Vom MotoGP-Sorgenkind zum Sieger: Trackhouse über Raul Fernandez’ Wandel
Trackhouse-Eigentümer Justin Marks erlebte Raul Fernandez’ Silverstone-Sieg vor Ort. Nach dem Erfolg verriet der US-Amerikaner, wie ungewiss die MotoGP-Zukunft des Spaniers wochenlang war.
Für Trackhouse-Eigentümer Justin Marks hätte die Reise zum MotoGP-Wochenende in Silverstone kaum besser laufen können. Der US-Amerikaner war vor Ort, als
Dabei war Fernandez’ Zukunft bei Trackhouse einige Wochen zuvor keineswegs vollständig geklärt. Teamkollege Ai Ogura hatte seine Zukunft bereits vor Monaten besiegelt und sich auf einen Wechsel zu Yamaha eingelassen. Für Justin Marks war Oguras Entscheidung eine Überraschung. Dennoch ließ Trackhouse Fernandez eine Weile lang zappeln und beobachtete, wie sich der Spanier schlägt.
«Wir hatten nicht erwartet, dass Ai zu diesem Zeitpunkt die Entscheidung treffen würde, die er getroffen hat. Also begannen wir damit, herauszufinden, wie unsere Zukunft auf dieser Seite der Box aussehen würde. Gleichzeitig fragte Raul: 'Hey, wo ist mein Vertrag?' Er musste also sehr geduldig sein.»
Trotz ungewisser Zukunft: Raul Fernandez zeigte Stärke
Marks bestätigte, dass es für Fernandez eine Phase der Ungewissheit gab. Besonders beeindruckte den Trackhouse-Chef, dass sich diese nicht negativ auf die Leistungen seines Fahrers auswirkte. «Es gab einen Zeitraum, in dem er sich seiner Zukunft nicht sicher sein konnte. Doch während dieser Ungewissheit lieferte er seine Leistung ab. Dann haben wir den Vertrag unterschrieben. Jetzt hat er Sicherheit und einen Vertrag über mehrere Jahre. Wir haben ihm unsere Unterstützung gezeigt – und er hat weiter abgeliefert.»
Genau darin erkennt Marks inzwischen eine besondere Qualität seines Fahrers. «Unabhängig davon, was in der Box, in der Hospitality oder zu Hause passiert, rauszugehen und seinen Job zu erledigen, zeichnet einen großartigen Sportler aus.»
Wie Trackhouse aus Fernandez einen MotoGP-Sieger machte
Der Weg von Fernandez in der MotoGP verlief keineswegs geradlinig. Nach seinen Erfolgen in der Moto2 tat sich der Spanier zunächst schwer, sein Potenzial auch in der Königsklasse konstant abzurufen. Marks sieht darin rückblickend vor allem eine Frage der individuellen Entwicklung. «Als er seinen Moto2-Vertrag hatte, gewann er Rennen. Dann kam er hierher und ein paar Jahre lang stellte sich die Frage: Wird er es schaffen? Es ist einfach ein anderes Entwicklungstempo», meinte Marks und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: «Ich glaube, die ganze Zeit über hat er nur auf Trackhouse gewartet.»
Ein wichtiger Faktor bei der Entwicklung von Fernandez sei das Vertrauen innerhalb des Teams gewesen. Marks verweist dabei auch auf seine eigene Vergangenheit. Der US-Amerikaner war selbst zwei Jahrzehnte als professioneller Rennfahrer aktiv und kennt deshalb die psychologischen Herausforderungen des Sports.
«Ich weiß, was diese Jungs durchmachen. Ich weiß, wie es sich anfühlt zu verlieren. Ich weiß, wie es sich Crashs anfühlen. Ich weiß, wie es sich anfühlt, über einen längeren Zeitraum nicht die gewünschten Ergebnisse auf der Strecke zu erzielen. Vieles davon ist Psychologie», betonte der Trackhouse-Eigentümer.
In den vergangenen Jahren habe er deshalb versucht, Fernandez vor allem Rückhalt zu geben. «Meine Kommunikation mit Raul bestand stark darin, ihn zu unterstützen: Was brauchst du? Was hilft dir? Wenn es ihm schlecht ging, ging es darum, ihm zu zeigen: Mach dir keine Sorgen, es ist keine große Sache. Wir machen Fehler, wir stürzen, manchmal stimmt die Leistung nicht – aber wir werden es schaffen.»
Dieses Vertrauen habe Fernandez geholfen, geduldiger zu werden und sich stärker auf seine eigentliche Arbeit zu konzentrieren. «Er begann zu spüren: Das ist ein Team, dem ich wichtig bin. Dieses Team investiert in meine Zukunft. Dieses Team glaubt daran, dass ich Großes erreichen kann», schilderte Marks. «Das hat ihm ermöglicht zu sagen: Okay, ich kann geduldiger sein. Ich kann mich einfach auf die Arbeit konzentrieren und versuchen, Schritt für Schritt besser zu werden.»
Justin Marks konnte erstmals mit seiner Mannschaft einen Sieg jubeln
Dass Marks ausgerechnet beim Silverstone-Wochenende persönlich anwesend war, verlieh dem Erfolg zusätzliche Bedeutung. «Es ist das erste Rennen, bei dem ich vor Ort war und wir gewonnen haben», freute sich der US-Amerikaner.
Fast wichtiger als der sportliche Erfolg selbst war ihm dabei die gemeinsame Feier mit seiner Mannschaft. «Das Beste daran ist, mit dem gesamten Team zusammen zu sein, mit ihnen zu feiern und ihnen zu sagen, wie stolz wir auf sie sind. Denn in diesem Sport geht es um Menschen. Es geht darum, dass Menschen zusammenarbeiten, hart arbeiten und ein echtes Team bilden.»
Seine eigene Rolle als Eigentümer sieht Marks dabei vor allem darin, die Voraussetzungen für den Erfolg zu schaffen. «Ich sehe mich in der Position, sie zu unterstützen, ihnen Rückhalt zu geben, sie aufzubauen und ihnen alles zur Verfügung zu stellen, was sie brauchen. Hier zu sein und gemeinsam mit ihnen feiern zu können, ist etwas ganz Besonderes.»
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