Sekt schon kalt gestellt: Toyota kann in Chile Herstellertitel holen
Toyota kann bei der Rallye Chile den sechsten Herstellertitel in Folge holen. Ein Punkt mehr als Hyundai reicht. In der Fahrer-WM ist dagegen noch alles offen.
Bereits bei der Rallye Paraguay hatte Toyota den ersten Matchball. Damals hätte eine um sechs Punkte bessere Ausbeute als Hyundai gereicht. Reifenprobleme und ein überraschend starker Hayden Paddon, der für Hyundai Zweiter wurde, verhinderten jedoch die vorzeitige Entscheidung. Daran änderte auch der Sieg von Sami Pajari nichts.
Nun bietet sich Toyota beim zwölften von 14 WM-Läufen in Chile die nächste Chance – und diesmal könnte sie zum Titel führen. Während die Herstellerwertung kurz vor der Entscheidung steht, verspricht der Kampf um die Fahrerkrone bei noch drei bevorstehenden WM-Läufen Hochspannung, sind maximal noch bis zu 105 Punkte zu holen. Für einen Sieg gibt es 25 WM-Zähler, 5 weitere für die Sonntagswertung sowie nochmals 5 auf der finalen Power Stage.
WM-Leader ist Toyota-Pilot Elfyn Evans mit 216 Punkten. Sein Vorsprung schrumpft jedoch: Sami Pajari hat nach drei Siegen in Folge bereits 196 Zähler. Dahinter folgen Oliver Solberg (175) und Takamoto Katsuta (160). Auch Hyundai ist noch vertreten: Adrien Fourmaux liegt mit 149 Punkten auf Rang fünf, nur einen Zähler vor Titelverteidiger Sébastien Ogier. Thierry Neuville, Weltmeister von 2019, hat mit 129 Punkten ebenfalls noch theoretische Chancen.
Evans erwartet in Chile schnelle, flüssige Prüfungen, sieht aber das Wetter als entscheidenden Faktor. Bei trockenen Bedingungen ist der Untergrund für die ersten Fahrzeuge zunächst sehr locker, zugleich steigt der Reifenverschleiß. Entsprechend wichtig wird ein kluges Reifenmanagement. Regen kann die Pisten dagegen in rutschige Schlammpfade verwandeln, während dichter Nebel die Sicht in den Wäldern stark einschränken kann.
Auch Ogier hofft nach den Reifenproblemen von Paraguay auf konstante Bedingungen. Der Vorjahressieger blickt zuversichtlich auf die anspruchsvollen Schotterpisten und freut sich auf die Atmosphäre und Rallyebegeisterten Fans in Chile.
Die Rallye Chile findet vom 10. bis 13. September rund um die Pazifikstadt Concepcion statt. Auf dem Programm stehen 16 Wertungsprüfungen über 311,70 Kilometer, die Gesamtdistanz beträgt 1.170 Kilometer.
Der chilenische Schotter unterscheidet sich von vielen anderen WM-Rallyes. Die Pisten sind vergleichsweise glatt und meist frei von großen Steinen, werden normalerweise aber von schweren Holztransportern genutzt. Schnelle, flüssige Passagen wechseln mit technisch anspruchsvollen Abschnitten.
Das Wetter kann die Bedingungen innerhalb kürzester Zeit verändern: Die Nähe zum Pazifik sorgt morgens häufig für Nebel, Regen verwandelt die Wege in rutschige Schlammpisten. Bei Trockenheit steigt dagegen der Reifenverschleiß. Blinde Kurven und Kuppen sowie wechselnde Sichtverhältnisse machen einen präzisen Aufschrieb besonders wichtig.
Toyota tritt mit Sébastien Ogier, Elfyn Evans, Sami Pajari, Takamoto Katsuta und Oliver Solberg an. Katsuta erhält mit James Fulton einen neuen Beifahrer. Hyundai setzt auf Thierry Neuville, Adrien Fourmaux und Esapekka Lappi, M-Sport Ford schickt Josh McErlean und Jon Armstrong ins Rennen.
Auch die WRC2 ist mit 18 Rally2-Fahrzeugen stark besetzt. Zu den Favoriten zählen Tabellenführer Robert Virves im Škoda sowie das Lancia-Werksduo Nikolay Gryazin und Yohan Rossel. Die Mitfavoriten Alejandro Cachón und Diego Domínguez starten in einem Toyota.
In der Junior-WM fällt beim fünften und letzten Saisonlauf die Titelentscheidung. Dank doppelter Punkte ist das Duell völlig offen: Calle Carlberg führt mit 95 Punkten, Ali Türkkan liegt nur drei Zähler zurück. Gil Membrado hat mit 71 Punkten ebenfalls Chancen. Alle drei fahren einen von M-Sport eingesetzten Ford Fiesta Rally3. Insgesamt stehen 56 Teams auf der Starterliste.
Für Toyota ist die Rechnung denkbar einfach: Ein Punkt mehr als Hyundai – und der sechste Herstellertitel in Folge ist perfekt.
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach
