FIA führt Rally6-Klasse ein: Rallyesport zum Kampfpreis
Der neue Einstieg: In der neuen Rally6-Kategorie sollen günstige Fahrzeuge, seriennahe Technik und überschaubare Betriebskosten Nachwuchsfahrern und Privatteams den Weg auf die Rallyepisten ebnen.
Die FIA nimmt die hohen Einstiegskosten im Rallyesport ins Visier. Mit der neuen Rally6-Kategorie schafft der Automobil-Weltverband eine Fahrzeugklasse, die bewusst auf teure Spezialtechnik verzichtet. Statt auf immer aufwendigere Konstruktionen setzt das Reglement auf einfache, robuste und möglichst kostengünstige Lösungen.
Als Vorbild dient Frankreich. Dort hat der nationale Motorsportverband FFSA mit seinem FR6-Reglement bereits die Grundlage für eine preiswerte Rallyeklasse mit Einstiegsmodellen auf Basis des Peugeot 208, Opel Corsa, Lancia Ypsilon und Renault Clio geschaffen. Die FIA übernimmt wesentliche technische Vorgaben und überträgt das Konzept auf die internationale Ebene.
Technisch setzt Rally6 auf ein überschaubares Konzept. Zugelassen sind viersitzige Serienfahrzeuge mit Zweiradantrieb. Unter der Motorhaube arbeiten Turbomotoren mit maximal 1,6 oder Saugmotoren bis zum 2,0 Liter Hubraum. Das angestrebte Leistungsgewicht liegt bei 7,5 Kilogramm pro PS. Bei einem Fahrzeuggewicht von 1.050 Kilogramm entspricht das einer Motorleistung von 140 PS. Damit steht nicht maximale Leistung im Vordergrund, sondern bezahlbarer Wettbewerb.
Auch bei den übrigen Komponenten zieht die FIA klare Kostengrenzen. Seriennahe Bremsen und Reifen sollen die Ausgaben ebenso reduzieren wie konventionelle Handschaltgetriebe mit H-Schaltung. Hinzu kommen nicht verstellbare Wettbewerbsstoßdämpfer, die aufwendige Abstimmarbeiten und teure Speziallösungen überflüssig machen sollen.
Bei der Sicherheit wird dagegen nicht gespart. Die vorgeschriebenen Standards, allen voran beim Chassis und der Sicherheitszelle orientieren sich an den Fahrzeugen der deutlich aufwändigeren Rally5- und Rally4-Fahrzeugen. Mit der offiziellen FIA-Homologation erhält Rally6 nun ein einheitliches technisches Fundament. Das macht die Klasse nicht nur für private Fahrer und Teams interessant, sondern auch für Hersteller und nationale Motorsportverbände.
Sie können auf dieser Basis eigene Markenpokale, Nachwuchsserien und Breitensportprogramme entwickeln, ohne dafür unterschiedliche technische Regelwerke schaffen zu müssen. Ein Vorreiter ist der ADAC mit dem in dieser Saison erstmals ausgeschriebenen ADAC Junior Cup mit dem Opel Corsa Rally6. Um auch die Einsatzkosten möglichst gering zu halten sind Straßensportreifen auf Stahlfelgen vorgeschrieben.
Die FIA beschränkt sich allerdings nicht auf die Einführung einer neuen Fahrzeugklasse. Parallel dazu hat der Weltverband eine umfassende Überarbeitung der Vorschriften für nationale Rallyemeisterschaften beschlossen. Sportliche und organisatorische Abläufe sollen vereinfacht und international stärker vereinheitlicht werden.
Nach Angaben der FIA handelt es sich um die umfangreichste Reform dieser Bestimmungen seit nahezu zehn Jahren. Mit Rally6 setzt die FIA ein Signal: Der Einstieg in den Rallyesport soll wieder erschwinglicher werden.
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