Ein Leben für Alfa Romeo: Erinnerungen an Helmut Hähn
Helmut Hähn, engagierter Alfa-Händler, Entdecker und Förderer von Gerd Schüler, Jochen Mass oder Harald Ertl wäre am 11. August 95 Jahre alt geworden.
Er war zu Lebzeiten nicht nur einer von Deutschlands ältesten noch aktiven Alfa Romeo-Händlern: Helmut Hähn. Hähn hat alle Höhen und Tiefen des Mailänder Unternehmens miterlebt und war Ehrenmitglied im Vorstand des deutschen Alfa-Händlerbeirats.
In den Alfa-Tourenwagen des waschechten Mannheimers starteten Gerd Schüler (wird demnächst 85) und Jochen Mass (am 4. Mai 2025 verstorben) ihre Karrieren, später stieß auch der unvergessene Harald Ertl (1982 bei einem Flugzeugabsturz gestorben) zur Hähn-Truppe.
Alle drei gehörten zur jener wilden Mannheimer Clique der 60er Jahre, die das Bergrennen Eberbach plus alle Hockenheim-Events ihres örtlichen Motorsportclubs MHSTC quasi vor der Haustüre zu ihrem alljährlichen Happening machten.
Ob mit Alfa Giulia Super TI oder Alfa GTA – mit den im Hähn-Stall vorbereiteten Autos driftete Schüler regelmäßig zu Klassensiegen, betreut vom Hähn-Mechaniker Jochen Mass.
Mass wiederum nervte seinen Chef so lange, bis er endlich selbst ans Lenkrad durfte und fortan Schrott und Siege in buntem Wechsel ablieferte. Wenn Hähn an sein Fahrer-Trio von damals dachte, sprudelte es nur so aus ihm heraus: «Der Schüler fuhr rund, abgeklärt und clever, der Mass wild und risikoreich, und der Ertl war einfach nur ein Wahnsinniger. Mit den Dreien habe ich die schönste Zeit überhaupt im Rennsport erlebt.»
Auf rund 120 Einzelsiege konnte der Alfa-Teamchef zurückblicken, dazu einen Berg-Titel (Schüler/Giulia TI) und eine Vize-Meisterschaft (Reinhard Stenzel/Alfa GTA). Oft und gerne zwängte sich der Chef auch mal selbst in die Cockpits seiner Autos, aber als Tuner und Techniker war er eindeutig besser.
Dabei hat Hähn die Rennerei immer nur nebenbei betrieben, an den Autos wurde vorzugsweise nach Feierabend geschraubt. Tagsüber war der ganz normale Kunde König. Besonders stolz war Hähn immer darauf, dass er noch nie Schulden machen musste und immer das Motto beherzigt hatte: «Ich kann mir nur das leisten, was ich auch sofort bezahlen kann.»
Ganz überraschend tauchte Hähn 2002 nochmals an den Rennstrecken auf. Er hatte sich überreden lassen, nach fast 30 Jahren Rennpause ein Auto im damals neuen Alfa 147 Diesel-Cup einzusetzen.
Aber er schlenderte wie ein Fremder durchs Fahrerlager. «Das ist wohl doch nicht mehr meine Welt», stellte Helmut Hähn ernüchtert fest, «alles ist so ernst, teils schwer verständlich und auch so hektisch unpersönlich.»
Einzig das Alfa Romeo-Gästezelt ließ ihn strahlen. «Hier triffst du wenigstens den einen oder anderen alten Freund und kriegst auch noch was Gescheites zu essen und zu trinken.»
Nach dem für ihn eher frustrierenden Comeback beschäftigte er sich nur noch mit der Restaurierung aller möglichen Alfa-Modelle und legte sich im Laufe der Zeit eine stattliche Sammlung wertvoller alter Alfas zu.
Sport, Fitness, Urlaub und Krankheit waren für Helmut Hähn übrigens zeitlebens Fremdwörter. Stattdessen haben die drei großen A als selbst gewähltes Lebensmotto Helmut Hähn bis zu seinem Tod begleitet: «Alfa, Autos, Arbeit.»
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