicht, vergesst es», zetert er hörbar aufgebracht in den Funkverkehr. An der Box weiß man indessen ganz genau, widersetzt sich unser Mann, sind wir aus dem Rennen.

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Charly Lamm meldete sich persönlich am Funk

Erst als sich Charly Lamm persönlich im Funk meldet und mit keinen Widerspruch duldender Stimme befiehlt: «BRUNO COME IN THIS LAP, COME IN THIS LAP» – da schert Spengler flugs in die Boxengasse ein. Die Devise ´erst fahren, dann diskutieren´ hatte inzwischen auch ihn überzeugt. Das war sein Glück. Denn nach verbüßter Strafe entwickelten sich die Dinge eindeutig zu seinen Gunsten. In absolut fehlerfreier, eine schnellste Runde nach der anderen produzierender Fahrt kämpfte er sich Platz für Platz in Richtung Punkteränge. Nach perfektem Boxenstopp schmuggelte er sich an Green (Paffett rangierte angeschlagen im hinteren Mittelfeld) vorbei. Mit einem taktisch klugen späten zweiten Boxenstopp verschafften die Schnitzer-Strategen ihrem Mann einen leichten Reifen-Vorteil für die Schlussphase.

Spenglers auf Rang acht fahrender Schnitzer-Kollege Dirk Werner wusste (woher wohl?) um dessen Chance auf wichtige Punkte. Er machte sich daher, eher breitspurig und nicht sonderlich um Eile bemüht, gar nicht erst die Mühe, die Audi-Pilotin Rahel Frey abzuschütteln, die ihn mutig attackierte. Nach einem Fahrfehler Werners konnte Frey dessen gelben M3 hinter sich lassen. Spengler ging dann ebenfalls an Werner vorbei. Als Frey auf Spenglers Markengefährten Andy Priaulx auflief, sah der ebenfalls aus naheliegenden Gründen nicht den geringsten Anlass, sich schnell überholen zu lassen. Denn Spengler tauchte inzwischen formatfüllend in beider Rückspiegel auf. Schließlich ging Spengler innen an beiden vorbei.

Als dann auch noch der an zweiter Stelle liegende Edoardo Mortara seinen Audi defekt abstellte, war das schier Unfassbare passiert: Spengler beendete ein mehrfach aussichtslos wirkendes Rennen als Sechster und verkürzte mit den ehrlich verdienten acht Punkten den Rückstand auf Paffett deutlich. Da gab es auch keinen Grund mehr, zu diskutieren. Wäre Bruno nicht folgsam gewesen, hätte man ihn disqualifiziert – die geretteten Punkte von Valencia machten seinen Titel erst möglich. Denn ohne die in Valencia erkämpften acht Zähler hätten ihm am Ende vier auf seinen britischen Kontrahenten - und damit auf die Meisterschaft gefehlt.

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